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Wirtschaft

LENICURA GmbH

Wer von Akne inversa betroffen ist, leidet unter Abszessen, die den Alltag stark einschränken können. Mit der LAight®-Therapie lässt sich diese chronische Erkrankung erstmals nicht-invasiv behandeln.

Februar 2019

Unternehmen:
LENICURA GmbH

Gründer:
Dr. rer. nat. Andreas Hafner,
M. Sc., MBA Arend Poppner,
Dr. rer. pol. Katharina Reinhard

Gründungsdatum:
Mai 2014

Branche und Unternehmen:
Medizintechnik

Motto:
"Was uns antreibt: mit einer Innovation die Lebensqualität vieler chronisch kranker Menschen zu verbessern."

Interview mit den Gründern

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?
Arend Poppner: Mit unserer LAight®-Therapie lässt sich Akne inversa erstmals nicht-invasiv behandeln. Betroffene leiden unter chronischen Abszessen, die ihren Alltag durch permanente Schmerzen stark einschränken – sei es im familiären, im beruflichen oder im ganz intimen Umfeld. Ein Prozent der Bevölkerung leiden unter Akne inversa. Zuvor gab es für sie nur sehr belastende Therapieoptionen wie großflächige Operationen oder ein Medikament mit erheblichen Nebenwirkungen. Die LAight®-Therapie, bei der Licht und Radiofrequenz verwendet werden, ist sanft und kann dauerhaft für Linderung und eine bessere Lebensqualität sorgen. Mit einem umfangreichen Betreuungskonzept sorgen wir zudem dafür, dass Ärzte ihr ganzes medizinisches Know-how nutzen können, um die Patienten bestmöglich zu betreuen.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?
Katharina Reinhard: Wir haben eine klinische Studie durchführen können, die die Wirkung der LAight®-Therapie bestätigt. Dies war die Voraussetzung für die medizinische Zulassung des Behandlungsgerätes – unser erster großer Meilenstein. Mit den WZ®-WundZentren haben wir einen ersten großen Kooperationspartner gewonnen, der unsere Therapie flächendeckend eingeführt hat. Inzwischen gibt es 27 Anwender in Deutschland und Österreich, und wir versorgen über 1.200 Patienten. Zudem haben wir renommierte Forschungspartner gewonnen.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?
Arend Poppner: Ich habe ein BWL-Studium mit Auslandsaufenthalt und Doppelabschluss absolviert – Bachelor, Master, MBA. Im Anschluss habe ich die Familienunternehmung im Immobilienbereich geführt. Ich kannte Frau Dr. Reinhard bereits aus dem Studium und bin bei LENICURA eingestiegen, als es darum ging ein Konzept auszuarbeiten, um den Bedarf der Patienten an Betreuung zu decken.

Katharina Reinhard: Ich habe ebenfalls einen Bachelor in BWL, auch einen Master in Finance und einen MBA. Danach bin ich an der Uni Witten in Finanzen und Ökonomie promoviert worden. Anschließend habe ich an der European Business School unterrichtet. Auch jetzt halte ich noch eine Ökonomie-Vorlesung im Semester.

Andreas Hafner: Ich habe in Frankreich und Deutschland Physik studiert und wurde an der Uni Mainz promoviert. Als Postdoc habe ich unter anderem in Stanford Teilchenphysikprojekte betreut und habe mit Entwicklung der LAight@-Therapie meine wissenschaftliche Karriere hinter unser Projekt LENICURA gestellt.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Katharina Reinhard: Dass wir etwas gefunden hatten, das so vielen Menschen helfen kann – und dass wir die Möglichkeiten hatten dies umzusetzen. Bei einem Blick auf die Versorgung haben wir festgestellt: So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Für uns ist es sozusagen eine soziale Verpflichtung, aber wir lieben auch, was wir tun. Es ist ein Segen, jeden Tag zu wissen, was man mit der eigenen Arbeit erreicht. Es ist ganz toll zu sehen, was für einen Unterschied das eigene Tun und Handeln für so viele Menschen macht.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?
Arend Poppner: Wir hatten natürlich einen Steuerberater, der uns bezüglich der Gesellschaftsform beraten hat. Anderen würden wir empfehlen, sich zum Beispiel in einem Gründungsbüro, wie es eines an der Unimedizin Mainz gibt, Hilfe zu holen. Die Lotsen durch den Förderdschungel haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Auch wir hätten an manchen Stellen viel Geld einsparen können, beispielsweise bei Patentanmeldungen.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründer erlebt?
Arend Poppner: Bei uns war das ein schleichender Prozess. Es ist schön zu sehen, dass man mit der eigenen verantwortlichen Handlung direkt so viel Einfluss hat. Gleichzeitig ist es auch Druck.
Katharina Reinhard: Grundsätzlich sind die Tage als Gründer eher länger ...

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?
Andreas Hafner: Das war die medizinische Zulassung. Gemeistert haben wir das mit Durchhaltevermögen, Fleiß, Einarbeiten, Offensein und viel Arbeitsleistung – das kann man wirklich nicht anders sagen. Wir hatten natürlich Glück, das wir eine einzigartige Zusammenstellung von Fähigkeiten in unserem Unternehmen haben. Im nächsten Schritt ist jetzt die Rückerstattung bei den Krankenkassen die größte Herausforderung.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?
Arend Poppner: Dadurch, dass Akne inversa sehr schambehaftet ist, ist das Internet sehr wichtig, da es eine gewisse Anonymität bietet. Es gibt große Selbsthilfeforen, in denen Patienten berichten. Wir haben außerdem ein sehr ausgereiftes Konzept für das lokale Marketing unserer bestehenden Partner, und natürlich gehen wir auch auf Konferenzen und Messen.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?
Katharina Reinhard: Wir sind komplett eigenfinanziert. Es gab zwar Gespräche mit Investoren, die auch gut verliefen, aber in manchen Punkten sind wir nicht mit ihnen übereingekommen. Ein genereller Tipp: Am besten sollte man dann einen Investor suchen, wenn man aktuell noch keinen braucht. Der Gelassene entscheidet immer besser als der Getriebene.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?
Andreas Hafner: Wir wollen in Deutschland Erstlinientherapie werden. Das heißt, dass Menschen, die Akne inversa haben, zunächst die LAight®-Therapie machen und nur dann in die weiteren Stufen eskalieren, wenn sie nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Damit geht einher, dass die Therapie von den Krankenkassen zurückerstattet wird. Mit einem dichten Netzwerk aus Standorten wollen wir räumlich für jeden Patienten in Deutschland erreichbar sein. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn wir die Therapie auch Menschen in anderen Ländern zur Verfügung stellen könnten. Unsere Vision ist wirklich, dass diese Erkrankung nicht mehr lebensbestimmend sein muss. Akne inversa sollte kein Schicksal mehr sein, sondern nur noch eine Diagnose. Dazu gehört nicht nur die Therapie, sondern die komplette Betreuung – dass der Patient auf seinem Weg, mit dieser Erkrankung bestmöglich umzugehen, professionell unterstützt wird.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich
Katharina Reinhard: ... schlafen! (lacht) Wir arbeiten tatsächlich sehr viel. Ich würde außerdem mehr Sport machen.
Arend Poppner: Da kann ich mich nur anschließen. Vielleicht würde ich auch wieder mit Spanisch anfangen.
Andreas Hafner: Ich würde mal wieder in Urlaub fahren.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Katharina Reinhard: Als Allererstes sollte man sich im Gründerteam fragen, ob das Menschen sind, mit denen man theoretisch 24/7 zusammen sein kann. Man sollte regelmäßig besprechen, ob sich jeder mit dem Weg, auf dem man ist, wohlfühlt. Es hilft bei Gründerteams sehr, wenn die Ziele, Einstellungen und Werte identisch sind – und man aber trotzdem unterschiedliche Dinge mit an den Tisch bringt. Ganz wichtig: immer Kritik suchen und sich diese auch anhören und reflektieren! Man sollte alles immer erst validieren – also testen, bevor man es großflächig ausrollt. Und noch ein ganz plakativer Punkt: beim Corporate Design nur Schriftarten verwenden, die auf jedem Computer frei verfügbar sind.

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