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CREATORS COLLECTIVE

Michael Weber, Eva Jahnen und Paul Weber verbindet eine klare Vision und gemeinsame Werte. Mit dem von ihnen gegründeten CREATORS COLLECTIVE begleiten sie Innovationsprozesse von Anfang bis Ende.

Juni 2019

Unternehmen:
CREATORS COLLECTIVE

Gründer:
Michael Weber, Paul Weber, Eva Jahnen

Gründungsdatum:
Oktober 2017

Branche und Unternehmen:
Soziale und nachhaltige Innovation

Motto:
"Mit unseren Projekten arbeiten wir daran, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen."

Interview mit den Gründern Michael Weber, Paul Weber und Eva Jahnen

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?
Michael Weber: Das Besondere an Creators Collective ist, dass wir Innovationsprozesse von der allerersten Idee bis zum fertigen Ergebnis gestalten und umsetzen. Das ist nur möglich, weil wir ein interdisziplinäres Team sind, mit insgesamt 14 Personen aus einem ganz breiten kreativen Umfeld: Kommunikationsdesigner, Produktdesigner, Architekten, ein Maschinenbau-Ingenieur, eine Filmemacherin, ein Illustrator, ein Innovationsberater und Design-Thinking-Coach, ein Trainer und Teamentwickler sowie eine Wildnis-Pädagogin. Als Team verbindet uns eine klare Werteorientierung sowie ein starker Fokus auf Nachhaltigkeit und soziale Themen. Wir machen ausschließlich Projekte, hinter denen wir wirklich stehen und bei denen wir das Gefühl haben, die Welt damit ein bisschen besser zu machen.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?
Michael Weber: Wir haben beispielsweise die Frankfurter Organisation Ubuntu-Haus bei der Entwicklung eines Portals unterstützt, in dem geflüchtete Menschen für sie relevante Informationen finden. Im Rahmen des Projektes "Make Your School" gehen wir an Schulen und vermitteln Kreativität, Erfindergeist und soziales Denken. Bei dem Projekt "puurpuur" haben wir ein Start-up in der Schweiz begleitet und mit aufgebaut, bei dem es darum ging, wie sich Gastronomie nachhaltig gestalten lässt. Die Idee war, lokale Bio-Bauern mit der Gastronomie zusammenzubringen: Wie kann das, was heute frisch auf dem Feld in bester Qualität reif ist, am nächsten Tag beim Gast auf dem Teller sein? Wie lässt sich Food Waste vermeiden und eine bessere Planbarkeit herstellen? Dabei haben wir den ganzen Prozess begleitet: von der ersten Idee über die Entwicklung des Geschäftsmodells, das Corporate Design, Website und Apps bis hin zu einem Pop-up-Areal in Zug in der Schweiz, wo sich das Ganze auf 1.400 Quadratmetern erleben lässt. Das sind die Erfolge, bei denen wir sehen, dass die Ideen wirklich in der Realität landen – und das ist das, was uns antreibt.

Eva Jahnen: In einem anderen Projekt haben wir einen Rollator neu konzipiert. Dafür haben wir Senioren mit Rollator begleitet und analysiert, was deren Probleme mit dem Hilfsmittel sind und wie sie sich lösen lassen. Einer der neu konzipierten Rollatoren ist aus Bambus und soll in sozialer Produktion in Ghana hergestellt werden. Damit tun wir einerseits etwas Gutes für die Menschen, weil wir deren Lebensqualität verbessern, und bringen gleichzeitig Nachhaltigkeit mit rein.

Paul Weber: Das heißt, wir überlegen uns nicht nur: Welchen sozialen oder nachhaltigen Zweck erfüllt das Produkt? Sondern auch: Wie können wir nachhaltige Materialien nutzen oder generell Ressourcen schonen? Werteorientiertes und innovatives Denken ist daher bei uns integraler Teil jedes Produktentwicklungsprozesses.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?
Eva Jahnen: Ich habe nach dem Abitur Kommunikationsdesign studiert und mich währenddessen mit einer Kommilitonin als „cüvee“ selbstständig gemacht. Als ich Michael kennen gelernt habe, war ich sehr begeistert von seinen Werten und seiner Arbeitshaltung – und habe sehr gerne das Creators Collective mitgegründet. Ich war noch nie fest angestellt, habe schon immer etwas Unkonventionelles in mir und bin sehr gerne selbstständig.

Paul Weber: Ich komme dagegen eher aus einem klassischen, weniger innovativen Studienbereich. Ich habe nach dem Abitur Maschinenbau in Darmstadt studiert. Anfangs dachte ich noch, es gäbe nichts Wichtigeres als das Studium in Regelstudienzeit und mit Bestnoten zu schaffen. Nach dem Bachelor habe ich schnell gemerkt, dass mich das nicht wirklich glücklich macht - und es im Leben nicht nur darum geht. Im Masterstudium bin ich daher vielen universitären Studentenjobs und -projekten nachgegangen. Mein Masterstudium hat sich dadurch deutlich länger gezogen, aber ich konnte mich entfalten und viele Erfahrungen sammeln. Meinen Abschluss habe ich schließlich in fast eineinhalb Jahren bei dem Prothetik-Hersteller Ottobock gemacht. Die Entwicklungsprojekte hier hatten bereits diesen sozialen Aspekt, ganz gezielt Nutzergruppen zu helfen, die in ihrem Alltag beeinträchtigt sind. Ich fand das so spannend, dass ich in diesem Bereich promovieren wollte. Als dieser Plan scheiterte, war das für mich der perfekte Zeitpunkt, mich selbstständig zu machen. Im Projekt "Make Your School" habe ich Michael kennen gelernt. Er wollte Ideen generieren, ich wollte sie umsetzen – das war die perfekte  Kombination. Aus dieser spannenden Interdisziplinarität und den gemeinsamen Visionen heraus haben wir uns schließlich dafür entschieden, Creators Collective zu gründen.

Michael Weber: Ich habe nach meinem BWL-Studium relativ klassisch in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Da hat mir irgendwann das Kreative gefehlt. Als ich 2010 über die Methode "Design Thinking" gestolpert bin, die die Arbeitsweise von Designern und Kreativen in andere Kontexte im normalen Unternehmensalltag übersetzt, habe ich in die Kreativbranche gewechselt und war einige Jahre in einer Agentur. 2014 habe ich mit zwei Geschäftspartnern das Innovationslabor "Future Flux" gegründet, aus dem ich nach zwei Jahren ausgestiegen bin. Es folgte ein Jahr, in dem ich überlegt habe, wie die Reise für mich weitergeht. In dieser Zeit entstand die Idee, ein Team zusammenzubringen, das den Innovationsprozess von Anfang bis Ende abdeckt. Ich hatte es leider zu oft erlebt, dass tolle Ideen entwickelt wurden, die dann nicht in der Realität ankamen. Das wollte ich ändern.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Paul Weber: Wir wollten alle wirksam Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Deshalb wollten wir gemeinsam ein Unternehmen gründen und eben nicht jeder für sich allein arbeiten. Es zeigt sich immer wieder, dass man als Team mehr erreichen kann als jeder für sich alleine. Dafür haben wir hier den Rahmen geschaffen.

Michael Weber: Wir wollten die Vision verwirklichen, als Team anders zusammenzuarbeiten – nicht hierarchisch, sondern als selbstorganisiertes Team. Deshalb haben wir im Namen das Wort "Collective". Für uns drei Gründer gilt das Gleiche wie für die anderen im Team: Alle haben die gleichen Rechte, alle können sich und ihre Ideen einbringen – wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Das war ein wesentlicher Auslöser für die Gründung: Ein Umfeld zu schaffen, in dem man so arbeiten kann.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?
Michael Weber: Zum einen haben wir genau das Umfeld geschaffen, in dem wir uns gegenseitig unterstützen, weil wir Menschen mit unterschiedlichem fachlichen und beruflichen Hintergrund im Team haben. Damit sind jede Menge Wissen und Umsetzungspower vorhanden. Gleichzeitig sind die Leute in ganz verschiedenen Lebensphasen – manche haben gerade ihr Studium abgeschlossen, andere sind schon länger im Job. So haben wir das Mentoring bereits im Team. Zum anderen sind wir sehr stark vernetzt hier in Wiesbaden. Wir sehen uns als Teil der Stadt und arbeiten viel mit anderen Akteuren aus der Gründer-, Kreativ- und Social-Business-Szene zusammen. Dadurch bekommen wir viel Inspiration und bringen uns gegenseitig voran.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründer erlebt?
Michael Weber: Das war ein Prozess, denn so eine Gründung hat ja einen Vorlauf. Während der Anfangszeit haben wir uns gemeinsam sehr viele Gedanken gemacht über unsere Vision: Wie wollen wir zusammenarbeiten? Wir haben dafür in andere Bereiche weniger Energie gesteckt. So haben wir beispielsweise keinen Business-Plan gemacht, sondern gesagt: Wenn die Vision stimmt, ergibt sich der Rest. Wir haben eine GbR gegründet und gesagt: wir starten jetzt einfach und probieren das aus. Damit sind wir bislang sehr gut gefahren.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?
Michael Weber: Das geht in die gleiche Richtung: Die beschriebene Offenheit und Freiheit muss man natürlich auch aushalten, gestalten und schauen, wie man die Leute zusammenhält. Herausfordernd ist auch der wirtschaftliche Aspekt: In diesem werteorientierten Kontext wird vieles als sinnvoll erachtet, für das erst mal niemand Geld in die Hand nimmt. Da müssen wir immer wieder schauen, wie wir das unter einen Hut kriegen: Wie kommen wir an Projekte, die den Werten entsprechen, aber trotzdem die Miete zahlen.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?
Eva Jahnen: Wir sind sehr vernetzt und dadurch ergeben sich immer wieder spannende Kontakte und Projekte. Wir waren vor kurzem mit einem Stand auf einer Gründermesse. Dafür haben wir eine sehr coole Vermarktungsidee entwickelt: Ein Flyer, der auf Samenpapier gedruckt ist. Wird er eingepflanzt und gegossen, wächst mit Geduld etwas Wunderschönes daraus – das entspricht auch unserem Selbstverständnis.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?
Eva Jahnen: Ausschließlich mit eigenen Mitteln. Jeder hat so viel, wie er konnte, eingelegt. Zusätzlich wurden wir von unseren Familien unterstützt.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?
Paul Weber: Genau das, was wir gerade tun, weiterentwickeln und aufbauen. Andere anstecken mit den Werten, die wir haben. Die Menschen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Kontexten thematisch oder auch physisch hier in diesem Raum zusammenbringen, weil dadurch so spannende Sachen entstehen, die keiner planen kann oder erwartet hat.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich
Michael Weber: . . . mehr Projekte machen, die auf der wirtschaftlichen Seite nicht so viel einbringen, die aber auf unsere Werte einzahlen, soziale Probleme lösen und nachhaltig sind.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Eva Jahnen: Wir leben hier unseren Traum – es funktioniert. Kurzum: Hört aufs Bauchgefühl und probiert es einfach aus!

Michael Weber: Die richtigen Menschen finden, die dieselben Werte teilen und zwischenmenschlich gut zueinander passen. Das kann einen unheimlich nach vorne tragen. Im Gegenzug kann es sehr viel Energie kosten, wenn es nicht die richtigen Personen sind.

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