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Wirtschaft

Curmundo GmbH

Der Pflegedienst, den Ewald Scheidt mit Violetta Ilves und Jens Hoche gegründet hat, möchte sich dadurch auszeichnen, dass er besonders digital und mitarbeiterorientiert ist. Heute arbeiten über 50 Menschen für die Curmundo GmbH.

Januar 2020

Unternehmen:
Curmundo GmbH

Gründer:
Ewald Scheidt (mit Violetta Ilves und Jens Hoche)

Gründungsdatum:
Januar 2016

Branche:
Pflegedienst

Motto:
"Erfolg ist eine Teamleistung."

Interview mit dem Gründer Ewald Scheidt

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?
Wir sind einer der digitalsten Pflegedienste in Deutschland, und wir sind sehr mitarbeiterorientiert. Diese beiden Punkte unterscheiden uns von einem Großteil des Pflegemarktes. Hinzu kommt, dass wir einer der größten Pflegedienste Deutschlands sind. Der durchschnittliche Pflegedienst versorgt an einem Standort zwischen 30 und 40 Patienten und beschäftigt vier bis fünf Vollzeitmitarbeiter – wir haben hier in Wiesbaden über 50 Mitarbeiter und über 220 Kunden. Diese Größe gibt uns die Möglichkeit, uns auf eine andere Art um das Unternehmen zu kümmern. Sie erlaubt es uns auch, bessere Löhne zu zahlen. Das Unternehmen hat Start-up-Charakter. Wir sind per Du, die Hierarchien sind flach, die Führung ist professionell. Dienstpläne werden bei uns nicht für die nächste Woche, sondern Monate im Voraus geschrieben, und es gibt ein faires Rufbereitschafts-System, sodass man nicht spontan einspringen muss. Das alles schätzen unsere Mitarbeiter sehr. Unsere ganze Verwaltung ist digitalisiert – ob das ärztliche Verordnungen sind, Rezepte, Patientendaten, Aufträge, Verträge oder Mitarbeiterdaten. Das ist unüblich in der Branche.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?
Man kann natürlich über Umsatz und andere Finanzkennzahlen reden, aber die bewegendste Kennzahl war für uns, dass wir in diesem Jahr unseren 50. Mitarbeiter eingestellt haben! Für 50 Existenzen mitverantwortlich zu sein, 50 Gehälter zu überweisen – das war etwas, wofür wir uns auf die Schulter geklopft haben.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?
Der ist kurz! Ich habe von 2013 bis 2016 an der EBS im Rheingau studiert. Schon während des Studiums habe ich mich mit der Gründung befasst und dann das Unternehmen zusammen mit Violetta Ilves und Jens Hoche gegründet. Das heißt, ich musste mich während der Bachelorarbeit schon um das Tagesgeschäft kümmern – ein nahtloser Übergang also.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Urheber der Idee ist mein Mitgründer Jens Hoche, dessen Eltern 2015 pflegebedürftig geworden sind. Er hat sich damals näher mit dem Thema "ambulante Pflege" befasst und festgestellt, wie unzufriedenstellend das Angebot war. Wir sind zufällig miteinander ins Gespräch gekommen, als wir in einem italienischen Restaurant am selben Tisch saßen. Wir waren beide überzeugt, dass die Pflege ein großes Potential hat, dass dies ein riesiger Markt ist, der wahnsinnig unterentwickelt ist. Wir fanden, dass die Perspektive, die ich aus der Uni mitbringe – das Thema „Digitalisierung“, dieses junge, mitarbeiter- und markenorientierte Arbeiten – super in diesen Markt passt. Deshalb haben wir uns gefragt: Warum macht das kein anderer? Und dann haben wir einfach losgelegt.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?
Wir drei Gründer haben uns untereinander eng beraten. Viele Abende lang haben wir diskutiert und schließlich unsere Strategie gefunden, die bis jetzt erfolgreich ist. Unsere Konstellation im Gründerteam ist ungewöhnlich: Wir gehören verschiedenen Generationen an und haben ganz unterschiedliche Hintergründe. Anfangs wollte ich alles super Start-up-mäßig, was mit den eher konservativen Vorstellungen der anderen kollidierte. Im Rückblick war es wohl das Erfolgsgeheimnis, dass wir uns in der Mitte getroffen haben. Wir haben nicht nur das Zwischenmenschliche zum Funktionieren gebracht, sondern wir haben es insgesamt geschafft, in unserer Kultur und unserer Strategie dieses wahnsinnig junge digitale Start-up mit diesem sehr konservativen Markt zu vereinen. Darüber hinaus pflege ich ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis zu unserem Softwareentwickler. Ohne ihn würden wir in unserer hoch-digitalen Umgebung kaum bestehen können.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründer erlebt?
Die ersten Tage waren sehr unspektakulär.                

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?
Diesen Status und diesen guten Ruf, den wir heute haben, mussten wir uns erst erarbeiten. Wir haben mit den gleichen Problemen gekämpft wie jeder andere Pflegedienst auch – bis wir uns definiert haben und das auch wahrgenommen wurde. Wir hatten Phasen, in denen wir 30 Patienten versorgen mussten, aber nur noch eine Pflegekraft hatten. Das war der Punkt, an dem wir nicht lange überlegt und die Patienten selbst versorgt haben. Natürlich waren wir froh, diese Phase irgendwann überstanden zu haben – aber auch darüber, dass wir eine Zeit lang selbst erleben konnten, was unsere Pflegekräfte tagtäglich erleben. Wenn uns die Vorstellung fehlen würde von der echten Arbeit, die da draußen stattfindet, dann hätte sich das Unternehmen sicherlich nicht so entwickelt, wie es sich entwickelt hat.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?
Wir arbeiten mit Empfehlungen durch das Entlassungsmanagement der Krankenhäuser, wo Patienten an die ambulante Versorgung verwiesen werden. Ansonsten treten wir sehr markenorientiert auf. Die Farbe Orange findet man bei uns überall wieder: im Logo, auf den Fotos, im Büro, auf unseren dreißig Autos, ... Es war ein langwieriger Prozess, aber jetzt wird unsere Marke im Markt akzeptiert und mit Qualität assoziiert.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?
Das sind die berühmten drei "F": Friends, Fools and Family, keine Venture-Capital-Investoren. Wir haben das Minimalste, was wir brauchten, von der Familie, Freunden und Unternehmern geliehen. Aus diesem Startinvestment sind wir gewachsen. Inzwischen haben wir das meiste Geld zurückgezahlt und bereits eine Übernahme getätigt. Da arbeiten wir nicht mehr mit dem Vertrauen unserer Freunde, sondern mit dem Vertrauen unserer Hausbank.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?
Ich würde gerne den Branchenwechsel der Pflege miterleben und mitgestalten. Dazu beteilige ich mich an verschiedenen Thinktanks. Die Pflege als Beruf soll mehr Anerkennung finden. In Schweden zum Beispiel genießt dieser Job großes Ansehen, vergleichbar etwa mit einer Lehrerstelle. Die Rahmenbedingungen – nicht zuletzt die Vergütung durch die Kranken- und Pflegekassen – müssen sich so ändern, dass die Versorgung, die benötigt wird, erbracht werden kann.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich mehr Zeit hätte würde ich ... noch einmal studieren. Das akademische Arbeiten und theoretische Lernen hat mir viel Spaß gemacht. Da gibt es vieles, mit dem ich mich gerne noch mehr auseinandersetzen und vertiefend befassen würde.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Jeder Erfolg setzt zielgerichtetes Handeln voraus. Egal, um welche Idee es geht oder was gemacht wird: Wichtig ist, einfach zu machen, loszulegen und am Ball zu bleiben, auch wenn es ruhig ist und vielleicht sogar langweilig. Man sollte sich selbst und das Produkt kritisch hinterfragen und immer weiter ausgestalten – und keine Scham haben, sich mit der Hausbank zusammenzusetzen oder nach Existenzgründungsprogrammen Ausschau zu halten. Es gibt viele tolle Angebote! Man muss sich nur selbst einlesen und einarbeiten.

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