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Neurofeedback-Praxis Wiesbaden

Als Gesundheits- und Krankenpflegerin konnte Kristina Apel ihren Beruf nicht so ganzheitlich und menschenorientiert ausüben, wie sie es gerne wollte. So entschied sie sich, Heilpraktikerin und Neurofeedback-Therapeutin zu werden.

Dezember 2019

Unternehmen:
Neurofeedback-Praxis Wiesbaden

Gründerin:
Kristina Apel

Gründungsdatum:
Mai 2018

Branche:
Naturheilkunde, Alternative Medizin

Motto:
Man muss an sich selbst glauben und darf das Ziel niemals aus den Augen verlieren.

Interview mit der Gründerin Kristina Apel

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?
Das Besondere an meiner Arbeit mit der Therapiemethode "Neurofeedback" ist, dass sie Menschen nicht verändern will, sondern in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt und weiterbringt. Neurofeedback hilft sozusagen, eine neue Version von sich selbst zu werden. Der Hintergrund ist, dass bestimmte Ereignisse oder erlernte Verhaltensmuster Auswirkungen auf unser Gehirn haben können. Die verschiedenen Gehirnfrequenzen entsprechen den verschiedenen Bewusstseinszuständen. Wer beispielsweise durch eine Lebenskrise lange in einer sehr stressigen Lebenssituation war, hat meist zu viele schnelle Gehirnwellen in Arealen, wo sie eigentlich nicht hingehören. Das kann zu psychischen Problemen führen, wie Schlaf- oder Angststörungen, Depressionen und Burn-out, aber auch zu körperlichen Symptomen wie Migräne und Kopfschmerzen. Neurofeedback trainiert das Gehirn, weniger schnelle und stattdessen mehr langsame Wellen als Ausgleich zu produzieren. Dadurch verbessert sich die neuronale Regulationsfähigkeit des Gehirns. Diese Therapiemethode ist wissenschaftlich fundiert, schmerzfrei und macht Spaß. Durch Neurofeedback bekommen Menschen die Möglichkeit, sich selbst intensiver zu spüren, Bedürfnisse eher wahrzunehmen und im Umgang mit Krisensituationen besser zurechtzukommen.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?
Der Erfolg meiner Therapie misst sich für mich vor allem an dem positiven Feedback meiner Patienten. Viele haben einen langen Leidensweg hinter sich und waren teilweise in mehreren psychotherapeutischen oder neurologischen Behandlungen. Sie berichten, dass es ihnen durch Neurofeedback insgesamt besser geht, sie sich stärker, fokussierter, leistungsfähiger und ausgeglichener fühlen. Andere erzählen, dass sie gedanklich zur Ruhe kommen und beispielsweise Schlafstörungen sowie Ängste verschwunden sind. Vorher eher problematische Situationen können sie jetzt allein meistern und mit Stresssituationen besser umgehen.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?
Ich bin examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin mit sechs Jahren Berufserfahrung und habe bis 2014 im GPR Klinikum in Rüsselsheim gearbeitet. Parallel habe ich in Hochheim die Ausbildung zur Heilpraktikerin absolviert und mit erfolgreich bestandener Abschlussprüfung 2016 beendet. 2017 erfolgte die Prüfung zur Heilpraktikerin durch das Gesundheitsamt in Wiesbaden. Anfang 2018 habe ich die Ausbildung zur zertifizierten Neurofeedback-Therapeutin am Institut für EEG-Neurofeedback in München absolviert. Da für mich feststand, dass ich selbstständig arbeiten werde, habe ich parallel an meinem Businessplan für die Praxisgründung geschrieben und bei meiner Kollegin Ulrike Metzler hospitiert. Da die "Chemie" zwischen uns von Beginn an stimmte, habe ich mich Anfang 2019 dafür entschieden, mit meiner Praxis vom Zietenring in Wiesbaden nach Schierstein umzuziehen. So praktiziere ich seit 2019 in diesen Räumen in der Wasserrolle 2 in Wiesbaden-Schierstein.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Ich hatte immer den Wunsch, ganzheitlich und menschenorientiert zu arbeiten. Das war unter den Rahmenbedingungen, wie sie in den Krankenhäusern herrschen, nicht möglich. Ich habe meinen Beruf immer mit Leidenschaft ausgeübt und bin sehr stolz darauf, Gesundheits- und Krankenpflegerin zu sein. Ich finde, dass dies ein fantastischer Beruf ist, der leider in unserer Gesellschaft finanziell und sozial wenig anerkannt ist. Schließlich wurde mir klar, dass ich in diesem Beruf nie glücklich sein werde. Gleichzeitig wusste ich, dass die Selbstständigkeit als Heilpraktikerin die für mich einzig passende Lösung ist.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?
Meine größte Stütze ist mein Verlobter. Er hat mich in den fast 15 Jahren, die wir zusammen sind, immer unterstützt – sowohl finanziell als auch in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung. An zweiter Stelle stehen Familie und Freunde. Darüber hinaus hat mir während meiner Gründung meine damalige Naspa-Beraterin, Anna Heimann, sehr geholfen - vor allem fachlich und mental. Medizinisch und in Praxisangelegenheiten hat mich meine Kollegin Ulrike Metzler beraten. Cornelia Schmidt-Pschorn und Marina Wildt waren und sind mir eine große Hilfe in allem, was Administration und Buchhaltung betreffen. Der Arzt und Therapeut Volkhard Hühn hat mich während des ganzen Prozesses sehr unterstützt. Wir arbeiten mittlerweile beruflich eng zusammen.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründerin erlebt?
Meine ersten Tage waren oft von Momenten geprägt, an denen ich verunsichert war, mich allein gefühlt und an meiner Kompetenz gezweifelt habe. Meine Arbeit hängt von einer Software ab, die anfangs nicht richtig funktioniert hat. Es hat fast drei Monate gedauert, bis ich endlich starten konnte. Das war zermürbend und hat mir auch finanziell ziemlichen Druck gemacht. Als ich schließlich die ersten Patienten behandelt hatte und so viel positives Feedback bekam, wusste ich, dass ich mit meinem therapeutischen Ansatz auf dem richtigen Weg bin. Das hat mir sehr viel Mut gemacht und Selbstvertrauen gebracht.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?
Die größte Herausforderung war und ist immer noch, das Große und Ganze zwar im Blick zu behalten, aber mich nicht davon übermannen zu lassen, sondern jede Aufgabe Schritt für Schritt anzugehen. Am Anfang haben mich diese ganzen Wünsche, Aufgaben und Möglichkeiten völlig unruhig gemacht. Irgendwann habe ich beschlossen, mich auf das zu konzentrieren, was ich heute mache! Das beruhigt mich und gibt mir enorm Kraft. Im Fokus steht das Produkt, alles andere arbeite ich Schritt für Schritt ab.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?
Am Anfang habe ich zu zahlreichen kostenfreien Infoabenden über Neurofeedback in meine Praxis eingeladen. Das hat mir geholfen, mich selbst besser zu präsentieren. Mittlerweile kommen die meisten Patienten über Mund-zu-Mund-Propaganda und durch Kollegen oder Psychotherapeuten zu mir, die Neurofeedback als Therapie empfehlen. Ich bin gerade dabei, ein Netzwerk von Neurofeedback-Therapeuten aufzubauen, da der fachliche Austausch elementar ist. Zudem lassen sich dadurch passende Therapeuten für bestimmte Patienten und Krankheitsbilder empfehlen. Außerdem habe ich in verschiedenen Arztpraxen Flyer ausgelegt und einen Artikel in einem Gesundheitsmagazin veröffentlicht.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?
Mit einem KfW-Gründerkredit und Unterstützung der Naspa.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?
Ich möchte Neurofeedback gerne bekannter machen, Ausbildungen in dieser Therapiemethode anbieten und einen Verein für Neurofeedback-Therapeuten gründen. Darüber hinaus möchte ich eine Therapeutenpatenschaft ins Leben rufen: Die Idee ist, dass Therapeuten ein- bis zweimal im Jahr für sozial schwächere Patienten eine passende Therapiemethode anbieten können.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich mehr Zeit hätte würde ich ...
. . . Vorträge über Neurofeedback halten, vielleicht sogar an Schulen, und Bücher schreiben – im Fach- und Kinderbuchbereich.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Vor der Gründung genau darüber nachzudenken, ob man bereit ist, für die Selbstständigkeit Opfer zu bringen: zeitlich, finanziell und persönlich. Außerdem sollte man unbedingt prüfen, ob die Rahmenbedingungen stimmen und jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt für die Gründung ist. Ist der Entschluss gefallen, zu gründen, empfiehlt es sich aus meiner Sicht, eher konservativ zu rechnen und immer einen Plan B zu haben, falls irgendetwas nicht klappt.

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