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smart-collectors GmbH

Während andere Kunst nur verkaufen, kann man sie bei smart-collectors auch mieten. Christian H. Rother macht es leicht, Kunst zu konsumieren, in sie zu investieren und zu einem cleveren Sammler zu werden.

Februar 2020

Unternehmen:
smart-collectors GmbH

Gründer:
Christian H. Rother

Gründungsdatum:
April 2017

Branche:
Kunstverleih und -handel

Motto:
"Frei nach Simon Sinek: Was ist dein Warum im Leben? Meines ist, das, was die vorherigen Generationen geschaffen haben, für die nächsten Generationen zu bewahren und weiterzuentwickeln."

Interview mit dem Gründer Christian H. Rother

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?
Wir bieten den einfachsten Einstieg in den Konsum von Kunst und in die Investition in sie. Die meisten anderen verkaufen Kunst nur – bei uns kann man sie auch mieten. Zusätzlich liefern wir über unsere Plattform viel Transparenz hinsichtlich der Wertentwicklung der Kunstwerke. Solche Daten sind gefragt, denn eigentlich sind es die Auktionshäuser, die die Wertdefinition von Kunst dominieren – was bei zeitgenössischen Künstlern schwierig ist, die ihre Karriere gerade noch aufbauen. Wir kombinieren die Finanzthematik, also die Wertentwicklung, mit Kulturpflege, Kulturförderung, Kulturinvestition. Über uns findet eine größere Menge von Menschen Zugang zu Kunst. Entscheidet man sich für einen Kauf, zahlt man den Preis, den das Kunstwerk zu Beginn der Mietzeit hatte. Man hat zudem ein Vorkaufsrecht, und die Miete wird zu hundert Prozent auf den Kaufpreis angerechnet. So stiften wir dazu an, Kunst zu sammeln. Mit dem Hintergrundwissen, das wir über die Plattform liefern, kann jeder zu einem cleveren Sammler werden – einem Smart Collector.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?
Mit einem Pilotprojekt haben wir schon Umsätze gemacht, bevor wir überhaupt gegründet hatten – ich sage immer „wir“, denn meine Frau ist auch mit im Boot, und mittlerweile sind wir ein starkes Team von fünf begeisterten Kunstbotschaftern. 2018 konnten wir die Plattform gestalten, Partnerschaften ausbauen und weitere Künstler gewinnen. 2019 haben wir dann eine große Anfangsfinanzierung bekommen, mit der wir unsere Marke etablieren konnten. Jetzt kommen extrem viele Künstler zu uns. Wir haben fast jeden Tag Bewerbungen – aus Deutschland, aber auch aus Saudi-Arabien oder Nepal. Wir sind auf fast 40 Künstler im Portfolio und knapp 800 Werke gewachsen. Unter anderem ist Tim Bengel dabei, der unter den zeitgenössischen Unterdreißigjährigen einer der erfolgreichsten Künstler in Deutschland und Europa ist. Durch solche Shootingstars haben wir unsere erwarteten Umsatzzahlen bereits im vergangenen Jahr weit übertroffen.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?
Ich komme aus der Hotellerie, habe Hotel-Fachmann gelernt und in der Schweiz an einer Hotel-Fachschule Betriebswirtschaft studiert. Im Anschluss war ich im Vertrieb einer großen Hotelmarke tätig und habe dort etwa fünf Jahre lang Karriere gemacht. 2016 gab es dann einen gesundheitlichen Knick, und ich war für ein paar Monate ausgeschaltet. Das hat mir die Chance gegeben darüber zu reflektieren, was ich eigentlich machen will. Zuvor hatte ich bereits mit meinem berufsbegleitenden Studium in London begonnen, das ich 2017 mit dem EMBA abgeschlossen habe.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Meine Eltern sind beide Unternehmer, und auch ich wollte immer gründen, hatte aber nicht die passende Idee. Man kann nicht gründen, wenn man seit Jahren in einem Großkonzern ist und kein Raum zum Reflektieren bleibt. Erst als ich 2016 für mehrere Monate zu Hause war, habe ich glücklicherweise eine Idee gefunden, die Sinn macht und neu ist.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?
Meine Professoren im Masterstudiengang haben mich hinsichtlich der ersten Kernfragen beraten. Meine Mutter, die Galeristin ist, gab mir Feedback dazu, was der Markt braucht. Auch vonseiten der IHK oder des Heimathafens habe ich viel Unterstützung erfahren. Wir sind aktiv in die Gründerszene eingetaucht und haben vom Erfahrungs- und Gedankenaustausch sehr profitiert. Außerdem haben wir einen starken Beirat. Ihm gehört zum Beispiel mein Schwiegervater an, der Bereichsleiter Marketing bei der Lufthansa war, oder Thilo von Debschitz, der die renommierte Q Kreativgesellschaft leitet. Unser Netzwerk ist sehr groß – dank der Natur meiner Mutter, aber auch dank meiner eigenen Natur. Ich bin sehr offen für Inspirationen und Ansätze von anderen. Damit scharen wir viele Menschen um uns herum.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründer erlebt?
Wir waren die ersten Gründer, die mit PANDO Ventures gegründet haben. In den ersten Tagen war ich euphorisch und hoch motiviert – auch dank des Accelerator-Teams, das mir die Startup-Mentalität vermittelt hat. Das brauchte ich unbedingt, denn es gab auch viele Zweifler und viel Unsicherheit. Durch die IHK und PANDO Ventures haben wir sehr viele Fördermittel aktivieren können. In den Anfängen haben wir allerdings auch einige Fehler gemacht. Ich habe mich wie Frischfleisch gefühlt, denn wenn hinter dem Namen der Neugründung „GmbH“ steht, sehen viele Berater und Pseudo-Berater nur die 25.000 Euro. Da haben wir am Anfang Federn und Geld gelassen. Wir sind aber ziemlich weich gefallen, weil wir ein so gutes Netzwerk hatten.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?
Das Team aufzubauen – Gründer zu sein, Leute aus eigener Tasche zu bezahlen, aber gleichzeitig auch nicht so eine tiefe Tasche zu haben. Wir haben mit Praktikanten angefangen. Das war aber nix. Werkstudenten waren super, aber wollen schnell auch weiter und andere Erfahrungen machen. Ein Startup ist für sie zwar eine coole Sache, doch irgendwann wollen sie mal eine große Firma sehen. Im Januar letzten Jahres kam dann die erste Festangestellte. Das war natürlich ein Risiko und deshalb eine große Entscheidung. Inzwischen sind wir zu fünft.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?
Primär über Social-Media-Aktivitäten – organisch und mittlerweile auch über Paid Content. Wir machen kaum SEO-Optimierung oder Google Ads, da unser Geschäftsmodell noch nicht so geläufig ist. Was die beste Vermarktung ist: Wir sind brutal ehrlich zu allen und sehr persönlich. Die Initialzündung läuft vielleicht online, aber vor dem eigentlichen Verkauf lernt man sich persönlich kennen. Wir sind sehr authentisch, was in diesem Markt gut ist. So vermarkten wir uns indirekt. 

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?
Am Anfang standen Gründungszuschüsse und Fördermittel; dann wurde durch Rücklagen finanziert; dann kam das Family Office, über das wir ein Gesellschafterdarlehen über eine halbe Million Euro erhalten haben. Wir wachsen momentan sehr organisch. Aber vielleicht wird es irgendwann auch einen Investor geben, mit dem wir schneller groß werden können.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?
Dass es dank smart-collectors doppelt so viele Kunstsammler in Deutschland gibt. Irgendwann werden Galeristen zu so etwas wie einem Musik-Manager. Das möchte ich für unsere Künstler sein und ihre Karrieren aufbauen.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich mehr Zeit hätte würde ich ...
(lacht) ... schlafen. Wir haben in den ersten zwei Wochen dieses Jahres bald so viel verschickt wie im gesamten letzten Jahr.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Zurück zu meinem Motto: „Start with Why“. Das ist immer der zentrale Antreiber. Das Zweite ist: das eigene Netzwerk maximieren und Förderungen mitnehmen. Es ist schon sehr einfach möglich! Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

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