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Zeit für Vielfalt und Wandel

Antje Meinzer blickt auf 25 Jahre Soziale Arbeit zurück. Sie möchte Veränderungsprozesse so mitgestalten, dass sich die daran Beteiligten wohlfühlen. Vielfalt ist dabei ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit.

April 2019

Unternehmen:
Zeit für Vielfalt und Wandel

Gründerin:
Antje Meinzer

Gründungsdatum:
November 2018

Branche und Unternehmen:
Beratung und Coaching, Moderation, Fortbildung

Motto:
"Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht." (Chinesisches Sprichwort)

Interview mit der Gründerin

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?
Meine thematischen Schwerpunkte in den Bereichen Gender, geschlechtliche Vielfalt und damit verbundene Lebensweisen sowie neue Familienformen, wie zum Beispiel „Mehr-Eltern-Familien“. Mit meiner Arbeit möchte ich Verbindungen schaffen zwischen Menschen, Themen und Ansätzen. Gleichzeitig geht es mir darum, das Bewusstsein für diese Verbindungen zu stärken: Wie lässt sich Verständnis für Menschen entwickeln, die sich beispielsweise geschlechtlich nicht an der gesellschaftlichen Norm orientieren und ihr Leben entsprechend anders gestalten möchten, als das die herkömmliche Sichtweise vorgibt?

Außerdem verfüge ich über langjährige und vielfältige Erfahrung mit Strukturen und Personen, die ich aus meiner Zeit als Angestellte, als Leitungskraft und als Mitarbeiterin in Projekten verschiedener Organisationen im Bereich der Sozialen Arbeit mitbringe. Dadurch habe ich ein großes Netzwerk und einen guten Einblick in diesen Arbeitsbereich. In meinem Angebot fokussiere ich mich vor allem auf die Schnittstellen, die ich aus eigener Erfahrung und interner Sicht sehr gut kenne. Mir geht es darum, dort Veränderungen und Innovationen so zu gestalten, dass sich die daran Beteiligten wohlfühlen und diese mittragen. Dafür ist es wichtig, dass sie sich ihrer eigenen Haltung bewusst werden und diese benennen können. Bei diesen Prozessen begleite ich Gruppen, Teams und Einzelne. Zentral für Veränderungsprozesse ist für mich die Anerkennung von Vielfalt.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?
Meinen ersten Auftrag habe ich bereits letztes Frühjahr bekommen, als ich noch nebenberuflich tätig war. Ich habe die Umsetzung einer neuen Konzeption in einer Kindertageseinrichtung begleitet und dabei mehrere Klausurtage mit der Leitung zusammen konzeptionell gestaltet und anschließend als Moderatorin durchgeführt. Ein wesentliches Ziel war, das Team mit seinen Themen einzubeziehen und so auf das Team Building einzuwirken. Alle waren so zufrieden mit der gemeinsamen Arbeit, dass ich auch für dieses Jahr wieder gebucht wurde. Darüber hinaus habe ich einen Projektauftrag bei einem sozialen Träger zum Thema Inklusion, der für zwei Jahre geplant ist.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?
Ich habe Soziale Arbeit studiert. Anschließend war ich in verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit tätig, einerseits in der offenen und stationären Jugendhilfe und andererseits in der Jugendbildungsarbeit. Nachdem ich Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr begleitet hatte, habe ich in verschiedenen Bildungsprojekten gearbeitet. So bekam ich zum Beispiel die Leitung für ein Projekt zur Entwicklung neuer Bildungskonzepte im Rheingau-Taunus-Kreis. Dabei konnte ich viel über die Verbindung von Sozialer Arbeit und Bildung lernen. Dadurch habe ich entdeckt, dass mir das Thema „Lernen“ ein großes Anliegen ist: Wie lernen Menschen? Wie kann Beteiligung aussehen? Was bedeutet es, Netzwerke tatsächlich zu nutzen und am Leben zu erhalten? In dieser Zeit habe ich die Weiterbildung zur Systemischen Beraterin gemacht und damit mein Wissen um eine wichtige Perspektive erweitert. Der systemische Ansatz betrachtet das Ganze: Wenn eine Person sich ändert, verändert sich das ganze System. Aber auch: Änderungen im System wirken sich auf jede einzelne Person aus.

Nach Abschluss dieser Weiterbildung habe ich in der Leitung bei einem Jugendhilfeträger gearbeitet und war für Personal- und Konzeptentwicklung verantwortlich. Gleichzeitig wurde ich als Kinderschutzfachkraft ausgebildet. Von der Kindeswohlgefährdung bis zur Bildung – das ist heute mein Spektrum.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Ich habe die Hälfte meines Arbeitslebens hinter mir – und dadurch eine Hälfte noch vor mir. Das war für mich ein guter Zeitpunkt, etwas auszuprobieren, wofür ich bisher noch nicht mutig genug war oder was noch nicht so greifbar war. Mir ist klar geworden, dass ich gerne eine andere Rolle einnehmen möchte: Von außen auf Strukturen schauen und diese präventiv angehen – mit Zeit und Muße, um Schieflagen rechtzeitig zu erkennen und zu verändern. Ich wollte raus aus dem Notfallprogramm, in dem ich zuletzt in der Jugendhilfe oft war.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?
Zum einen war ich bei "Berufswege für Frauen", um mich in der Ideenfindung sowie beim Schreiben des Businessplans beraten zu lassen. Gleichzeitig habe ich mich mit anderen Frauen vernetzt, die ebenfalls auf dem Weg zur Selbstständigkeit sind oder sich mit ihrer beruflichen Laufbahn auseinandersetzen. Zum anderen hat mich Marianne Brandt als Mentorin bei der Gründung begleitet. Und natürlich haben mich meine Familie und Freunde unterstützt und bestärkt.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründerin erlebt?
Für mich war es eher ein schleichender Übergang in die Selbstständigkeit. Aber natürlich gibt es ein Gründungsdatum. Bei mir war das der 12. November 2018. In dieser Woche hatte ich meinen ersten Auftrag mit einem Kollegen geplant – und der Kollege war krank. Ich musste das dann alleine machen. Beim nächsten Auftrag war ich krank. Zum Glück ließ sich der Termin problemlos um eine Woche verschieben. Es war einfach vorher so viel zu regeln für diesen Neuanfang: Businessplan, Finanzamt – habe ich an alles gedacht? Für mich waren eher diese Formalien im Vorhinein herausfordernd. Und mit der Gründung fällt dann plötzlich alles ab – und die eigentliche Arbeit beginnt.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?
Meine größte Herausforderung war ganz klar der Businessplan: Mein Angebot und meine Alleinstellungsmerkmale in Worte fassen. Mein Fazit ist: Es ist gut, sich kritisch befragen zu lassen. Dennoch braucht es einfach manchmal Zeit, bis man die für sich richtigen Worte findet. Und da gilt es, sich selbst zu vertrauen.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?
Zum einen spreche ich Netzwerkpartner und Kontakte an, die ich aus fast 25 Jahren Soziale Arbeit hier im Rhein-Main-Gebiet kenne. Da habe ich einige Anknüpfungspunkte und weiß, was die Anliegen und Bedarfe der Trägerorganisationen und Institutionen sind. Diese maile oder rufe ich an und mache ein entsprechendes Angebot. Zum anderen beteilige ich mich an themenspezifischen Gremien, Runden Tischen und Arbeitskreisen, sodass ich mitbekomme, was gerade aktuell ist. Dort bringe ich mein Angebot an geeigneter Stelle ein und stelle es vor.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?
Ich bekomme den Gründungszuschuss vom Arbeitsamt, den ich mit dem Businessplan beantragt habe. Ansonsten finanziere ich mein Unternehmen aus Eigenmitteln – ich habe ja keine großen Anschaffungen.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?
Natürlich träume ich davon, dass mein Unternehmen wächst, bekannt wird und ich eigene Räume dafür anmieten kann. Darüber hinaus würde ich gerne weiter am Einsatz von kreativen Methoden und innovativen Ideen arbeiten.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich
... mehr in der Natur sein.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Auf sich zu vertrauen, seiner Intuition nachzugehen, sich seinen eigenen Ideen zu widmen und sich selbst mit diesem Prozess Zeit zu lassen.

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