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Reichardt, Charlott

Reichardt, Charlott

Tanzpädagogin, Choreografin

geboren: 08.08.1909 in Magdeburg

gestorben: 30.06.1998 in Wiesbaden


Artikel

Reichardt studierte an der Hochschule für Dramatische Kunst in Leipzig, deren Leiterin Mary Wigman sie maßgeblich beeinflusste und ihr lebenslang ein Vorbild war, und schloss 1943 ihre Ausbildung zur Tanzpädagogin und Choreografin bereits nach drei Semestern mit Erfolg ab.

1947–49 arbeitete Reichhardt als Solotänzerin und Ballettmeisterin an verschiedenen Bühnen. Anschließend eröffnete sie zunächst in Halle und 1958 in Wiesbaden ihr eigenes Studio. Ihre »Schule für neuen künstlerischen Tanz« in der Wilhelmstraße 16 hatte ihre Blütezeit in den 1970er-Jahren, musste 1994 jedoch schließen. Aus ihrer Schule ging die »Gruppe Neuer Künstlerischer Tanz« hervor, ein Ensemble von acht Tänzerinnen, ausschließlich Laien, das sich zur Aufgabe gemacht hatte, den neuen Tanzstil von Reichardt bekannt zu machen.

Für Reichardt war Tanz mehr als nur Körperbeherrschung und Technik, er war Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Aus der Synthese von klassischem Ballett und Ausdruckstanz, wie ihn ihre Lehrerin Mary Wigman unterrichtete, dem Modern Dance, den sie bei Martha Graham in New York kennen lernte, und Einflüssen aus Jazz und Folklore entwickelte Reichardt ihren ganz eigenen Stil, den man bei den jährlichen Matineen im »Kleinen Haus« des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und den »Wochen der offenen Tür« in ihrer Ballettschule erleben konnte.

Literatur

Lorenz, Dagmar: Tanz als Ausdruck des Humanen – Ein Porträt der Choreographin und Tanzpädagogin Charlott Reichardt. In: Wiesbadener Leben 7/1989.