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Riemann, Karl Wilhelm Julius Hugo

Riemann, Karl Wilhelm Julius Hugo

Musikwissenschaftler

geboren: 18.07.1849 in Großmehlra (Thüringen)

gestorben: 10.07.1919 in Leipzig


Artikel

Riemann war 1890–95 als Klavier- und Theorielehrer am Wiesbadener Conservatorium für Musik (Freudenbergsches Conservatorium) angestellt. 1878 hatte er sich an der Universität Leipzig mit den »Studien zur Geschichte der Notenschrift« habilitiert.

In den folgenden Jahren unterrichtete er an den Konservatorien in Bromberg und Hamburg, wo er unter anderem Johannes Brahms kennen lernte. 1890 wurde Max Reger sein Schüler am fürstlichen Konservatorium in Sondershausen und folgte ihm nach Wiesbaden. Auch Hans Pfitzner (1869–1949) war hier für kurze Zeit sein Schüler. Von Wiesbaden aus kehrte Riemann nach Leipzig zurück. 1901 wurde er zum Professor an die dortige Universität berufen und erfuhr in den folgenden Jahren zahlreiche Ehrungen. Seine Bemühungen um einen Lehrstuhl in Berlin, Prag oder Wien blieben allerdings erfolglos. Schließlich wurde er in Leipzig 1908 Direktor des von ihm gegründeten musikwissenschaftlichen Instituts und 1914 Direktor des ebenfalls von ihm gegründeten »Staatlich sächsischen Forschungsinstituts für Musikwissenschaft«.

Indem er systematisch eine musikalische Analytik und Kompositionslehre aufbaute, wurde Riemann zu einem der bedeutendsten Musikwissenschaftler seiner Generation. Ohne sich selber ganz von subjektiven Urteilen freimachen zu können, versuchte er musikalische Deutungen mehr durch die Analyse von »Form- und Stilprinzipien« als durch individuelle Empfindungen zu begründen. Mit seiner »Theorie der Funktionen« leistete Riemann einen bedeutenden Betrag zur Harmonielehre. Allerdings gewann er gegen Ende seines Lebens die Einsicht, dass es keine allgemein gültigen Prinzipien in Harmonik oder Rhythmus geben könne.

Seine umfangreiche publizistische Tätigkeit fand ihren berühmtesten Niederschlag im 1882 beim Bibliographischen Institut in Leipzig erstmals erschienenen »Musik-Lexikon. Theorie und Geschichte der Musik, der Tonkünstler alter und neuer Zeit mit Angabe ihrer Werke, nebst einer vollständigen Instrumentenkunde« (12., völlig neubearb. Aufl., Mainz 1959 ff., 13. Aufl. 2013), das auch noch heute als »der Riemann« bezeichnet wird.