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Bellevue-Saal: „Vom Begreifen der Welt“ - Arbeiten von Jens Rausch und Wulf Winckelmann
Der Kunstverein Bellevue-Saal hat gerade zur Zeit des Nichtreisenkönnens üppig angerichtet: Berge, Täler, Meere, Landschaften, die von dem Wiesbadener Maler Wulf Winckelmann und dem in Hamburg beheimateten Jens Rausch stammen. Die Ausstellung „Vom Begreifen der Welt“ ist vom 4. März bis zum 4. April zu sehen. Falls die Ausstellung nicht besichtigt werden kann, wird ein Videobeitrag auf der Webseite www.kunstverein-bellevue-saal.de zumindest einen Eindruck von Kunst und Künstlern vermitteln. Dort werden auch aktuelle Informationen zum geplanten Künstlergespräch sowie eventuelle Programmergänzungen und weiteres veröffentlicht.
Ihre Themen sind gleich, und alles versteht sich als Malerei. Bei aller Unterschiedlichkeit in der Anmutung der künstlerischen Positionen von Jens Rausch und Wulf Winckelmann wird anhand ihrer jeweiligen Auseinandersetzung und Herangehensweise mit und an das Thema Natur vor allen Dingen eines deutlich: Beiden Künstlern geht es nicht nur um die Erschaffung eines eigenen künstlerischen Kosmos', sondern vielmehr um den Gedanken, das Wesen der Natur selbst durch ein prozesshaftes künstlerisches Arbeiten und die hierfür verwendeten Materialien zu begreifen – und das im wahrsten Wortsinn: Denn beide Künstler zeigen Werke, die insbesondere durch ihre ausgeprägten haptischen Oberflächenstrukturen auffallen.

Jens Rausch nutzt Materialien, die zumeist aus natürlichen Kreisläufen stammen oder selbst natürliche Prozesse und Reaktionen auslösen: Feuer, Asche, Bitumen und Ruß; oder auch Eisen- und Kupferoxide, die ihre Rostspuren wie Vergänglichkeitsmerkmale auf der Bildoberfläche hinterlassen. Immer wieder generiert der Künstler den Zufall, denn sowohl Prozess als auch Material haben ihr oft nicht kalkulierbares Eigenleben, durch das sich natürliche (Mikro-)Strukturen ausbilden oder – wortwörtlich – »ablaufende« Fließbewegungen auf den Bildstrukturen entstehen. Auf diese Weise verschmelzen Material, künstlerische Interaktion, chemische Reaktion und Zufall zu einem Prozess, der zusammen mit dem Werktitel eine komplexe Einheit bildet. Dies zeigt sich etwa bei Rauschs »Alchemistischen Mischwäldern«, bei denen Wald auf einer völlig neuen Ebene, nämlich materiell, chemisch, physikalisch und metaphysisch – eben alchemistisch – erwächst. Auch in seinen »Bergarbeiten« nutzt er Materialien, die einst aus dem tiefsten Inneren der Erde geborgen wurden: Kalk, Gips und Graphit auf geformten, bildhauerisch zu Bergen aufgewölbtem Blei. Es ist gewissermaßen ein Bergen des Bildes aus dem Material selbst heraus. Ein philosophischer Blick auf die Welt, die dem Betrachter die Natur in ihrer prozessualen (Anti-) Ästhetik und in all ihrer Komplexität vor Augen führt.

Gleichermaßen philosophisch geht Wulf Winckelmanns an sein Werk. Seine Malereien sind eine Huldigung an die Größe und Unendlichkeit der Natur: Großformatige Leinwände, die nur aus Himmel und Meer bestehen, Dickichte aus undurchdringlicher Vegetation. Dass der Mensch im Vergleich zur ihn umgebenden Natur winzig und relativ bedeutungslos ist, wird auf seinen Gemälden schnell deutlich, denn er kommt darin schlicht nicht vor. Winckelmanns Arbeiten entstehen ausschließlich im Atelier, ohne bildliche Vorlage aus seiner Erinnerung heraus. Er arbeitet mit einem vielschichtigen Auftrag unterschiedlicher übereinander gelagerter Farbmaterialien und Werkstoffe. Details wie Wellen oder Blätter der Bäume werden nicht im klassischen Sinne gemalt, sie entstehen vielmehr aus dem rhythmischen Duktus des pastosen Materialauftrags, dem Einbringen und mechanischem Entfernen von Farbe in das entstandene Relief sowie den chemischen Reaktionen sich gegenseitig abstoßender Farbsubstanzen. Einzelne Wellen oder Blätter entpuppen sich daher bei genauem Hinsehen eher als strukturiertes Konglomerat aus Farbmaterial. Erst durch den Betrachtungsabstand – und insbesondere durch die Sehgewohnheiten im Kopf des Betrachters selbst – fügen sich diese Malspuren schließlich zur Landschaft. Gezielt lotet Winckelmann dabei die Funktionsweise und Grenzen unserer Wahrnehmung aus, spielt mit ihnen und hinterfragt sie. Denn was uns als Ganzes »realistisch« erscheint, bleibt im Detail völlig abstrakt.

Jens Rausch und Wulf Winckelmann eint dieser philosophische und nicht zuletzt vielleicht sogar romantische Blick auf die Natur. Ihre individuelle Suche nach einem Erfassen, besser noch einem »Begreifen« der Welt durch den künstlerischen Akt und aus dem Material heraus verbindet beide Künstler und die Komplexität ihrer Werke.

Ausführliche Informationen sind auch auf den jeweiligen Webseiten der beiden ausstellenden Künstler zu finden: www.jensrausch.de und www.wulfwinckelmann.de.

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Herausgeber:
Pressereferat
der Landeshauptstadt Wiesbaden
Schlossplatz 6
65183 Wiesbaden
Für Fragen der Bürgerinnen und Bürger
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Ausstellung Bellevue-Saal
Ausstellung Bellevue-Saal
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