Wiesbadener Jugendkonferenz zeigt, wie aus „Mitreden“ konkrete Projekte werden
Jugendliche haben Ideen für ihre Stadt – und sie wissen genau, was sie brauchen, um sich in Wiesbaden wohlzufühlen. Die Wiesbadener Jugendkonferenz zeigt seit 2023, wie junge Menschen ihre Anliegen direkt mit Politik und Verwaltung diskutieren und daraus umsetzbare Vorhaben für die Stadt entstehen können. Innerhalb kurzer Zeit hat sich das Format zu einem wichtigen Baustein der kommunalen Jugendbeteiligung entwickelt.
Entstanden ist die Jugendkonferenz aus dem Wiesbadener Beteiligungskonzept für Jugendliche, das als Ergebnis der Jugendbefragung 2017 und des Handlungsprogramms „Jugend ermöglichen“ entwickelt wurde. Die Befragung hatte deutlich gemacht, dass sich viele junge Menschen mehr Möglichkeiten wünschen, ihre Interessen, Ideen und Anliegen einzubringen. Mit dem Handlungsprogramm wurde ein Rahmen geschaffen, um Jugendbeteiligung in Wiesbaden breiter, niedrigschwelliger und verbindlicher aufzustellen. Die Konzeption und Umsetzung der Jugendkonferenz erfolgt durch die Abteilung Jugendarbeit des Amtes für Soziale Arbeit der Landeshauptstadt Wiesbaden.
„Jugendbeteiligung ist kein Zusatzangebot, sondern ein zentraler Bestandteil einer lebendigen Demokratie. Junge Menschen erleben Wiesbaden aus ihrer eigenen Perspektive. Sie sehen, wo Aufenthaltsorte fehlen, welche Wege unsicher sind, welche Freizeitangebote gebraucht werden und wo Schule, Mobilität oder öffentlicher Raum besser werden müssen. Wenn wir ihre Perspektiven ernst nehmen, entstehen bessere Ideen – und am Ende bessere Lösungen für Wiesbaden“, sagt Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher.
Die Wiesbadener Jugendkonferenz geht bewusst über klassische Beteiligungsveranstaltungen hinaus. Die Teilnehmenden entwickeln nicht nur Ideen, sondern setzen sich zunächst mit kommunalen Entscheidungsstrukturen auseinander: Was kann die Stadt selbst verändern? Welche Fachämter sind zuständig? Welche Schritte braucht es, damit aus einem Vorschlag ein realistisches Projekt wird? Gemeinsam mit Mitarbeitenden verschiedener Fachämter werden anschließend konkrete Ansätze erarbeitet.
Ein zentrales Element ist der Gallery Walk. Dort präsentieren die Jugendlichen ihre Ergebnisse Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Jugendparlament. Bereits während der Veranstaltung übernehmen Mitarbeitende der Verwaltung Patenschaften für einzelne Vorhaben und begleiten diese gemeinsam mit den jungen Menschen weiter. So endet Beteiligung nicht mit der Konferenz, sondern wird zu einem fortlaufenden Prozess.
Auch Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende unterstreicht die Bedeutung des Formats: „Die Jugendkonferenz bringt die Perspektive der jungen Generation unmittelbar in die Stadtpolitik. Aus Ideen zu Klima, öffentlichen Räumen, Freizeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt werden konkrete Arbeitsaufträge für Verwaltung und Politik. Genau so entsteht eine Stadt, die ihre Zukunft gemeinsam mit den Menschen gestaltet, die sie künftig prägen werden.“
Dass die Jugendkonferenz Wirkung zeigt, ist inzwischen an mehreren Stellen im Stadtgebiet sichtbar. Ein besonders anschauliches Beispiel sind die Solarbänke. Die Idee ging auf die erste Jugendkonferenz am 3. und 4. November 2023 zurück. Bereits 2024 wurden die ersten beiden Solarbänke auf dem Dern’schen Gelände installiert; im August 2025 kamen sechs weitere hinzu – unter anderem auf dem Bolzplatz Krautgärten in Kastel, an der Reduit auf dem Messerschmidtgelände, am Gummiplatz Klarenthal, im Stadtteilzentrum Klarenthal und am Wallufer Platz im Rheingauviertel. Die Bänke bieten Sitzmöglichkeiten, ermöglichen das Laden von Smartphones mit Solarenergie und verbinden Aufenthaltsqualität mit nachhaltiger Technik im öffentlichen Raum.
Auch aus der zweiten Jugendkonferenz am 8. und 9. November 2024 wurden zahlreiche Anliegen aufgegriffen. Junge Menschen setzten sich unter anderem für legale Graffitiflächen, bessere Sport- und Freizeitmöglichkeiten, Jugenddiscos, konsumfreie Aufenthaltsorte, öffentliche Wasserspender, mehr Sicherheit im öffentlichen Raum und bessere Bedingungen an Schulen ein. Einige dieser Vorschläge wurden bereits umgesetzt, andere befinden sich in Bearbeitung oder werden gemeinsam mit den zuständigen Fachämtern weiterentwickelt.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die AG Plätze. Sie ist im Rahmen des Handlungsprogramms „Jugend ermöglichen“ entstanden und bringt verschiedene städtische Bereiche zusammen, unter anderem Soziales, Sport, Grünflächen und Schulgebäude. Aufgabe der AG Plätze ist es, Projektideen von Jugendlichen für Jugendliche im öffentlichen Raum umzusetzen, neue Orte zu schaffen oder bestehende Orte weiterzuentwickeln. Sie unterstützt ausdrücklich auch Vorhaben, die aus der Wiesbadener Jugendkonferenz hervorgehen.
So wurden und werden aus den Jugendkonferenzen heraus weitere Projekte angestoßen: Beim Wunsch nach mehr legalen Graffitiflächen konnte in Delkenheim bereits eine Fläche freigegeben werden; im Sauerland wird bei der Umgestaltung eines Spielplatzes ebenfalls eine Fläche berücksichtigt. Im Sauerlandpark sind Discgolfkörbe vorgesehen und eine Calisthenics-Anlage wurde bereits errichtet. Auf dem Gräselberg soll ein Jugendunterstand entstehen. Am Langendellschlag wurden Verbesserungen für Jugendliche initiiert, darunter Sitzmöglichkeiten und die Weiterentwicklung des Basketballplatzes. Zudem wurden mehrere Jugenddiscos erfolgreich von engagierten jungen Menschen organisiert, unter anderem im Kulturpalast Wiesbaden.
Die dritte Wiesbadener Jugendkonferenz fand am 7. und 8. November 2025 im Stadtteilzentrum Schelmengraben statt. Mit 134 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren aus ganz Wiesbaden nahmen so viele junge Menschen teil wie nie zuvor. Insgesamt wurden 23 Projekte für ein besseres Wiesbaden erarbeitet. Die Themen reichten von Klima- und Umweltschutz über Mobilität, Kultur, Digitalisierung, Barrierefreiheit und Sicherheit bis hin zu Lernorten, Jugendcafés und diskriminierungssensiblen Angeboten. Erstmals wurde zudem eine Mini-Jugendkonferenz an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule durchgeführt, sodass auch Jugendliche mit Behinderungen ihre Perspektiven einbringen und ein eigenes Projekt zur Barrierefreiheit entwickeln konnten.
Ein aktuelles Beispiel aus der Jugendkonferenz ist das Projekt „Study Wiesbaden“. Jugendliche formulierten den Bedarf nach einem lernfreundlichen, kostenfreien Ort, an dem Schülerinnen und Schüler gemeinsam arbeiten, sich austauschen und gegenseitig unterstützen können. Die Idee ist ein Lerncafé beziehungsweise Jugendcafé von jungen Menschen für junge Menschen – mit guter Arbeitsatmosphäre, großen Tischen, Austauschmöglichkeiten und günstiger Verpflegung. Das Projekt wird in Kooperation mit dem Amt für Soziale Arbeit weiterverfolgt; aktuell wird dazu eine Sitzungsvorlage eingebracht. Auch daran wird deutlich: Die Jugendkonferenz bringt Themen nicht nur auf Plakate, sondern in konkrete städtische Beratungs- und Umsetzungsprozesse.
„Für mich ist entscheidend: Jugendliche sollen erleben, dass ihre Stimme zählt. Nicht jede Idee lässt sich sofort umsetzen, aber jede Idee wird ernst genommen, geprüft und transparent weiterbearbeitet. Genau daraus entsteht Vertrauen – in die Stadt, in demokratische Prozesse und in die eigene Möglichkeit, etwas zu verändern“, betont Dr. Patricia Becher.
Ein wichtiger Baustein ist die fortlaufende Dokumentation der Projektstände. Für die Jugendlichen bleibt dadurch nachvollziehbar, welche Vorhaben bereits umgesetzt wurden, welche sich in Bearbeitung befinden und wo rechtliche, fachliche oder finanzielle Fragen weiterer Abstimmung bedürfen. Diese Transparenz ist ein wichtiger Bestandteil des Beteiligungskonzepts.
Auch das Jugend-Info-Zentrum JIZ spielt als niedrigschwellige Anlaufstelle für Information, Beratung und Beteiligung eine zentrale Rolle. Es ist aus dem Handlungsprogramm „Jugend ermöglichen“, insbesondere aus dem Handlungsfeld Informationsfluss, hervorgegangen. Seit dem 30. September 2022 sind die Website jiz-wiesbaden.de und das Ladenlokal in der Schwalbacher Straße 6 für Jugendliche zugänglich. Dort erhalten junge Menschen Informationen zu Beteiligungsmöglichkeiten, Unterstützung bei eigenen Ideen und Hinweise auf Angebote wie Youth Bank, Jugendforum oder die AG Plätze.
Die nächste Wiesbadener Jugendkonferenz findet am Freitag, 13. November, und Samstag, 14. November, statt. Sie soll erneut Jugendlichen aus ganz Wiesbaden die Möglichkeit geben, ihre Themen einzubringen, eigene Ideen weiterzuentwickeln und gemeinsam mit Verwaltung und Politik an Verbesserungen für ihre Stadt zu arbeiten. Weitere Informationen zur Jugendkonferenz sind unter www.jiz-wiesbaden.de/mitmachen-und-beteiligen/jugendkonferenz (Öffnet in einem neuen Tab) zu finden.
Zugleich wird die Jugendbeteiligung in Wiesbaden weiter ausgebaut. Mit einer Förderung des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales im Rahmen des Jugendaktionsprogramms Partizipation sollen ab Herbst 2026 Stadtteiljugendgespräche als neues Format für zwei Jahre erprobt werden. Dabei sollen Jugendliche direkt mit dem für sie zuständigen Ortsbeirat ins Gespräch kommen und ihre Ideen für die Gestaltung ihres Stadtteils einbringen können. Damit wird ein weiterer Zugang geschaffen, um Beteiligung näher an die Lebensorte junger Menschen zu bringen.
Die Jugendkonferenz ist damit ein besonders sichtbares Beispiel für Beteiligung, die wirkt. Ziel bleibt, junge Menschen frühzeitig einzubeziehen, ihre Perspektiven ernst zu nehmen und Beteiligung so zu gestalten, dass sie nachvollziehbar, verbindlich und wirksam ist.
„Eine jugendgerechte Stadt entsteht nicht allein am Schreibtisch. Sie entsteht dort, wo junge Menschen gefragt werden, wo ihre Erfahrungen ernst genommen werden und wo Verwaltung und Politik bereit sind, gemeinsam mit ihnen Lösungen zu entwickeln. Genau diesen Weg gehen wir mit der Jugendkonferenz weiter“, so Dr. Becher.
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Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.


