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Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden

Zwischenstand zur Gesamtstrategie „Suchthilfe und Prävention statt Verdrängung“ und Evaluation des Cannabis-Checking-Pilotprojekts

Die Landeshauptstadt Wiesbaden fördert umfassend die Suchthilfe, Prävention und Ansätze der Schadensreduzierung (Harm Reduction). Zur Verstetigung und Weiterentwicklung soll zukünftig eine Gesamtstrategie dienen, basierend auf dem 2025 gefassten Beschluss „Suchthilfe und Prävention statt Verdrängung“ der Stadtverordnetenversammlung.

Hierzu stellte Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke zusammen mit den Trägern der Suchthilfeeinrichtungen und dem Wiesbadener Gesundheitsamt am Dienstag, 18. August, einen ersten Zwischenstand vor. 

Der Konsum illegaler Substanzen stellt Städte und Kommunen zunehmend vor gesundheitliche und soziale Herausforderungen. Veränderte Konsummuster, neue psychoaktive Substanzen und unterschiedliche Zielgruppen erfordern eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Prävention, Suchthilfe und Harm Reduction. 

Um diesen Herausforderungen in Wiesbaden gerecht zu werden, hat die Stadtverordnetenversammlung Ende 2025 den Beschluss „Suchthilfe und Prävention statt Verdrängung“ (Beschluss Nr. 0472) zur Weiterentwicklung der Suchthilfe, Prävention und Harm Reduction im Rahmen einer Gesamtstrategie gefasst. Der Beschluss umfasst verschiedene Maßnahmen – von der Verbesserung der Datengrundlage über den Ausbau niedrigschwelliger Hilfsangebote bis hin zur Stärkung der Straßensozialarbeit und der Weiterentwicklung von Drug-Checking-Angeboten. 

Das Gesundheitsdezernat und das Gesundheitsamt haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Maßnahmen fachlich geprüft, vorbereitet oder bereits angestoßen. Dabei wurde deutlich, dass viele der vorgeschlagenen Vorhaben zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen erfordern. 

Einen wichtigen Baustein bildet das Cannabis-Checking-Pilotprojekt, das von Oktober 2025 bis März 2026 gemeinsam von den Wiesbadener Suchthilfeträgern, dem Frankfurter Verein „Basis“ sowie Wiesbadener Clubs durchgeführt und vom Wiesbadener Gesundheitsamt evaluiert wurde. Ziel des Projekts war es, ein niedrigschwelliges Präventions- und Harm-Reduction-Angebot für das Freizeit- und Nachtleben in Wiesbaden zu erproben. Dabei wurden Substanzanalyse, Informationsvermittlung und Beratung sowie Schulungen der Suchthilfe sowie des Clubpersonals miteinander verbunden. 

Die Evaluation zeigt eine positive Bewertung des Angebots durch die Teilnehmenden und Projektbeteiligten. Zudem ergeben sich Hinweise auf positive Wirkungen, darunter ein Wissenszuwachs bei den Teilnehmenden und eine höhere Sichtbarkeit der Suchthilfe. Gleichzeitig enthält die Evaluation konkrete Empfehlungen für die Weiterentwicklung entsprechender Angebote. 

„Der Zwischenstand zur Gesamtstrategie als auch die Ergebnisse der Evaluation machen deutlich, dass Wiesbaden über engagierte Kooperationspartner und tragfähige fachliche Konzepte verfügt“, freut sich Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke und sagt weiter: „damit wir Suchthilfe und Prävention nachhaltig weiterentwickeln können, braucht es jedoch auch eine verlässliche finanzielle Ausstattung“. Viele der im Beschluss formulierten Maßnahmen sind fachlich vorbereitet – ihre Umsetzung wird maßgeblich davon abhängen, ob in den kommenden Haushaltsberatungen die notwendigen Mittel bereitgestellt werden. 

Löbcke dankt auch den Kooperationspartnern, die am Pilotprojekt zum Cannabis-Drug Checking teilgenommen haben und hofft, dass dieses auch zukünftig in modifizierter Form fortgesetzt werden kann. „Es ist uns gelungen in einem niedrigschwelligen Setting mit hunderten jungen Menschen zu Sucht und Konsumverhalten ins Gespräch zu kommen. Für viele junge Menschen war es der erste Kontakt zur Suchthilfe überhaupt. Diese positive Erfahrung kann, ähnlich wie die etablierte Chillout-Zone beim Theatrium, wesentlich dazu beitragen, dass Menschen schneller Unterstützung suchen, wenn es Bedarfe gibt. Das Pilotprojekt ist damit ein gelungenes Beispiel für Suchtprävention und Schadensreduzierung. Genau diese Wege muss Wiesbaden verstärkt einschlagen.“ 

Cathrin Fehl, Leiterin der Fachambulanz für Suchtkranke des Caritasverbands Wiesbaden-Rheingau-Taunus e.V., ergänzt: „Prävention in der Suchthilfe beginnt dort, wo Menschen erreicht werden: Im Alltag, in der Schule und auf Augenhöhe. Cannabis Drug-Checking ist dabei ein wichtiger Schritt in die moderne Präventionsarbeit in der Suchthilfe, um Risiken frühzeitig sichtbar zu machen, Wissen zu vermitteln und gesundheitsschädlichen Konsum zu verhindern. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung rund um Cannabis, Lachgas und andere psychoaktive Substanzen, wie wichtig es ist, Präventionsangebote kontinuierlich an neue Konsummuster und aktuelle Entwicklungen anzupassen. Deshalb müssen bestehende Angebote verstetigt und bedarfsgerecht erweitert werden. Dabei ist entscheidend, Menschen in ihren jeweiligen Lebenswelten anzusprechen und die Unterstützung dort anzubieten, wo sie ihren Alltag gestalten. Prävention erreicht ihre Wirkung dann, wenn sie niedrigschwellig lebensnah und ohne Stigmatisierung erfolgt. Dazu gehört auch, junge Menschen über Kanäle zu erreichen, die für sie selbstverständlich sind. Hier bieten Social Media und Internet Möglichkeiten, Informationen frühzeitig, verständlich und zielgruppengerecht zu vermitteln und zugleich Beratung anzubieten und auf weiterführende Hilfen aufmerksam zu machen. Nachhaltige Präventionsarbeit kann nur gelingen, wenn unterschiedliche Kompetenzen gebündelt werden. Die Kooperation mit anderen Suchthilfeträgern, Schulen, Jugendhilfe und weiteren Partnern ist der Schlüssel, um Junge Menschen frühzeitig und niedrigschwellig zu erreichen, um ihnen passgenaue Unterstützung anzubieten. Die Fachambulanz setzt auf Aufklärung, Vertrauen und niedrigschwellige Hilfe, um die Ratsuchenden in ihrer Selbstbestimmung zu stärken und sie zu befähigen, Risiken einzuschätzen und gesundheitsschädlichen Konsum möglichst früh zu verhindern.“ 

Wie wichtig Prävention und Frühintervention sind, belegen traurigerweise auch die aktuellen Zahlen zu Drogentoten, gerade bei jungen Menschen: Die aktuellen Zahlen der Bundesregierung zeigen deutlich, dass in Deutschland immer mehr junge Menschen an illegalen Drogen sterben: Im Jahr 2025 lag die Zahl der Drogentoten mit 2.150 Opfern auf Rekordniveau, wobei mittlerweile fast jeder vierte Drogentote (23,2 Prozent) unter 30 Jahre alt ist und bei den unter 20-Jährigen hat sich die Zahl der Todesfälle seit 2021 nahezu verdoppelt. 

Ina Buttler, Leiterin des Suchthilfezentrums Wiesbaden (JJ e.V.), betont vor diesem Hintergrund: „Im Auftrag der Landeshauptstadt Wiesbaden und im Zuge der Gesamtstrategie „Suchthilfe und Prävention statt Verdrängung“ steht das Suchthilfezentrum für die geplante Erweiterung der Maßnahmen im Bereich der aufsuchenden suchtbezogenen Straßensozialarbeit sowie den Aufbau präventiver Bildungsarbeit an Schulen und Jugendzentren zur Verfügung.

Die Fachstelle für Suchtprävention im Suchthilfezentrum Wiesbaden verfügt über ein langjährig gewachsenes Kooperationsnetzwerk und bietet bereits diverse präventive Projekte an Schulen, in Jugendeinrichtungen, Kindergärten, Wohngruppen, und vieles mehr  an. Eine Sicherung der bestehenden Angebote und darüber hinaus eine Erweiterung bzw. eine Konzeptionierung neuer bedarfsorientierter Projekte für Schülerinnen und Schüler in höheren Schulklassen, zum Beispiel  für Berufsschulen, Oberstufen ist dringend notwendig.

Jugendliche und junge Erwachsene mit problematischem Konsumverhalten können mit passgenauen Angeboten früher erreicht werden und durch eine niedrigschwellige, schnelle Überleitung in die Angebote der Frühintervention und Suchtberatung rechtzeitig personenzentrierte Hilfen erhalten. Durch eine Verstetigung von Multiplikator*innenschulungen zum Themenkomplex Förderung von Lebenskompetenzen in verschiedenen Praxisfelder, auch über digitale Kanäle, können erheblich mehr Fachleute informiert werden.“ 

Gerade beim Thema Konsum von Cannabis aber auch bezüglich Alkohol und der Reflektion von Trinkgewohnheiten sei eine breite Öffentlichkeitsarbeit zur Information und Aufklärung ein sehr wichtiges Instrument. Buttler ergänzt: „Bezüglich der Problematik des Konsums im öffentlichen Raum ist eine Erweiterung des aktuellen Stundenkontingents für die suchtbezogene Straßensozialarbeit aus unserer Sicht dringend erforderlich. Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung werden im öffentlichen Raum in den letzten Jahren zunehmend sichtbar und stellen die Kommune vor große Herausforderungen. Das Suchthilfezentrum bietet im Auftrag der Landeshauptstadt Wiesbaden für diese Zielgruppe aktuell zwei Stunden pro Woche aufsuchende Straßensozialarbeit an. Dieses sehr begrenzte Stundenkontingent reicht nicht aus und bedarf des zeitlichen Ausbaus, um regelmäßige Kontaktangebote zu ermöglichen und damit den Vertrauensaufbau zu den Betroffenen zu sichern, sowie weiterführende Hilfsangebote einzuleiten.“ 

Zielstellung bleibe, so Buttler, mit Betroffenen, die aus verschiedenen Gründen den Zugang zu den Beratungseinrichtungen nicht wahrnehmen, in Kontakt zu treten, sie zu informieren und personenzentrierte Kriseninterventionen und Überlebenshilfen zu leisten. So wird dieses niedrigschwellige Angebot zur Brücke, die den Weg ins Hilfesystem schneller und einfacher gestaltet.


Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.

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