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Regierungsbezirk Wiesbaden

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Der Regierungsbezirk Wiesbaden wurde nach einer kurzen Interimsverwaltung durch Zivilkommissare am 22.03.1867 gegründet und umfasste die von Preußen annektierten Gebiete: Herzogtum Nassau, Stadt Frankfurt am Main, Amt Bad Homburg vor der Höhe, Kreis Biedenkopf, Ortsbezirk Rödelheim, den ehemals großherzoglichen Teil von Niederursel sowie den nordwestlichen Teil des Kreises Gießen. Am 07.12.1868 wurde er mit dem Regierungsbezirk Kassel zur Provinz Hessen-Nassau vereinigt.

Die Regierung in Wiesbaden war eine Mittelinstanz der staatlichen Landesverwaltung mit einem Schwerpunkt auf Innerer, Kirchen- und Schul- sowie Finanz-, Domänen- und Forstverwaltung. Ihren Sitz hatte sie bis 1945 in dem als nassauisches Staatsministerialgebäude errichteten Gebäude in der Wiesbadener Luisenstraße 13. Zwar beliebt bei den Beamten, spielte der Regierungsbezirk Wiesbaden in der staatlichen Wahrnehmung Preußens keine zentrale Rolle. Eine nennbare Verortung in der Region und ein Bezug zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt Wiesbaden waren bei den wenigsten Regierungspräsidenten auszumachen. Die meisten von ihnen blieben viel zu kurz im Amt, als dass sie stärker hätten heimisch werden können.

Der Zuschnitt des Regierungsbezirks blieb – abgesehen vom Zuwachs eines Teiles des Stadtkreises Frankfurt 1885 – lange Zeit konstant. Durch die Besetzung des Gebietes und die Einrichtung der 30 km-Brückenköpfe von Mainz bis Koblenz verwandelte er sich jedoch nach 1918 zu einem Notstandsgebiet. Auch die Verwaltung gestaltete sich in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg als sehr schwierig. 1926 gelangte Fechenheim an den Regierungsbezirk Wiesbaden, 1932 kam noch der Landkreis Wetzlar hinzu, während das Gebiet um Battenberg abgetreten wurde.

Zur Zeit der NS-Diktatur geriet die Regierung stark unter die Einflussnahme des Gauleiters Jacob Sprenger. 1944 wurden Planungen zur verwaltungsmäßigen Neugliederung in Form der »Reichsgaue« akut. Die Provinz Hessen-Nassau wurde aufgeteilt. An die Spitze trat der Gauleiter, dessen Stellvertreter der Regierungspräsident war. Zu dieser Zeit kamen die ehemals zum Regierungsbezirk Kassel gehörenden Landkreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern zum Regierungsbezirk Wiesbaden und verblieben dort auch nach 1945.

Nach der Besetzung durch amerikanischen Truppen folgte ein kurzes Interim, bis die Wiesbadener Regierung am 01.05.1945 wieder ins Leben gerufen wurde. Bis zur Errichtung einer großhessischen Landesregierung nahm sie in Wiesbaden unter dem ehemaligen Reichsrundfunkkommissar Hans Bredow umfassende Regierungs- und Verwaltungsaufgaben in diesem Bezirk wahr. Geografisch umfasste der Regierungsbezirk Wiesbaden die bisherigen Gebiete ohne die Landkreise Oberwesterwald, Unterwesterwald, Unterlahn und St. Goarshausen, die an die französische Besatzungszone abgetreten wurden. Neu hinzugekommen waren die Mainzer Vororte Kastel, Kostheim und Amöneburg.

Nach Einrichtung einer Landesregierung wurde den drei hessischen Regierungspräsidien in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden die Funktion einer Landesmittelbehörde zwischen Landesregierung und kommunalen Körperschaften zugeteilt. Maßgeblich berührt waren die Bereiche Innere Verwaltung, Erziehung und Unterricht, Wirtschaft und Verkehr, Landwirtschaft sowie – bis 1954 – das Oberversicherungsamt. 1956 kam eine Abteilung zur Forstverwaltung hinzu.

Das Regierungspräsidium nutzte seit 1948 15 verschiedene Gebäude in Wiesbaden, bevor es 1968 aufgelöst und dem Regierungsbezirk Darmstadt zugeteilt wurde. Das eigens an der Wiesbadener Friedrich-Ebert-Allee errichtete Gebäude bezog es nicht mehr, weshalb dieses seit 1968 vom hessischen Innenministerium genutzt wird. Die Aktenüberlieferung befindet sich heute im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden.

Literatur

Müller, Karlheinz: Hundert Jahre Regierungsbezirk Wiesbaden. Mit 4 Tafeln und einem Diagramm. In: Nassauische Annalen 77/1966 [S. 289–304].

Müller, Karlheinz: Preußischer Adler und Hessischer Löwe. Hundert Jahre Wiesbadener Regierung 1866–1966. Dokumente der Zeit aus den Akten, Wiesbaden 1966.