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Δελτίο Τύπου της πρωτεύουσας του κρατιδίου Wiesbaden

Dr. Manfred Beilharz übergibt künstlerischen Vorlass ans Stadtarchiv

Dr. Manfred Beilharz hat seinen beruflichen Vorlass der Landeshauptstadt Wiesbaden geschenkt. Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl nahm die Schenkung für das Stadtarchiv am Donnerstag, 22. Januar, an. Dr. Beilharz blickt auf ein langes, sehr erfolgreiches Berufsleben zurück. Er war Theaterleiter, unter anderem in Wiesbaden, Bonn, Kassel, Freiburg und Tübingen. Zudem war er als Festivalmacher, Regisseur und Präsident des Internationalen Theaterinstituts tätig, dessen Ehrenpräsident er heute ist.

Dr. Beilharz war ins Kulturdezernat am Schillerplatz gekommen, um dort den Vertrag zu unterschreiben, mit dem sein künstlerischer Vorlass an das Stadtarchiv Wiesbaden übergeht. Über dreißig Kisten mit Material warten darauf, in seinem Haus abgeholt zu werden. Für die Stadt ließ es sich Kulturdezernent und Stadtkämmerer Dr. Hendrik Schmehl nicht nehmen, den Vertrag zu unterschreiben. „Wir sind sehr dankbar, dass uns Dr. Beilharz dieses Geschenk macht und das Stadtarchiv Wiesbaden für die Aufbewahrung seines Vorlasses ausgewählt hat“, sagte der Kulturdezernent. Entsprechend glücklich zeigte sich auch Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg, der ebenfalls an der Unterzeichnung teilnahm. Bevor die Tinte unter die Schenkungsverträge gesetzt wurde, erinnerte sich Dr. Beilharz in prägnanten Formulierungen an seine lange und und abwechslungsreiche Karriere.

Neun Umzüge und mehr als fünfzig Jahre Theatertätigkeit

Neun Mal ist Dr. Beilharz theaterbedingt umgezogen. Zunächst von München, wo der gebürtige Böblinger nach seinem Studium der Germanistik, Rechtswissenschaft und Theaterwissenschaft sowie der Promotion in Theater- und Urheberrecht als Regieassistent an den Kammerspielen tätig war, ins Ruhrgebiet. 1967 übernahm er dort die Funktionen Oberspielleiter und Chefdramaturg am Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel. Der zweite Umzug folgte rasch. Diesmal ging es für ihn und seinen Hausstand nach Tübingen. Dort übernahm er, eben 30 geworden, seine erste Intendanz am Landestheater. Weitere Stationen waren 1976 bis 1983 die Städtischen Bühnen Freiburg im Breisgau und das Staatstheater Kassel in den Jahren 1983 bis 1991. 

In der damaligen Bundeshauptstadt Bonn war Dr. Beilharz 1991 bis 2002 tätig, zunächst als Intendant des Schauspiels. 1997 wurde er dann Generalintendant der zum Theater der Bundesstadt Bonn vereinigten, zuvor unabhängigen drei Häuser für Schaupiel, Oper und Balett. In diese Zeit fallen auch besondere künstlerische Auszeichnungen. „1993, 1996 und 1999 wurden unsere Bonner Theaterproduktionen zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Zuletzt mit der damals blutjungen Johanna Wokalek als ‚Rose Bernd‘ in der Inszenierung von Valentin Jeker. Wokalek erhielt damals auch den Alfred-Kerr-3sat-Theaterpreis“, erinnert sich Beilharz. Trotz großer Erfolge in Bonn wechselte er im Jahr 2002 schließlich nach Wiesbaden, wo er mehr als ein Jahrzehnt lang das Staatstheater prägen sollte. 

Intendant in Wiesbaden und künstlerischer Leiter der Maifestspiele

Wie bereits in früheren Stationen verband Beilharz in Wiesbaden eine intensive Auseinandersetzung mit der Stadt mit einer kosmopolitischen, internationalen Perspektive. So setzte er die 1992 von ihm und Tankred Dorst in Bonn gegründete Biennale „Neue Stücke aus Europa“ in Wiesbaden fort, die als wichtiges internationales Theaterfestival für Gegenwartsdramatik gilt. Diese Bienale wurde unter Dr. Beilharz‘ Nachfolger Uwe Eric Laufenberg als „Wiesbaden Biennale“ fortgesetzt, die im letzten Jahr ihre jüngste Fortsetzung fand. 

Der ehemalige Intendant und Erfinder der internationalen Biennale, Dr. Beilharz, beschreibt seine Tätigkeit in Wiesbaden so: „Meine Theaterarbeit ist geprägt von regionalen Aspekten, ästhetischen Herausforderungen, der Internationalität im eigenen Programm sowie durch teilweise neu gegründete Festivals – und ist daher am Ende immer politisch.“ Für diese Verbindung zwischen Theater und Politik in wichtigen Umbruchzeiten steht auch Dr. Beilharz‘ Engagement im Internationalen Theaterinstitut der Unesco, dem er seit 1993 angehört und dessen Weltpräsident er 2002 bis 2008 war. 

Neben den genannten Tätigkeiten hinterließ Dr. Beilharz als Initiator und künstlerischer Leiter zahlreicher Theaterfestivals bleibende Spuren. Neben den „Neuen Stücken aus Europa“ gründete er schon 1976 das „Theaterfestival Freiburg“, zur documenta 8 in Kassel 1987 das Festival „Spieläume“ und 1990 das Festival „Theater im Aufbruch – Sowjetisches Theater nach Perestrojka und Glasnost“. Neben diesen Engagements war Manfred Beilharz auch als Lehrbeauftragter tätig, unter anderem an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und an der Johannes-Gutenebrg-Universität Mainz. Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, den Stanisław-Ignacy-Witkiewicz-Preis, die Goethe-Plakette und den Hessischen Verdienstorden sowie die Ehrenplakette der Landeshauptstadt Wiesbaden. 

„In allen meinen Theatern habe ich versucht, meine Überzeugungen zur übernationalen Öffnung unterzubringen“, zieht Dr. Beilharz Bilanz: „In den nun dem Stadtarchiv zu übergebenden Kisten finden sich genügend Beispiele dafür. Das Hessische Staatstheater Wiesbaden hat zu meiner Zeit vier Schauspiel-Produktionen als Gastspiele in China aufgeführt sowie in zehn weiteren europäischen Ländern.“ Nach dem Ende seiner Tätigkeit in Wiesbaden zog Dr. Beilharz noch zwei Mal um 2014 nach Düsseldorf und dann erneut nach Wiesbaden, wo er heute lebt. 

Material aus allen Stationen des Schaffens 

Erste Kontakte zum Stadtarchiv fanden 2019 statt. Angeboten hat Dr. Beilharz „Materialien aus allen Stationen meines Schaffes, um so etwas wie eine geschlossene Künstler-Biografie herzustellen“, wie er sagt. Zum Vorlass gehören unter anderem Programmhefte, Fotos, Spielzeit-Programme, Inszenierungs-Skizzen, Briefe an Rechtsträger und sonstige Korrespondenzen sowie Presse-Ausschnitte. „Das macht den großen Wert dieses Vorlasses aus“, ergänzt Stadtarchivdirektor Dr. Quadflieg, „dass er neben der Intendanz in Wiesbaden auch die internationalen Perspektiven einer außergewöhnlichen Theaterkarriere abbildet und aus ganz unterschiedlichen Schriftstücken und Fotos besteht.“ So sind insbesondere die verschiedenen Gastspiele und Festivals, die Dr. Beilharz in die ganze Welt führten, mit Dokumenten überliefert. 

Ein besonderes Stück hatte Dr. Beilharz daher auch zur Vertragsunterzeichnung mit ins Kulturdezernat gebracht: ein Schofar, ein altes israelisches Musikinstrument aus Antilopen-Horn. Das Blasinstrument war ein Geschenk von Hanna Munitz, der damaligen Intendantin der New Israeli Opera in Tel Aviv an Dr. Beilharz. „Ich hatte meine ersten hiesigen Maifestspiele im Jahre 2003 mit Alban Bergs Oper ‚Wozzeck‘ nach Georg Büchner als Wiesbadener Erstaufführung eröffnet“, erinnert sich Dr. Beilharz. „Hanna Munitz lud mich ein, dieses Werk auch an ihrer Oper in Tel Aviv zu inszenieren. Unter der musikalischen Leitung von Asher Fisch konnte dies 2005 realisiert werden. Auch Bundespräsident Horst Köhler und eine städtische Delegation mit Oberbürgermeister Hildebrand Diehl besuchten die Oper. Sie wurde zu einem riesigen Erfolg und das Stück wurde innerhalb von drei Wochen 14 Mal gespielt!“ Das Schofar schenkte Hanna Munitz Dr. Beilharz dann bei einem Gastspiel ihrer Oper mit der Produktion „Kinderträume/Child Dreams“ von Gil Shohat bei den Maifestspielen 2012 als Dank für den engen Austausch zwischen den beiden Theatern.

„Es sind diese besonderen Erinnerungen und Eindrücke, die sich in den nun vom Stadtarchiv übernommenen Unterlagen manifestieren“, sagt Kulturdezernent Dr. Schmehl. „Wir sind sehr dankbar, dass Herr Dr. Beilharz diese nun der Landeshauptstadt zur dauerhaften Aufbewahrung anvertraut.“ Während der Unterschriftsprozess im Kulturdezernat durchaus seine heiteren Momente hatte, unter anderem als der 87-jährige Vorlassgeber dem Schofar einen beeindruckenden Ton entlockte, fand Dr. Beilharz zum Ende der kleinen Zeremonie am Schillerplatz nachdenkliche Worte: „Leider haben sich inzwischen in Russland, in Europa und in Israel, und nicht nur dort, die politischen Verhältnisse geändert. Es wäre an der Zeit, die Uhr zurückzudrehen und einen Neuanfang zu wagen.“ Wie ein solcher Neuanfang mit mehr internationalem Austausch im künstlerischen Bereich aussehen könnte, das kann man am historischen Beispiel nach der Übernahme des neuen Archivmaterials nun im Stadtarchiv Wiesbaden erforschen.

Bilder

Unterzeichneten den Schenkungsvertrag: Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl, Dr. Manfred Beilharz und Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg  (von links nach rechts)
Unterzeichneten den Schenkungsvertrag: Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl, Dr. Manfred Beilharz und Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg (von links nach rechts)

Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.

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