Dialog mit den anderen - Gebot oder Bedrohung der Demokratie?
05.03.2026, 17:30 Uhr
Seite geraumer Zeit befindet sich Deutschland in einem Poly-Krisen-Modus. Zunehmende Radikalisierung und Polarisierung ist eine Folge und es stellt sich die Frage, wie in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft mit Parteien, mit Bewegungen, mit Gruppen umzugehen ist, die radikale Positionen vertreten, die – zumindest in Teilen – im Widerspruch zu unseren demokratischen Grundwerten stehen. Das Schlagwort von der „Brandmauer“ – die bewusste Abgrenzung beziehungsweise der Ausschluss antidemokratischer Akteure – steht für diese Herausforderung. Wir erleben zudem, dass die konfliktgeladenen Krisen stärker in unseren Alltag hineinwirken und unser Miteinander in Schulen, Vereinen, Familien und Freundeskreisen beeinflussen – dies gilt auch für unseren ‚digitalen‘ Alltag unseres Miteinanders in den sozialen Medien. Unweigerlich treffen wir im Alltag auf Weltbilder, die von Verschwörungserzählungen, Opfer- und Täterrhetoriken, Polarisierung und Hassrede geprägt sind. Wie sollen wir hiermit in unserem privaten wie öffentlich-gesellschaftlichen Alltag umgehen? Wie halten wir es mit dem Dialog mit den anderen, mit Menschen, die eine Weltsicht vertreten, die unserer Sicht auf die Welt diametral gegenübersteht? Es drängen sich zumindest drei konkrete Fragen auf, zu denen wir eine alltagstaugliche Position entwickeln sollten. Erstens: Warum stellen zentrale politische Akteure die Brandmauer derzeit vermehrt in Frage? Welche Risiken birg ein möglicher 'Abriss' der Brandmauer und wo könnten ggf. Chancen liegen? Zweitens: Ist Dialog an sich ein demokratisches Prinzip, dass den Ausschluss bestimmter radikaler Positionen nicht dulden sollte? Drittens: Wie gelingt in unserer Alltagspraxis – in Vereinen, Schulen, im Netz, im Freundeskreis – ein Gespräch mit Menschen mit radikalen, mit demokratiedistanten Haltungen und wann ist Abgrenzung oder gar der Ausstieg aus dem Dialog geboten? All diese Fragen berühren nicht nur die Politik, sondern auch den Kulturraum, die Wissenschaft, die Wirtschaft – und nicht zuletzt unser aller Alltag. Wir möchten uns diesen Fragen mit positionsstarken und prominenten Vertreterinnen und Vertretern der unterschiedlichen Gesellschaftsbereiche unter unmittelbarem Einbezug eines interessierten Publikums stellen. In einem offenen Austausch wollen wir ausloten, wie demokratischer Widerspruch sichtbar werden kann, wo und wie Grenzen gezogen werden müssen und welche Formen des Gesprächs dazu beitragen können, eine zunehmend polarisierte Gesellschaft wieder enger zusammenzuführen. Gäste: • Silke Baer (Geschäftsführerin und pädagogische Leitung von Cultures interactive e. V.) • Jörg Müller (ehemaliger Leiter des Verfassungsschutzes Brandenburg) • Prof. Dr. Bertolt Meyer (Psychologe, Autor des Buchs Anders. Was wir aus der Psychologie über den Umgang mit Unterschieden lernen können) • Anna Scheuermann (Autorin, Projektkuratorin für die erfolgreiche Bewerbung der Region ‚Frankfurt/Rhein-Main‘ zur „World Design Capital 2026“ mit dem Claim „Design for Democracy. Atmospheres for a better life.“) • Tuija Wigard (bis 2019 Redakteurin für das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e. V. (JFDA), seit 2019 Vorstandsmitglied von democ (Dokumentation und Analyse von demokratiefeindlichen Bewegungen) Moderation: Prof. Dr. Uwe Kemmesies (MOTRA-Verbundkoordinator) und Dr. Evelyn Ehrenberger (Präsidentin der Hochschule Fresenius)
Hinweise
Deutschland erlebt eine Zeit multipler Krisen, in der Radikalisierung und Polarisierung spürbar zunehmen. Damit wächst die Frage, wie unsere demokratische Gesellschaft mit Parteien, Bewegungen und Gruppen umgehen soll, die zentrale Grundwerte