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Kaspar Kögler. In kleinem Kreis

Anlässlich der Gedenkjahre zum 185. Geburts- und 100. Todesjahr von Kaspar Kögler hat das sam bis zum 3. März 2024 zu einer Sonderausstellung eingeladen.

Der Maler Kaspar Kögler im Netzwerk Wiesbadener Industriellen-Familien

Was haben der Chemiker Carl Remigius Fresenius, der Künstler Ludwig Knaus und Mitglieder der Unternehmerfamilien Dyckerhoff, Kalle, Albert und Knoop gemeinsam? Sie alle ließen sich von Kaspar Kögler malen. Gestern wie heute bereicherten soziale Netzwerke das private und berufliche Leben.

Anlässlich der Gedenkjahre zum 185. Geburts- und 100. Todesjahr von Kaspar Kögler (Molsberg /Westerwald 1838 bis 1923 Wiesbaden) hatte das sam eingeladen, das vielseitige Schaffen des Künstlers in der Ausstellung "Kaspar Kögler – In kleinem Kreis" zu entdecken.

Der vielseitige Künstler wirkte als Maler, Zeichner und Schriftsteller. Nach Wanderjahren als Kirchenmaler kam Kögler Anfang der 1860-er Jahre nach Wiesbaden, wo er u.A. als Dekorationsmaler in öffentlichen Gebäuden wirkte, so etwa im Theater (Zuschauerraum und Foyer) oder im Neuen Rathaus (Ratskeller). Auf Vermittlung seines Ateliernachbarn und späteren Schwagers Wilhelm Bogler erhielt Kögler den Auftrag, den "Festsaal" (heute Friedrich-August-Saal) der 1874 nach Plänen Boglers vollendeten Wiesbadener Casino-Gesellschaft auszumalen.

Die Familie Dyckerhoff im Rokoko-Gewand – Ein außergewöhnliches Bild zum Jubiläumsjahr von Kaspar Kögler

Dieser Auftrag lässt Köglers sehr ausgeprägte Verflechtung von Privat- und Berufsleben erkennen, weshalb die Ausstellung das Netzwerk des Künstlers beleuchtet. Dieses enthält auch ein dreiteiliges Gemälde (Triptychon), das Kögler um 1900 für die Biebricher Industriellen-Familie Dyckerhoff schuf und das den Mittelpunkt der konzentrierten Sonderausstellung im sam bilden wird. Zu Beginn des Jubiläumsjahres 2023 gelang es der Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, das Objekt zu erwerben und somit dauerhaft in die Sammlung zu integrieren.

Die drei zusammengehörenden Gemälde zeigen Mitglieder und Freunde der Familie Dyckerhoff in geselliger Runde, und zwar im Rokoko-Kostüm! Die Ausstellung ergründet, was es mit diesem kuriosen Gemälde auf sich hat und wie es sich in Köglers Gesamtwerk sowie die zeitgenössische Kunst einfügt.

Dieses faszinierende Werk wirft Fragen auf: Wie trat dieser "kleine Kreis" in Kontakt mit Kögler? Wie interpretierte der Künstler diese gesellige Runde? Welche Bedeutung trägt dieses unkonventionelle Gemälde im Kontext von Köglers Gesamtwerk und zeitgenössischer Malerei?

Die Ausstellung lud ein, die Verbindung zwischen diesem "kleinen Kreis" und Kögler zu erforschen und die faszinierende Frage nach der Bedeutung der Kostüme im Kontext seiner Zeit zu stellen. Dies bot einen spannenden Einblick in die Beziehung von Tradition und künstlerischer Modernität.

Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen, erhältlich im sam.

Ausschnitt aus: Kaspar Kögler: Die Familie Dyckerhoff beim Kegelspiel, um 1900, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden wiesbaden.de / Foto: Patrick Bäuml, Wiesbaden
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