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Museumsgebäude

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Das Museum Wiesbaden wurde 1911–20 als Städtisches Museum nach Plänen des Architekten Theodor Fischer an der Kaiserstraße (heute Friedrich-Ebert-Allee 2) erbaut. Den drei unterzubringenden Sammlungen entsprechend, entstand ein mehrteiliger, nahezu symmetrischer Gebäudekomplex im Stil eines strengen Neoklassizismus mit einem Hauptflügel an der Friedrich-Ebert-Allee und zwei, an diesen rechtwinklig nach Osten anschließenden Seitenflügeln, einem nördlich entlang der Rheinstraße und einem südlich, kürzeren entlang der Viktoria-Luise-Straße.

Der Hauptflügel besteht aus zwei viergeschossigen, elfachsigen Baukörpern mit vorgelagerten, eingeschossigen Doppelsäulenkolonnaden und einem verbindenden Mittelbau mit Freitreppe, Portikus und überkuppeltem Oktogon. In der von Oktogon und Wandelhalle vorgegebenen, gedachten Mittelachse liegen nach Osten die niedrigeren Räume der Gemäldegalerie. Diese wurde bereits im Oktober 1915 eröffnet. Die den Mittelbau flankierenden Gebäude blieben zusammen mit den Seitenflügeln den Naturhistorischen Sammlungen des Museums Wiesbaden (nördlich) und der Sammlung Nassauischer Altertümer (südlich) vorbehalten. Diese wurden im Juli 1920 der Öffentlichkeit übergeben.

Bemerkenswert sind die Rückgriffe Fischers auf historische Architektur. So verweist z. B. die Außenansicht des Oktogons mit Reliefs direkt unter dem Dachgesims auf den sogenannten Turm der Winde in Athen (1. Jahrhundert v. Chr.), die Innengestaltung dagegen auf die Aachener Pfalzkapelle (Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr.) Die funktionale Konzeption bzw. Gliederung sowohl der Grundrisse als auch der Außenfassaden zeugen hingegen von einer modernen Architekturauffassung.

Die ursprüngliche, von Fischer bis ins Detail hinein entworfene künstlerische Ausstattung des Museums ist in weiten Teilen erhalten. Zahlreiche Künstler waren an der Ausführung beteiligt. So schuf der Bildhauer und Maler Wilhelm Nida-Rümelin (1876–1945) unter anderem die Reliefs in den Zwickeln der Fensterbögen des Erdgeschosses und diejenigen des Oktogons. Von Arnold Hensler stammen die vier Figuren in den Nischen des zweiten Obergeschosses im Inneren des Oktogons, während die Mosaiken auf Entwürfen des Malers Max Unold (1885–1964), Mitglied der Münchner Neuen Sezession, basieren. Weniger erhalten ist von der ehemals reichen Ausmalung, insbesondere der Wandelhalle und der Galerieräume, die auf Hanna und Hans Völcker zurückgeht. Bildhauer Hermann Hahn (1868–1945) schuf das seit 1999 auf den unteren Stufen der Freitreppe aufgestellte Goethe-Denkmal.

Die seit 1991 erfolgende Sanierung und Erweiterung des Museums wird mit der Neugestaltung der Kolonnaden, des Eingangsbereichs und des Vorplatzes sowie der Versetzung des Goethe-Denkmals an seinen ursprünglichen Platz zwischen den beiden mittleren Säulen des Portikus abgeschlossen sein.

Literatur

Neues Bauen in Wiesbaden 1900–1914. Katalog zur Ausstellung im Nassauischen Kunstverein e.V. vom 18. November bis 30. Dezember 1984. Hrsg.: Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden – Stadtentwicklungsdezernat, Red.: Paulgerd Jesberg, Wiesbaden 1984 [S. 157–183; 191–196].

Sigrid Russ, Bearb., Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Wiesbaden I.2 – Stadterweiterungen innerhalb der Ringstraße. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Stuttgart 2005 [S. 109–111].

W. [Wolf, Georg Jacob]: Das städtische Museum in Wiesbaden. In: Dekorative Kunst, Bd. XXXIV, Jg. 29, 1925/26, Nr. 3 [S. 57–68].

Museum Wiesbaden, 1963 wiesbaden.de/ Stadtarchiv Wiesbaden, F001-401, Urheber: Joachim B. Weber
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