„Wallauer Spange“: Bedeutung des Infrastrukturprojekts für Wiesbaden
Das Bahnprojekt „Wallauer Spange“ steht laut Medienberichten auf der Kippe. Die Landeshauptstadt Wiesbaden nimmt die Berichte über eine fehlende Finanzierungszusage des Bundes mit Unverständnis und Verärgerung zur Kenntnis. Das Projekt ist ein zentraler Baustein für eine leistungsfähige Schienenanbindung Wiesbadens und der gesamten Rhein-Main-Region.
Laut einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag gehört die „Wallauer Spange“ zu fünf fertig geplanten Bahnvorhaben, für die trotz des Sondervermögens bis 2029 keine ausreichenden Mittel im Bundeshaushalt eingeplant seien. „Für Wiesbaden wäre das ein herber Rückschlag“, sagt Verkehrsdezernent Andreas Kowol.
Das seit Jahren vorbereitete Infrastrukturprojekt soll Wiesbaden über eine neue Verbindung an die ICE-Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main und den Flughafen Frankfurt anschließen, direkt und ohne Umweg über Mainz, Bischofsheim oder den Frankfurter Hauptbahnhof. Damit hätte Wiesbaden einen direkten Zugang zu einem der wichtigsten Fernverkehrsknoten Deutschlands erhalten. Der Fernbahnhof Frankfurt Flughafen wird täglich von rund 200 Fernzügen, überwiegend ICE-Verbindungen, angefahren und verbindet den Standort mit zahlreichen Städten im In- und Ausland. „Die ,Wallauer Spange‘ würde den bislang unzureichenden Anschluss Wiesbadens an das deutsche Fernverkehrsnetz schlagartig verbessern und Bürgerinnen und Bürgern endlich eine schnelle Verbindung in viele Teile Deutschlands und Europas bieten“, sagt Kowol.
Mit der Umsetzung des Projekts wären folgende Vorteile verbunden:
- eine deutlich verbesserte Erreichbarkeit der Landeshauptstadt,
- ein dichteres, leistungsfähigeres und attraktiveres Bahnangebot in Richtung Frankfurt und Darmstadt,
- eine verringerte Störanfälligkeit des Schienennetzes,
- eine verbesserte Anbindung des Wiesbadener Ostens,
- eine Entlastungseffekte hinsichtlich Lärm, Luftschadstoffen, Treibhausgasemissionen und Stau,
- eine bessere Erreichbarkeit des überregional bedeutsamen Arbeitsplatzstandorts Flughafen aus Richtung Wiesbaden.
„Für die gesamte Region Rhein-Main ist die ,Wallauer Spange‘ von erheblicher verkehrlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. Sie entlastet bestehende S Bahn- und Regionalbahnstrecken und stärkt zugleich die Standortattraktivität der Wirtschaftsregion Rhein-Main, die auf leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur angewiesen ist“, sagt Kowol.
Der geplante zusätzliche Halt im Bereich Wallau/Delkenheim verbessert zudem die Anbindung des Wiesbadener Ostens und der umliegenden Gemeinden. Die geplante Verbindung verkürzt die Fahrtzeit zwischen Wiesbaden und Frankfurter Flughafen von aktuell 35 bis 40 Minuten auf etwa 15 Minuten. Zwischen Wiesbaden und Darmstadt verringert sich die Fahrzeit von aktuell etwa 43 Minuten auf circa 30 Minuten. Mit drei zusätzlichen Direktverbindungen pro Stunde zum Frankfurter Flughafen, zwei nach Darmstadt sowie einer nach Frankfurt entstünde ein deutlich dichteres und attraktiveres Bahnangebot. „Ohne die Realisierung der ,Wallauer Spange‘ bleiben diese Verbesserungen aus, ebenso wie die überfällige schnelle Anbindung Wiesbadens an den bundesweiten Fernverkehr“, sagt Kowol.
Besonders schmerzhaft ist, dass die Strecke ursprünglich bereits im Jahr 2026 in Betrieb gehen sollte. Ausgerechnet im Jahr 2026 droht nun eine erneute Verschiebung, deren zeitlicher Umfang nicht absehbar ist. Die Stadt hatte sich bereits auf die Umsetzung vorbereitet, das Busnetz im Osten auf die neue Schienenanbindung ausgerichtet und mit den Planungen für das Bahnhofsumfeld begonnen. Diese Arbeiten müssten nun vorerst gestoppt werden.
Die Landeshauptstadt Wiesbaden wird die weiteren Schritte des Bundes und der Deutschen Bahn zur „Wallauer Spange“ eng begleiten und sich entschieden dafür einsetzen, die bislang erreichten Planungen zu nutzen und die Finanzierung zu sichern. Das Ziel bleibt, Wiesbadens direkte Anbindung an die ICE-Schnellfahrstrecke und den Flughafen Frankfurt zügig zu realisieren – als wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Mobilität im Rhein-Main-Gebiet.
Dass das Projekt Wallauer Spange einen großen Mehrwert für die gesamte Region darstellt, ist schon lange klar. So wurde bereits in einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2009 herausgearbeitet, dass bei einer Verwirklichung der Verbindungsstrecke Wallauer Spange und dadurch neue geschaffene Bahnverbindung Wiesbaden Hbf - Frankfurt-Flughafen - Darmstadt Hbf mit einem sehr guten Nutzen-Kosten-Verhältnis von 3,7 zu rechnen sei. Auch für die Errichtung eines zusätzlichen Haltepunktes zwischen Wiesbaden-Delkenheim und Hofheim-Wallau ging diese erste Studie bereits von einem positiven Kosten-Nutzen-Verhältnis aus. Nicht umsonst ist das Projekt mittlerweile im sogenannten „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen und zählt damit zu den bundesweit als am wichtigsten bewerteten Ausbauprojekten im Schienenbereich.
Der Startschuss für das Projekt fiel mit der Vorplanung im Jahr 2017. Seitdem wurden Machbarkeitsuntersuchungen, Kosten-Nutzen-Analysen und die konkrete Linienführung ausgearbeitet. In den bisherigen Planungen war ein Baubeginn um das Jahr 2026 und eine Inbetriebnahme Ende 2028 vorgesehen. Ohne Finanzierungsvereinbarung können diese Zeitpläne nicht eingehalten werden. Die Kosten des sogenannten „Projektbündel 6: ABS/NBS Frankfurt am Main – Mannheim: NBS Wallauer Spange“ werden auf 183 Millionen Euro geschätzt (Stand 2025).
Aufbauend auf den Planungen der Deutschen Bahn – die, wie auch der Bau der Strecke des neuen Haltepunktes von Bund und Land finanziert werden - haben auch die angrenzenden Kommunen Wiesbadens, Hofheim und Hochheim verschiedenste Planungen angestoßen und vorangetrieben, um den neuen Haltepunkt Wallau/Delkenheim bestmöglich in die Region zu integrieren – von der Anbindung mittels Radwegen und Radschnellwegen, über eine optimierte Straßenanbindung und eine Neuordnung des örtlichen Busnetzes, bis hin zur Planung einer neuen Park&Ride-Anlage. „In diesem Zusammenhang sind alleine der Stadt Wiesbaden bereits anteilige Planungskosten im sechsstelligen Bereich angefallen, was unsere Bestürzung der drei Kommunen über den im Raum stehenden Stopp des DB-Projektes natürlich noch einmal verstärkt“, fasst Kowol zusammen.
Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.