Ehrengrab für Otto Ritschl
Magistrat und Ältestenrat haben beschlossen, der Grabstätte von Otto Ritschl auf dem Nordfriedhof bis Juni 2055 die Eigenschaft eines Ehrengrabes zuzuerkennen.
„Aufgrund seiner herausragenden Bedeutung als Vertreter abstrakter Kunst in Deutschland und Europa und seines Engagements für das künstlerische Leben in Wiesbaden gebührt Otto Ritschl die Würdigung durch die Zuerkennung eines Ehrengrabes. Er hat viel für die Kunst, freischaffende Künstler und Wiesbaden getan“, teilt Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende mit.
Eduard August Ludwig Otto Ritschl wurde am 9. August 1885 in Erfurt geboren. Zu seinen frühen Förderern zählte der Kunstsammler Kurt von Mutzenbecher, der von 1903 bis 1918 Intendant des Königlichen Hoftheaters in Wiesbaden war. Seit dem Jahr 1908 war Wiesbaden der Lebensmittelpunkt von Otto Ritschl. Ritschls erster großer Erfolg als Autor war die Uraufführung seiner Komödie „Der Rechnungsdirektor“ in Hamburg im Jahr 1915. Danach orientierte er sich neu und verlagerte seinen künstlerischen Schwerpunkt von der Literatur zur Malerei. 1919 zeigte der Nassauische Kunstverein im städtischen Museum erstmals Werke von Ritschl. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage von Kunstschaffenden initiierte Ritschl 1924 einen Wirtschaftsverband zur Verbesserung der materiellen Situation von Künstlern. Im Jahr 1925 gründete er die „Freie Künstlerschaft Wiesbaden“, deren Vorsitzender er bis 1933 war. Er war zudem Mitbegründer der Volkshochschule Wiesbaden und gab dort auch zwischen 1926 und 1929 Kurse. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden Otto Ritschls Werke aus öffentlichen Ausstellungen entfernt. Einige seiner Werke wurden in der Wanderausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Otto Ritschl zog sich daraufhin aus der Öffentlichkeit zurück. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm Ritschl seine Tätigkeit als freischaffender Künstler wieder auf. Er bildete verschiedene Künstler aus und stellte auch selbst wieder aus. Aufgrund seines künstlerischen Wirkens wurde er 1955 mit der Goethe-Plakette des Landes Hessen ausgezeichnet. Im Jahr 1960 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. 1965 erhielt er die Goldene Ehrenmedaille der Landeshauptstadt Wiesbaden, 1972 das Große Bundesverdienstkreuz sowie 1975 die Ehrenplakette der Stadt Wiesbaden. Otto Ritschl starb am 1. Juli 1976 in Wiesbaden.
Ehrengräber der Landeshauptstadt Wiesbaden werden an Personen zuerkannt, die sich zu Lebzeiten entweder hervorragende Verdienste um die Landeshauptstadt Wiesbaden selbst erworben haben oder deren hervorragende Leistungen auf kommunalpolitischem, künstlerischem, kulturellem, wissenschaftlichem, wirtschaftlichem oder sozialem Gebiet honoriert werden.
Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.