21. Bundeskongress der kommunalen Kinos im Caligari
Von Donnerstag, 3., bis Sonntag, 6. Dezember, findet in der Caligari FilmBühne, Marktplatz 9, der 21. Bundeskongress der kommunalen Kinos statt. Das Motto lautet „Kino selbstbewusst?!“.
Zum Auftakt stellt Regisseur und Oscarpreisträger Volker Schlöndorff am Donnerstag, 3. Dezember, um 17 Uhr in einer öffentlichen Vorführung seinen neuesten Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ persönlich vor. Tickets gibt es ab Montag, 9. November, unter caligari.wiesbaden.de (Öffnet in einem neuen Tab).
„Volker Schlöndorff ist ein wichtiger Unterstützer der kommunalen Kinos und besonders der Caligari FilmBühne“, sagt Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher. „Ich freue mich, dass der Bundesverband der kommunalen Filmarbeit e.V. seinen Kongress dieses Jahr in Wiesbaden veranstaltet und dazu in der Caligari FilmBühne, die dieses Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert.“
Wie können Kinos ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, ohne unter dem Druck öffentlicher Erwartungen ihre programmatische Freiheit zu verlieren? Der 21. Bundeskongress der kommunalen Kinos widmet sich dieser Frage mit Vorträgen, Panels und Diskussionsformaten. Im Mittelpunkt stehen der Umgang mit gesellschaftlicher Polarisierung und die Frage, wie Kinos ihre Rolle als Orte demokratischer Öffentlichkeit selbstbewusst gestalten können.
Kinos sind kulturelle Treffpunkte. Als sogenannte dritte Orte schaffen sie Raum für Begegnung und Austausch. Die kommunalen Kinos eröffnen mit ihren Programmen Perspektiven und ermöglichen Diskussionen über gesellschaftlich relevante Themen. Gleichzeitig geraten Kinos zunehmend unter Druck: Polarisierte Debatten, zugespitzte Kritik und widersprüchliche Erwartungen erschweren die Programmarbeit. Kinomacherinnen und -macher sehen sich immer häufiger mit der Frage konfrontiert, welche Themen sie zeigen können und wie sie mit kontroversen Reaktionen umgehen sollen.
Der Kongress greift diese Herausforderungen auf. Er bringt Akteurinnen und Akteure der Kinobranche zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und Handlungsmöglichkeiten auszuloten. Ziel ist es, Unsicherheiten abzubauen und Werkzeuge für einen selbstbewussten Umgang mit Konflikten und teils widersprüchlichen öffentlichen Erwartungen bereitzustellen.
Dabei geht es auch um ein grundlegendes Spannungsfeld: Ein öffentlicher Diskurs über Kino als Kunst- und Kulturform ist ausdrücklich erwünscht und gehört zu seiner demokratischen Funktion. Doch wie lässt sich mit Kritik umgehen, wenn der Austausch nicht mehr konstruktiv verläuft oder kulturelle Arbeit an bestimmte Bedingungen geknüpft wird? Und was, wenn laute Forderungen zu Überforderungen in der Ausgestaltung der eigenen Arbeit führen?
Zu Beginn des Fachprogramms diskutieren Andreas Heidenreich (1. Vorsitzender des Bundesverbands kommunale Filmarbeit), Christine Berg (Vorstandsvorsitzende des Hauptverbands Deutscher Filmtheater), Christopher Bausch (Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Kino) und Katja Hergenhahn (Co-Vorsitzende des Kulturrats Hessen, Theatermacherin, unter anderem Leiterin der Theaterschule Frankfurt). Sie sprechen darüber, wie sich die Kinobranche positionieren und ihre Interessen und Bedarfe angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen gemeinsam vertreten kann.
Ein zentraler Programmpunkt ist am Samstag der Vortrag von Prof. Friedhelm Hufen (Johannes Gutenberg-Universität Mainz), der sich aus juristischer Perspektive mit dem Neutralitätsgebot befasst. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geht er der Frage nach, ob dieses Gebot dem fairen politischen Wettbewerb dient oder Handlungsmöglichkeiten in Kultur, Bildung und Politik einschränken kann.
Auch die Praxis kommt nicht zu kurz: Eine interaktive Lecture zur Krisenkommunikation vermittelt Impulse für den Umgang mit Konflikten und öffentlichen Kontroversen. Die „Denk-Räume – Kino selbstbewusst“ bieten Gelegenheit, sich mit der kinopolitischen Identität sowie mit Fragen rund um eine rechtssichere Vereinssatzung auseinanderzusetzen.
Andreas Heidenreich sagt: „Mit dem Programm bearbeiten wir eines der aktuell drängendsten Themen unserer Branche, das bekommen wir aus der Kultur, auch weit über die Kinogrenzen hinaus gespiegelt. Unser Ziel ist, Handwerkszeug und Sicherheit zu vermitteln, damit die Kinomachenden und Kulturschaffenden ihrer wichtigen Aufgabe weiterhin selbstbewusst nachgehen können. Die traditionsreiche Caligari FilmBühne, Leuchtturm der kommunalen Filmarbeit, ist dafür genau der richtige Ort. Wir freuen uns auf Wiesbaden!"
Neben dem fachlichen Austausch ist das Filmprogramm ein Bestandteil des Kongresses. Den Auftakt macht am Donnerstag „Heimsuchung“ (2026) in Anwesenheit von Volker Schlöndorff, der damit den Kongress am öffentlichen Publikumsabend eröffnet und die Vorführung mit einem Filmgespräch begleitet. Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman „Heimsuchung“ erzählt von einem Haus an einem See nahe Berlin und den Lebenswegen seiner wechselnden Bewohnerinnen und Bewohner. Ihre Geschichten sind mit den großen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verbunden, von der Weimarer Republik über Nationalsozialismus und Krieg bis zur DDR und zur Zeit nach der Wiedervereinigung.
Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.