Sprungmarken

Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen

Artikel

Die Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen wurde 1963 unter den Eindruck des Frankfurter Auschwitz-Prozesses gegründet. Ihren Sitz nahm sie im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. Ziel war und ist es, die Geschichte der Juden in Hessen auf wissenschaftlicher Basis zu erforschen. Hierzu wählte man die Form einer Historischen Kommission. Angeregt wurde die Gründung vom Hessischen Kultusminister Prof. Ernst Schütte, das Land Hessen unterstützt bis zum heutigen Tag die vor allem in den ersten Jahren schwierige Finanzierung.

Wie sehr der Staat sich diese Aufgabe zu Eigen machte, zeigt sich auch in den Personen der Vorsitzenden, die seit 1975 mit den aktiven und früheren Ministern Johannes Strelitz, Karl Krollmann und Ruth Wagner eine bemerkenswerte Kontinuität aufweist. Gleichwohl fand die hessische Kommission in den anderen Bundesländern keine Nachahmung. Ziel war es anfangs, gerade auch jüdische Forscher in die noch kleine Kommission einzubinden, was auch gelang. Die Schrecken der NS-Zeit vor Augen, waren Forschungen zu dieser Zeit das Gebot der Stunde, jedoch nicht alleiniges Thema.

Anfang der 1970er-Jahre legte die Kommission die beiden schon zu »Klassikern« gewordenen Bände »Juden vor Gericht 1933–1945« und »NS-Verbrechen vor Gericht 1945–1955« vor. Diese und die späteren Publikationen wurden insbesondere von Wolf-Arno Kropat betreut und gefördert. Das Programm enthält unter anderem Monografien zur allgemeinen jüdischen Geschichte in Hessen, zur Bevölkerungs- und Sozialgeschichte, zur Emanzipation der Juden und zum Antisemitismus, Dokumentationen zum jüdischen Schicksal unter dem NS-Terror, schließlich auch Hilfsmittel und Quellenpublikationen vor allem aus den Staatsarchiven. Das Buchangebot umfasst mehr als 30 Titel.

1981 wurde mit einer Dokumentation alter jüdischer Friedhöfe in Hessen begonnen. Bisher konnten insgesamt 75 Friedhöfe (von knapp 350) in Hessen mit rund 18.000 Grabinschriften bearbeitet werden, darunter auch der jüdische Friedhof an der »Schönen Aussicht« in Wiesbaden. Es handelt sich um alte Friedhöfe, die noch Grabsteine aus der Zeit vor 1800 aufweisen. Die Grabsteine wurden fotografiert, die Inschriften abgeschrieben, übersetzt und durch weiterführende genealogische Angaben aus anderen Quellen, vor allem aus den erhaltenen Sterberegistern des 19. Jahrhunderts, ergänzt. Daneben wurden zu den größeren Friedhöfen Lagepläne gefertigt. Derzeit werden die Ergebnisse über das Informationssystem LAGIS des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.

Ein neues Projekt, das die Synagogen in Hessen im Zusammenhang lexikalisch erfassen soll, wurde 2008 begonnen.

Die Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen zählt rund 70 Mitglieder, die sich mit der Geschichte der Juden in Hessen in einem größeren regionalen Rahmen befassen. Daneben wird ein besonderes Augenmerk auf die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen gelegt: die Historischen Kommissionen, die hessischen Staatsarchive, das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde, das Jüdische Museum Frankfurt und das Fritz Bauer-Institut in Frankfurt. Großer Wert wird aber auch den Kontakten zur lokalen »Basis« beigemessen, die in den letzten Jahren Hervorragendes geleistet hat.

Verweis