Die freie Szene steht unter einem enormen Druck
Kulturbeirat veröffentlicht Faktenbasis zur Finanzlage der kommunalen Kultur.
In der ersten Sitzung im neuen Jahr wurden im Kulturbeirat eine Vision für ein Tanzhaus in Wiesbaden und ein positiver Erfahrungsbericht für die an verschiedenen Standorten platzierte „Infobox Kultur“ vorgestellt. Zudem hat der Beirat über die Lage der kommunalen Kultur und den Planungsstand zur Walhalla-Immobilie in der Innenstadt debattiert.
Mit Rückblick auf die Haushalte der vergangenen drei Jahre hat der Beirat unter Berücksichtigung der Entwicklung des hessischen Verbraucherpreisindexes auf den Abwärtstrend bei den realen Kulturausgaben hingewiesen. Das ist das Ergebnis einer vom Kulturbeirat veranlassten Auswertung von Datenerhebungen des Kulturamts für die Jahre 2019, 2023, 2024 und 2025. „Wir bekräftigen unser Ergebnis aus den Haushaltsberatungen“, merkt Dr. Helmut Müller, Vorsitzender des Beirats an. „Es gibt unterschiedliche Bewertungen, aber über die Zahlen besteht Einverständnis zwischen Magistrat und Kulturbeirat. Aus ihnen geht eindeutig hervor, dass die Entwicklung der letzten Jahre einen enormen Druck auf die freie Szene erzeugt.“ Die stellvertretende Vorsitzende des Beirats, Dorothée Rhiemeier ergänzt: „Mit den von uns veröffentlichten Erkenntnissen geht auch ein Appell einher. Wir müssen, wenn wir eine aufrichtige Debatte führen wollen, diese auf Grundlage einer gemeinsamen Faktenbasis führen. Mit den vom Kulturamt erhobenen Daten gibt es bereits eine sehr gute empirische Basis. Wir empfehlen allen am Diskurs beteiligten, sich auf diese zu beziehen.“
Zur Walhalla-Immobilie stellten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Projektleitern Vanessa Remy den aktuellen Planungsstand vor. Demnach sollen nun Teile des Baus vorab eines Ausführungsbeschlusses vorgezogen werden, um weitere Erkenntnisse über Bausubstanz und damit verbundene Kostenfragen zu erhalten. Die geschätzten Kosten haben sich von ursprünglich 49,2 Millionen Euro auf derzeit rund 70 Millionen erhöht. Bisher sind bereits 7,5 Millionen Euro an Verbindlichkeiten entstanden. Die Anwesenden bekräftigen die bereits vom Kulturbeirat formulierte Haltung, dass ein Beschluss für die Sanierung nur dann getroffen werden kann, wenn die dafür notwendigen Mittel dem Kulturhaushalt zugesetzt werden. „Ich freue mich darüber, dass zwischen Magistrat und Kulturbeirat Einigkeit besteht, dass das Kulturprojekt Walhalla nicht aus bestehendem Kulturetat der Stadt bestritten werden kann“, schließt Dr. Müller ab.