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Fuchs, Franz

Fuchs, Franz

Gewerkschafter, Stadtverordnetenvorsteher, Landtagspräsident

geboren: 28.11.1894 in Neusattl (Sudetenland)

gestorben: 10.06.1981 in Wiesbaden


Artikel

Franz Fuchs verbrachte seine Kindheit in Wirges im Westerwald. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er den Kaufmannsberuf, den er bis in den Ersten Weltkrieg ausübte.

Zwischen 1916 und 1918 musste Fuchs Kriegsdienst leisten. Bereits 1912 war er der SPD und der Gewerkschaftsbewegung beigetreten. Mit Entstehung der demokratischen Weimarer Republik entschloss sich Fuchs, an der Neuordnung der politischen Verhältnisse aktiv mitzuwirken. Zunächst hatte er maßgeblichen Anteil am Aufbau der Gewerkschaften im damaligen Unterwesterwaldkreis, ehe er 1921 als Gewerkschaftssekretär nach Worms berufen wurde. Dort folgte er 1928 Heinrich Zinnkann als Leiter der Rechtsstelle des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes nach. Zur selben Zeit begann er sich auch parteipolitisch zu engagieren, zunächst als Mitglied des Stadtrats in Worms.

Mit der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten wurde er aus seinen Ämtern entlassen und sah sich der Verfolgung durch SA und Gestapo ausgesetzt. Nach seiner Entlassung aus dem KZ Osthofen im März 1933 zog Fuchs noch im Oktober desselben Jahres nach Wiesbaden, um den Verfolgungsdruck zu verringern. Da er als politisch unzuverlässig galt, verweigerten ihm die Machthaber die Erlaubnis zu einer Berufsausübung. Erst 1939 war es Fuchs gestattet, in einer untergeordneten Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter zu arbeiten.

Unmittelbar nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft setzte sich Fuchs für den demokratischen Neubeginn ein. Kommunalpolitisch wirkte er für die SPD zunächst im Wiesbadener Aufbau-Ausschuss und dann im Bürgerausschuss. Zwischen 1946 und 1964 gehörte Fuchs der Stadtverordnetenversammlung an, davon acht Jahre bis zu seinem Ausscheiden in der Funktion des Stadtverordnetenvorstehers.

Beruflich trat Fuchs im August 1945 in den öffentlichen Dienst ein. Von der Tätigkeit eines Referenten beim Oberversicherungsamt Wiesbaden und dann als Personaldezernent beim Bezirkskommunalverband Wiesbaden stieg er binnen weniger Jahre zum Landesrat beim Landeswohlfahrtsverband Hessen auf.

1954 wechselte Fuchs in die hessische Landespolitik. Bis 1966 war er Mitglied des Hessischen Landtags. Dort trat er 1962 mit Beginn der 5. Legislaturperiode abermals die Nachfolge von Heinrich Zinnkann an, dieses Mal im Amt des Landtagspräsidenten.

Nach seinem Ausscheiden aus den politischen Gremien 1966 bis zu seinem Tod 1981 engagierte sich Franz Fuchs ehrenamtlich für gesellschaftspolitische und kulturelle Belange. Aufgrund dieses unermüdlichen Einsatzes, aber auch wegen seiner Persönlichkeit wurde er parteiübergreifend anerkannt und verehrt. Diese Wertschätzung drückte sich in der Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Plakette und des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland aus. Die Landeshauptstadt Wiesbaden würdigte Fuchs’ Verdienste mit ihrer Ehrenplakette und der Ernennung zu ihrem Ehrenbürger.

Literatur