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Stadtlexikon Wiesbaden

Landesbibliothek

Die Landesbibliothek wurde 1813 als „Herzoglich Nassauische Öffentliche Bibliothek“ gegründet. Nach ihrem Zusammenschluss mit der Bibliothek der Hochschule RheinMain 2011 bildet sie heute die Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain.

Details

Die Bibliothek wurde 1813 als „Herzoglich Nassauische Öffentliche Bibliothek“ von der nassauischen Regierung gegründet. 1814 erhielt die Bibliothek das Recht auf Pflichtexemplare für Nassau. Grundstock der Sammlung bildete die Fürstliche Handbibliothek im Schloss Biebrich sowie die Regierungsbibliothek von Nassau-Usingen (gegr. 1730). Bis 1822 gelangten Teile der in der Säkularisation aufgehobenen nassauischen Klosterbibliotheken (Eberbach, Hadamar, Rommersdorf, Sayn, Schönau, Marienstatt) in die Bibliothek, außerdem ein Großteil der Bibliothek der (Reformierten) Hohen Schule zu Herborn. Ein gewisser Sammlungsschwerpunkt entstand im 19. Jahrhundert in der Balneologie.

Mit der Annexion Nassaus durch Preußen wurde die Bibliothek 1866 zur „Königlichen Bibliothek Wiesbaden“. Am 1. April 1900 ging sie in die Verwaltung der Stadt Wiesbaden über und firmierte nun unter dem Namen „Nassauische Landesbibliothek“. Der damals mehrfach vorgeschlagene Name „Städtische Bibliothek“ konnte sich nicht durchsetzen und wurde nur während des Ersten Weltkriegs vorübergehend verwendet. 1938 wurde der Bezirksverband für den Regierungsbezirk Wiesbaden (Bezirkskommunalverband Wiesbaden) Träger der Bibliothek; mit der Integration in diese vom Nationalsozialismus stark geprägte Verwaltungsstruktur verlor das Haus vorübergehend seine wissenschaftliche Freiheit und damit seinen Rang als intellektueller Anziehungspunkt in Stadt und Region. 1953 übernahm das neue Bundesland Hessen die Trägerschaft.

1942 und 1943 wurden die kostbarsten Handschriften, darunter auch der Rupertsberger „Scivias“-Codex der Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert), nach Dresden ausgelagert; sie sind dort um die Jahreswende 1945/46 verschollen. Abgesehen von diesem empfindlichen Verlust überstand die Bibliothek die Kriegshandlungen weitgehend unversehrt und erlebte in der langen Epoche unter der Leitung von Franz Götting eine neue Blütezeit.

Die von 1963 bis 2011 als „Hessische Landesbibliothek“ bekannte Bibliothek wurde 2011 in die Hochschule RheinMain integriert und bildet heute zusammen mit der früheren Fachhochschulbibliothek die „Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain“. Sie fungiert weiterhin als wissenschaftliche Universalbibliothek mit einem Schwerpunkt beim regionalen Schrifttum, versorgt aber auch die Studierenden mit Grundlagenliteratur.

Die so genannte Nassovica-Sammlung (ca. 55.000 Titel, darunter ein beträchtlicher Teil Wiesbaden-Literatur) bildet mit ihren oft sehr seltenen Monographien, Zeitschriften, Zeitungen und Karten aus fünf Jahrhunderten das Herz der Bibliothek und wird laufend erweitert – inzwischen auch durch elektronische Medien. Derzeit werden insgesamt in der Bibliothek etwa 815.000 Bände, darunter 442 Handschriften und 445 Inkunabeln, vorgehalten, von denen der „Riesencodex“ der Hildegard von Bingen besonders zu erwähnen ist. Im Jahre 2004 wurde die „Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken“ (bis dahin: „Staatliche Büchereistelle“) als Abteilung integriert. Die Bibliothek war zunächst im Alten Schloss untergebracht, bevor sie 1821 in das Erbprinzenpalais in der Wilhelmstraße umzog. Seit 1913 hat sie ihren Standort in der Rheinstraße.

Direktor(inn)en der Landesbibliothek seit 1813

Helfrich Bernhard Hundeshagen 1813–1817
Ernst Gerhard Pagenstecher 1818
Johannes Ignaz Weitzel 1821–1837
Johannes Ludwig Koch 1837–1850
Joachim Dietrich Gottfried Seebode 1851–1867
Carl Ebenau 1867–1876
Antonius van der Linde 1876–1894
Johannes Franke 1895–1899
Erich Liesegang 1899–1929
Gottfried Zedler 1929–1933
Paul Henrici 1933–1934
Richard Sander 1935–1938
Carl Sommer, Otto Schmitz 1938–1940
Gustav Struck 1940–1945
Franz Götting 1945–1970
Helmut Schwitzgebel 1971–1988
Dieter Wolf 1990–2002
Marianne Dörr 2002–2008

Literatur





Verweise