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Nassauisches Landesdenkmal

1909 konnte das vom Bildhauer Fritz Gerth entworfene Nassauische Landesdenkmal auf der Allee zwischen Biebrich und Wiesbaden eingeweiht werden.

Details

In den 1890er-Jahren war in verschiedenen Orten des früheren Herzogtums Nassau die Idee entstanden, dem letzten regierenden Landesherrn, Herzog Adolf von Nassau, ein Denkmal zu widmen. Damals war die Erinnerung an die nassauische Vergangenheit wieder in das Bewusstsein der Menschen gerückt.

Zur Verwirklichung der Idee bildeten sich in Biebrich und Wiesbaden zwei Komitees. Dass man dem ehemaligen Landesherrn ein Denkmal setzen wollte, darin waren sich alle einig, nur wo es seinen Standort finden sollte, darüber konnte man sich nicht verständigen. Die Wiesbadener plädierten für Wiesbaden als die ehemalige Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums, die Biebricher machten sich für ihre Stadt stark, da der Herzog am 24. Juli 1817 im Schloss Biebrich zur Welt gekommen war.

Erst der Tod des Herzogs am 17. November 1905 brachte die Parteien zusammen. Ende 1905 fand die Vereinigung zu einem gemeinsamen Denkmalkomitee statt. Im Februar 1906 fasste man den Beschluss, dass das Denkmal an der Allee von Biebrich nach Wiesbaden errichtet werden sollte. Zwischenzeitlich war die Idee, ein persönliches Denkmal für den ehemaligen Landesherrn aufzustellen, zugunsten eines allgemeinen Landesdenkmals abgeändert worden, das an das gesamte nassauische Fürstenhaus und seine Vergangenheit erinnern sollte.

Das neue Denkmalkomitee hatte nun die Aufgabe, die notwendigen Geldmittel zu beschaffen. Jede Kommune und jeder Landkreis sah es damals als eine besondere Ehre an, für das Denkmal zu spenden. Die Gesamtkosten von 130.856 Mark konnten so vollständig durch Spenden aus dem Nassauer Land abgedeckt werden.

Der in Berlin lebende Bildhauer Fritz Gerth, ein gebürtiger Wiesbadener, war mit dem Entwurf des Denkmals beauftragt worden. Man hatte gehofft, bereits im Juli 1908 die Einweihung vornehmen zu können, doch musste man den Termin immer wieder verschieben. Schließlich war es am 26. Oktober 1909 soweit.

In Anwesenheit von Erbgroßherzogin Marie Adelheid - Großherzogin von Luxemburg von 1912 bis 1919 -, und Prinzessin Charlotte von Luxemburg - Großherzogin von 1919 bis 1964 -, der Enkelinnen Herzog Adolfs, sowie von Prinz August Wilhelm von Preußen als Vertreter von Kaiser Wilhelm II. konnte die Einweihung stattfinden. Zum allgemeinen Bedauern hatten Großherzogin Adelheid Marie, die Witwe Herzog Adolfs, seine Schwiegertochter Maria Anna sowie seine Tochter Hilda, die Großherzogin von Baden, ihre Teilnahme abgesagt.

Zum letzten Mal wurde die nassauische Fahne über der Rotunde des Biebricher Schlosses aufgezogen, noch einmal wurde dort nach der Denkmalseinweihung ein glanzvoller Empfang gegeben.

Die Feier wurde von Gesangsdarbietungen umrahmt. Nach der Enthüllung erfolgte die Übergabe an die Stadt Biebrich. Oberbürgermeister Rudolf Vogt nahm das Denkmal feierlich in die Obhut der Stadt.

Das Denkmal umfasst mit seinem Grundriss etwa 1100 Quadratmeter. Es besteht aus einem Unterbau von etwa sieben Metern Höhe, auf dem sich ein acht Meter hoher Obelisk erhebt, der der vier Meter hohen Porträtfigur des Herzogs als Hintergrund dient. Die Gesamthöhe beträgt also 15 Meter. Unterbau und Obelisk sind aus Odenwälder Granit, alle Figuren aus Bronze gefertigt.

Auf einem aus der Basis des Obelisken vorspringenden Postament steht das überlebensgroße Standbild des Herzogs. Herzog Adolf ist in nassauischer Generalsuniform dargestellt, etwa im Alter von 50 Jahren. Die linke Hand ist auf den Säbel gestützt, mit dem Daumen der rechten hält er einen Knopf seines Rocks. Das rechte Bein ist etwas vorgestellt. Hinter ihm liegt, über ein Postament leicht hingeworfen, der Mantel. Die eigentliche Basis des Obelisken wird auf drei Seiten von einem Fries umgeben, dessen lebensgroße Figuren eine Huldigung des nassauischen Volkes in verschiedenen Trachten sowie auch der nassauischen Soldaten in verschiedenen Uniformen symbolisieren. Erkennen kann man eine junge Frau in der Usinger Tracht, einen Bauernburschen aus dem Taunus, Westerwälder Bauern und eine schlichte Bäuerin aus dem Goldenen Grund. Die Rückseite des Denkmals zeigt eine Idealfigur, die Fama, die den Ruhm des Landes verkündet. Zu ihren Füßen sitzen zwei weibliche Gestalten: die Liebe und die Treue. Als künstlerischen Abschluss des Unterbaus hat der Bildhauer noch einen gewaltigen nassauischen Löwen gestaltet. Auf der Futtermauer ist das nassauische Wappen zu erkennen. Die Widmung auf der Vorderseite lautet: „Adolph - Herzog zu Nassau 1817-1905"; diejenige auf der Rückseite: „Dem Nassauischen Fürstenhaus in Liebe und Verehrung. Das dankbare Volk 1909." Das Landesdenkmal hat die beiden Weltkriege überstanden. Man hatte zwar das Denkmal und die Friese am Ende des Zweiten Weltkrieges entfernt, um sie in eine Gießerei zu bringen und einschmelzen zu lassen, doch konnten sie gerettet werden. Auch die Besatzungstruppen haben es nicht angetastet.

Heute hat das Landesdenkmal eine neue Bedeutung erlangt. Auf Anregung des Luxemburger Freundeskreises Rhein-Main e.V. ist die Inschrift „Adolph Herzog zu Nassau 1817-1905" 1985 ergänzt worden durch „Großherzog von Luxemburg 1890-1905". Damit ist aus dem Nassauischen Landesdenkmal ein Monument geworden, das auf die europäische Dimension des Hauses Nassau und seiner Geschichte hinweist.

Literatur

Landesdenkmal an der Biebricher Allee, 2005 wiesbaden.de/ Stadtarchiv Wiesbaden, F000-9526, Urheber: Saskia Steltner
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