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Schlosspark Biebrich

Der Schlosspark Biebrich gehört zu den größten und schönsten Parkanlagen Wiesbadens. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde mit seiner Anlage, zunächst als kleiner Ziergarten, begonnen.

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Die Geschichte des Schlossparks Biebrich ist untrennbar mit der Geschichte von Schloss Biebrich verbunden. Wie dessen Baugeschichte verlief die Entwicklung des Parks in mehreren Etappen. Im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts entstand ein kleiner barocker Ziergarten nördlich der beiden, durch eine Balustrade verbundenen Pavillons. Etwa zweieinhalb Morgen groß, bestand er im Wesentlichen aus geometrisch geformten, von geschnittenen Buchsbaumhecken umgebenen Blumenbeeten.

Unter Maximilian von Welsch wurde dieser Garten zwischen 1709 und 1719/20 auf etwa 28 Morgen (ca. 7 ha) erweitert. Das gesamte Terrain wurde tiefer gelegt und das so entstandene Parterre als Lustgarten im französischen Stil gestaltet. Ringsum von einer Terrasse umgeben, reichte er bis zu einer im Halbrund geplanten Orangerie im Norden. Eine 1708 errichtete große Fontäne bildete den Höhe- und Mittelpunkt des Gartens. Unmittelbar hinter der Orangerie und auf dem Gelände westlich des Lustgartens erstreckte sich der „untere Garten“ in Form von so genannten Bosketten, die barockem Zeitgeschmack entsprechend einen Irrgarten und ein Heckentheater bargen. Nördlich der Boskette hinter der Orangerie setzte die „Dicke Allee“, eine Kastanienallee, an, die bereits 1712 in der von der Rotunde ausgehenden Mittelachse des Schlosses angelegt worden war. Rund 900 Meter lang und außerhalb des Gartenterrains gelegen, verband sie das Schloss mit der mittelalterlichen Wasserburg in dem benachbarten Ort Mosbach. Zudem wurden auf dem Gelände westlich des Gartenparterres ein Küchen- und Obstgarten angelegt und östlich der nördlichen Boskette ein Treibhaus mit Garten.

Unter Friedrich Joachim Stengel, 1733 als Nachfolger Maximilian von Welschs berufen, wurde der Garten umgestaltet und erweitert. Stengel ließ 1740 den bereits vollendeten östlichen Flügel der Orangerie abtragen und in der Verlängerung der neu erbauten Schlossflügel kleinere Kastanienalleen anlegen. Die Hauptachse führte vom Schloss zu einem Rondell mit der großen Fontäne und lief nach Norden sternförmig auseinander. Die „Dicke Allee“ bildete nach wie vor die Fortsetzung der Hauptachse außerhalb des Gartens. Der erweiterte und umgestaltete Lustgarten war nun im Westen und Norden von einem Wasserkanal umgeben, der durch den Mosbach gespeist wurde und mit Kähnen zu befahren war.

Nachdem unter der Regierung Karl Wilhelms Fürst zu Nassau-Usingen (1775-1803) die barocke Gartenanlage durch französische Revolutionstruppen verwüstet worden war, ließ dessen Bruder Fürst Friedrich August, seit 1806 Herzog von Nassau-Usingen, in seiner Regierungszeit (1803-1816) den Garten wieder herrichten. Durch Grundstücksankäufe wurde das Gartengelände auf über 200 Morgen (ca. 50 ha) erweitert. Hofbaumeister Carl Florian Goetz legte nun auf dem Terrain des barocken Lustgartens zeitgemäße Schlängelwege an. Von 1805/06 bis 1816 baute er die alte Burg aufwändig zu einer mittelalterlich anmutenden romantischen Wohnburg, der Mosburg um, in der Friedrich August mit besonderer Vorliebe wohnte.

Einschneidende Veränderungen erfuhr der Park schließlich unter Herzog Wilhelm von Nassau-Weilburg (1816-1839). Er beauftragte Friedrich Ludwig von Sckell mit der Umgestaltung des gesamten Geländes zwischen Schloss und Mosburg. Nach dessen Plänen entstand in den Jahren 1817 bis 1823 ein weitläufiger englischer Landschaftsgarten. Malerisches und neu geschaffenes zentrales Motiv war und ist bis heute die von der Rotunde aus nach Norden angelegte Sichtschneise westlich der barocken Mittelachse. Dieses Wiesental wird gerahmt von sich schlängelnden baumbestandenen Wegen. „Dicke Allee“, Mosburg und neu ausgehobener Mosburgweiher wurden geschickt integriert. 1826 fand die Maßnahme mit dem Bau des nördlichen Tores und des Aufseherhauses von Friedrich Ludwig Schrumpf ihren Abschluss.

1839 trat Herzog Adolf von Nassau die Nachfolge seines Vater Wilhelm an. Er nutzte das Schloss als Residenz für die Sommermonate und schenkte dem Park seine ganze Aufmerksamkeit. Zwischen 1845 und 1848 ließ er durch den Architekten Robert Jahn am Ostrand des Parks eine große Gewächshausanlage mit Palmenhaus und Wintergarten erbauen. Die fünfschiffige Schauhausgruppe, eine moderne Glas-Eisen-Konstruktion, wurde noch zweimal, 1854 und 1861, beträchtlich erweitert. Auch der südwestliche Bereich des Parks wurde neu konzipiert. Hier hatte bereits von Sckell einen kleinen See angelegt. Die Umgestaltung des Bereichs nördlich der Rotunde zwischen den beiden Flügeln beruhte auf einer Idee des Architekten Richard Goerz. 1851 wurden die beiden Fontänenbrunnen nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers Emil Alexander Hopfgarten geschaffen und an Stelle der alten Fontänenbecken von Welschs aufgestellt. Die große, 1995 rekonstruierte Fontäne blieb damals erhalten.

Die Vorliebe des Herzogs galt exotischen Bäumen und Pflanzen sowie seltenen Blumen. Unter Gartendirektor Carl Friedrich Thelemann wurden ungefähr 190 verschiedene Baumsorten gepflanzt, von denen heute noch ca. 90 vorhanden sind. Zur Zeit Herzog Adolfs erlebte der Schlosspark seine letzte Blüte. Großen Erfolg bescherten die drei prachtvollen Blumen- und Pflanzenausstellungen in den architektonisch dekorativen Herzoglich Nassauischen Wintergärten, die auch dem Publikum offen standen.

Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen veräußerte Adolf 1868 seine berühmten Biebricher Treibhäuser mit über 20.000 verschiedenen Gewächsen an die neu gegründete Palmengartengesellschaft in Frankfurt a. M., die mit diesem Erwerb den Grundstock für den Palmengarten legte. Der Park verblieb in Adolfs Besitz und verwilderte. 1934 an den preußischen Staat verkauft, ist der Schlosspark heute Besitz des Landes Hessen. Verwaltet und gärtnerisch gepflegt wird er vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen. Seit den 1950er-Jahren findet jährlich das Internationale Pfingstturnier des Wiesbadener Reit- & Fahrclubs e.V. im Park statt.

Die Mosburg, als „Scheinruine“ erbaut, auf einer Halbinsel im später geschaffenen Mosburgweiher (1818-1823) gelegen und ursprünglich mit einem eigenen Burggarten versehen, wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs auf mannigfaltige Weise genutzt. Herzog Friedrich August hatte sie mit originalen mittelalterlichen Kunstgegenständen und großer Liebe zum Detail prächtig ausstatten lassen. So ließ er Grabplatten der Grafen von Katzenelnbogen aus dem aufgelösten Zisterzienserkloster Eberbach als Torwächter aufstellen. Primär privates Refugium des Herzogs, bildete sie ebenso den glanzvollen Rahmen für gesellschaftliche Empfänge und fürstliche Feste.

Unter Herzog Adolf diente die Mosburg von ca. 1849 bis 1856 dem bedeutenden Berliner Bildhauer Emil Alexander Hopfgarten als Atelier. Hier entstanden u.a. der Sarkophag der Herzogin Elisabeth Michailowna für die Russische Kapelle sowie Figuren für die St. Bonifatiuskirche und die Christus- und Evangelistengruppe für die Marktkirche. Nach Hopfgartens frühem Tod konnten seine Arbeiten und Modelle noch bis 1874 im Saal der Mosburg besichtigt werden.

Bei Spaziergängen mit Herzog Adolf im Schlosspark im Jahre 1862 entdeckte Richard Wagner die idyllische Scheinruine als möglichen Wohn- und Schaffensort. Seinem Wunsch, diese zu beziehen, gab Adolf allerdings nicht nach.

Ab 1909 beherbergte der große Saal der Mosburg das neu gegründete Heimatmuseum Biebrich (Heimatmuseen), das während des Zweiten Weltkriegs ausgeplündert und schließlich aufgelöst wurde. Die Burg selbst verfiel in kürzester Zeit, da eindringende Feuchtigkeit die Holzkonstruktionen der flach geneigten Dächer zerstörte. Wie der Schlosspark ist die Ruine der Mosburg im Besitz des Landes Hessen und wird vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen zur Zeit in mehreren Bauabschnitten nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert.

Literatur

Verwaltet wird das Schloss sowie der Schlosspark Biebrich vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen.


Blick vom Schloss Biebrich in den Park. wiesbaden.de/ Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Urheber: Ch. Krienke
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