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Zimmermann’sche Stiftung

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten die Geschwister Zimmermann ein „Versorgungshaus für alte Leute“, das den Namen „Zimmermann’sche Stiftung“ erhielt. Schnell stieg die Zahl der Bewohner und 1893 konnte ein Haus errichtet werden, das 80 Bewohner beherbergte.

Details

Als Ergänzung zu den bestehenden öffentlichen Einrichtungen zur Armenfürsorge gründeten die Geschwister Elisabeth und Philipp Zimmermann mit ihrer Einlage von je 1.000 Gulden 1852 das zunächst nur aus einem angemieteten Zimmer bestehende ,,Versorgungshaus für alte Leute’’.

Zustiftungen Wiesbadener Bürger machten es bald schon möglich, in der Adlerstraße eine Wohnung zu beziehen, in der vier alte Frauen Unterkunft fanden. Als sich 1856 auch die Stadt Wiesbaden engagierte, konnte die ,,Zimmermann’sche Stiftung’’ in der Dotzheimer Straße in Höhe der Zimmermannstraße, die von den Gründern des Stifts ihren Namen erhielt, ein eigenes Gebäude errichten, das zunächst 24 Personen und nach einer Erweiterung (1869) 40 Männern und Frauen Platz bot.

Das Wachsen der Stadt bewirkte eine derartige Wertsteigerung des Grundstücks, dass sein Verkauf einen Neubau für nun 80 ,,Pfründner’’ genannte Heimbewohner ermöglichte. Dieses vom Architekten Alfred Schellenberg errichtete und 1893 eröffnete Haus befand sich in der Schiersteiner Straße 38.

Aufgenommen in das Stift wurden Männer und Frauen, die mindestens fünfzig Jahre alt sein mussten; da neben dem Verwalter und seiner Frau kein Personal zur Betreuung vorhanden war, besorgten die Frauen Küche und Wäsche während sich die Männer im großen Garten um Obst und Gemüse zu kümmern hatten. Mit Hilfe dieser Beschäftigungstherapie und einer strengen Hausordnung wollte man auch für Disziplin sorgen, denn man hielt viele der Bewohner des Heims für ,,schlechte Elemente’’, die ihre Lage durch ,,ungeregeltes Leben’’ selbst verschuldet hätten. Der ,,Inspektor’’ genannte Heimleiter und seine Frau waren deshalb angewiesen, ,,mit unvermeidlicher Strenge’’ zu walten. Wegen des Mangels an Pflegepersonal wurden erkrankte Personen in das städtische Krankenhaus überwiesen.

Durch weitere Zuwendungen aus der Wiesbadener Bürgerschaft und aufgrund des Engagements der Stadt konnte die Zimmermannstiftung ein beträchtliches Vermögen ansammeln. Hervorzuheben als Stifter ist der Buchhändler Christian Wilhelm Kreidel, aus dessen Nachlass in der Walkmühlstraße die ,,Kreidelstiftung’’ entstand.

In dem neu errichteten Heim fanden nach dem Willen des Eblassers ,,gebildete, aber weniger bemittelte Greise’’ Aufnahme. Das aus dem Vermächtnis von Rudolf Julius Mathias Ganzenmüller stammende ,,Karoline-Sabine-Stift’’ war ebenfalls für gebildete Personen gedacht und befand sich in der Stiftstraße.

Eine bedeutende Zuwendung stammte auch von Theodore von Knoop, die im Andenken an ihren verstorbenen Sohn unter anderem das ,,Theodorenhaus’’ in Eppenhain finanzierte. Es diente armen Näherinnen als Sommerfrische. Alle diese Einrichtungen waren in die Zimmermannstiftung integriert.

1914 wurde der Wert der Gebäude der Zimmermannstiftung samt ihrer Einrichtung auf 340.000 Mark taxiert, Papiere im Wert von 184.000 Mark kamen noch hinzu. Dem ehrenamtlich tätigen Verwaltungsrat ist es gelungen. das Vermögen weitgehend unbeschadet durch die Kriegs- und Nachkriegszeit zu steuern.

Direkt nach ihrer Machtübernahme, „schalteten’’ die Nationalsozialisten den Verwaltungsrat ,,gleich’’, führten das Führerprinzip ein und entfernten aus der Verwaltung die ihnen nicht genehmen Personen. Später durften Juden nicht mehr in die Heime aufgenommen werden.

Der direkt nach dem Krieg neu installierte Verwaltungsrat fand nur noch Reste des ehemaligen Vermögens vor. Das Heim in der Walkmühlstraße war fast gänzlich ausgebombt. Das ,,Theodorenhaus’’ war verkauft worden und der Erlös wie auch das frühere Bar- und Wertpapiervermögen in nun wertlos gewordene Kriegsanleihen und Reichsschatzanweisungen investiert worden.

Um sie im Sinne der Stifter weiterzuführen, übernahm die Stadt Wiesbaden 1972 die drei Häuser, deren Wert zu diesem Zeitpunkt mit mehr als 3 Millionen DM beziffert wurde. Im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus entstanden 1979 auf dem Gelände des an das Haus Schiersteiner Straße grenzenden ehemaligen Gartens in der Wolfram-von-Eschenbach-Straße Wohnungen, die nach sozialen Gesichtspunkten an ältere Personen vermietet werden.

1986 wurde das 1893 von Alfred Schellenberg errichtet Gebäude niedergelegt und hier ein Erweiterungsbau hochgezogen. Die Wohnanlage Zimmermannstift, die zur Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft der Stadt Wiesbaden gehört, umfasst somit 123 Wohnungen. Das Haus Kreidelstiftung wurde alsbald nach Kriegsende wieder aufgebaut, später aber verkauft. Das Haus in der Stiftstraße 11 gehört jetzt zum stadteigenen ,,WIM Liegenschaftsfonds’’. Die Wohnungen werden nach Maßgabe des Mietspiegels vergeben.

Literatur