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Gitter, Hermann

Bankdirektor, ehrenamtliches Magistratsmitglied
geboren: 30. September 1900 in Wiesbaden
gestorben: 15. Februar 1960 ebenda


Artikel

Hermann Gitter besuchte die Mittelschule in Wiesbaden und schloss diese mit dem Einjährigen-Examen im Jahr 1916 ab. Im Anschluss absolvierte Gitter eine Lehre zum Bankkaufmann bei der Bank für Handel und Industrie in Wiesbaden. Bei dieser Bank und ihren Nachfolgeinstitutionen (Darmstädter und Nationalbank, Rhein-Main-Bank und schließlich Dresdner Bank) war Gitter bis zu seinem Tod im Jahr 1960 tätig.

Nach seiner Lehre war er in der Abteilung »Emission, Konvertierung, Effekten, Depotbuchhaltung Kuponkasse« angestellt. Im Jahr 1932 arbeitete Gitter dann im Sekretariat der Bank. 1934 wurde er Leiter des Sekretariats und erhielt Handlungsvollmacht. 1939 erhielt der Bankkaufmann die erweiterte Vollmacht.

Die Geschäftsakten von Gitters Filiale, insbesondere die Korrespondenz mit Kunden und der Dresdner-Bank-Filiale in Straßburg, zeigen, dass Gitter Einblick in die »Arisierungsgeschäfte« der Bankkunden hatte, etwa die des Wiesbadener Kaufmanns Franz Franke. Franke betrieb in Wiesbaden mehrere Ladengeschäfte für Küchenbedarf und beabsichtigte im von Deutschland annektierten Elsass eine weitere Filiale zu eröffnen. Durch den Briefwechsel wird deutlich, dass Franke im Jahr 1935 das Geschäft von Berthold Fürst in der Wiesbadener Neugasse »arisiert« hatte. Diese »Arisierung« wurde von der Dresdner Bank in Wiesbaden durch einen Kredit finanziert. Die Bank gewährte Franke 1938 erneut Kredit, damit der Kaufmann das »Kaufhaus des Westens« des jüdischen Händlers Siegfried Kahn in der Wiesbadener Wellritzstraße 45 erwerben konnte. Gitter war an diesen Vorgängen nicht beteiligt.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Gitter 1940 eingezogen und leistete bis zu seiner Gefangennahme im Jahr 1945 Kriegsdienst. Im Mai 1945 konnte Gitter nach Wiesbaden zurückkehren und nahm erneut eine Stelle bei der Dresdner Bank an. Gitter trat der wiederbegründeten SPD bei. Der amerikanischen Besatzungsverwaltung galt er als unbelastet. Gitter wurde 1945 in eine Kommission berufen, die entschied, welche Mitarbeiter der Wiesbadener Banken als politisch unbelastet galten Im Januar 1946 erhielt Gitter Prokura, ein Jahr später wurde er zum stellvertretenden Direktor seiner Bank ernannt. Im Jahr 1948 wurde Gitter schließlich Direktor und Mitleiter des Finanzinstituts.

Ab 1946 war Gitter Mitglied des Wiesbadener Magistrats für die SPD als ehrenamtlicher Stadtrat. Daneben war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen und Kuratorien. Zudem war er Aufsichtsrat bei der Stadtwerke Wiesbaden AG, der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG und der Gemeinnützigen Wiesbadener Wohnbau GmbH sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Conditorei-, Café- und Hotelbetriebsgesellschaft Otty Blum GmbH. Hinzu kamen auch Präsidialmitgliedschaften.

1969 wurde eine Straße im Stadtteil Rheingauviertel/Hollerborn nach ihm benannt.

Literatur