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Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW)

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Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) beliefert als regionaler Energieversorger die Städte Mainz und Wiesbaden mit Gas und Strom. Sie entstand 1931 aus der Fusion der städtischen Gas- und Elektrizitätswerke auf der Ingelheimer Aue in Mainz und an der Mainzer Straße in Wiesbaden. An dieser Aktiengesellschaft mit Sitz in Mainz sind die Stadtwerke von Mainz und Wiesbaden je zur Hälfte beteiligt. Das Unternehmen hat etwa 400 Beschäftigte.

Die KMW konzentrierte ihre Stromproduktion in Mainz auf der Ingelheimer Aue und nahm dort 1958, 1963 und 1966 die drei neuen Kohleblöcke des »Kraftwerks 1« mit einer Kapazität von zusammen 300 Megawatt (MW) in Betrieb. 1977 ging am gleichen Standort mit der gleichen Kapazität das »Kraftwerk 2« ans Netz, ein Kombinationskraftwerk auf Erdöl- und Erdgasverbrennungsgrundlage, das tatsächlich überwiegend auf Gasbasis betrieben wurde. Das Kraftwerk 1 mit seinen Kohleblöcken wurde 2000 stillgelegt. Damit war eine wesentliche Emissionsreduzierung erreicht.

1999–2001 entstand auf der Ingelheimer Aue das weltweit modernste Gas- und Dampfkraftwerk (GuD-Kraftwerk), das »Kraftwerk 3«, das gegenwärtig die Stromversorgung in Mainz und Wiesbaden im Verbund mit dem überregionalen Essener Stromversorger RWE sicherstellt. Seine Stromerzeugungskapazität von 400 MW entspricht dem Bedarf der beiden Großstädte und der vertragsverbundenen Abnehmer in der Region.

Seit der europaweiten Öffnung der Stromleitungsnetze für den allgemeinen Stromhandel plante die KMW die Errichtung eines Kohlegroßkraftwerks bis 2014 mit einer Stromerzeugungskapazität von 830 MW, mit Baukosten von 1,3 Milliarden €, um mit der weit über den Bedarf beider Städte hinausgehenden Stromproduktion an diesem Handel mit hoher Gewinnerwartung teilzunehmen. Dafür sollten als besonders billiger Brennstoff Importkohle aus Übersee über den Rhein angeliefert und das GUD-Kraftwerk nur noch als Reserve betrieben oder stillgelegt werden. Wegen der durch die geplante großtechnische Kohleverbrennung drohenden wesentlichen Vermehrung der regionalen Luftbelastung im schon teilweise hoch belasteten Ballungsraum und des außerdem damit verbundenen hohen Ausstoßes von Klimaschadgasen (geplante Emission ca. 4,63 Millionen t CO₂/Jahr, etwa doppelt so viel wie das GuD-Kraftwerk) formierte sich gegen dieses Projekt Widerstand in Bürgerinitiativen und in beiden Stadtparlamenten. Beide Städte traten dem überparteilichen Bürgerbündnis gegen den Kraftwerksbau bei. Im Genehmigungsverfahren erhoben rund 60.000 Bürgerinnen und Bürger aus Mainz und Wiesbaden sowie die Stadt Wiesbaden förmliche Einwendungen. Gleichwohl erteilten die zuständigen rheinland-pfälzischen Behörden 2009 die erforderlichen Genehmigungen und verfügten im Mai 2009 den sofortigen Vollzug der Baumaßnahmen. Auf Grund der Finanzkrise scheiterte jedoch das von der KMW verfolgte Finanzierungsmodell, weswegen sie den Bau am 28.09.2009 aussetzte. Im Juni 2012 beschloss die KMW-Hauptversammlung die endgültige Beendigung des Projektes.

Mit der Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung beim Projektentwickler ALTUS verstärkte die KMW Ende 2012 ihr Engagement auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Im Juni 2015 ging das erste KMW-Windrad in Betrieb.

Literatur

Pressemitteilungen der KMW.