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Marktkeller

Um 1900 errichtete Stadtbaumeister Felix Genzmer im Auftrag der Stadt neben dem Rathaus und der Marktkirche einen Marktkeller zur Lagerung von Waren. Die anfangs geplante Markthalle hatte nicht verwirklicht werden können. Nach jahrelangem Leerstand seit den 1970er-Jahren wurde der Marktkeller 1998 saniert. 2016 eröffnete das neue Stadtmuseum am Markt (SAM) hier seine Ausstellung zur Wiesbadener Stadtgeschichte.

Details

Aus hygienischen und Prestige-Gründen wurde seit 1893 die Errichtung einer Markthalle gefordert. Stadtbaumeister Felix Genzmer, der mit den Planungen betraut wurde, erkannte früh, dass dafür eine Unterkellerung des Marktplatzes zumindest zum Teil unerlässlich sei, „… um dortselbst Marktgeräthe (Tische, leichte Bedachungen usw.) und Aborte für die Verkäufer und Marktbesucher unterbringen zu können“. Schließlich einigte man sich auf eine Unterkellerung des gesamten Dern'schen Geländes, die von 1899 bis Ende 1901 erfolgte. Genzmer konstruierte ein Kreuzgewölbe aus gelbem Backstein ausschließlich für Lagerungszwecke. 1902 wurde auf dem Gelände der Marktbrunnen mit der markanten Schmucksäule errichtet, die auch als Belüftungsschacht dient. Der Marktkeller war in rund 100 Abteile unterteilt, die mit Eisengittern voneinander getrennt waren.

Eine Marktkellerordnung legte fest, dass keine Waren, von denen eine Geruchsbelästigung ausgehen konnte wie Fische, lebendes Geflügel, Fleisch sowie Käse, gelagert werden durften. Verboten war auch „das Anzünden von Feuer, das Tabakrauchen, Verkehr mit offenem Lichte, das Mitbringen von Hunden, alles Lärmen, Singen, Pfeifen und zweckloses Umhertreiben, sowie das Wegwerfen von Gegenständen, insbesondere Papier, Stroh, Obstschalen, Gemüseabfälle usw.“

Nach jahrzehntelangem Leerstand wurde das Gewölbe 1998 für ca. 12 Millionen DM vollständig saniert. Nachdem im Folgejahr das neu errichtete Café Lumen am Zugang zu den Kellergewölben eröffnet worden war, wurde im Marktkeller eine Kleinmarkthalle eingerichtet, in der rund 30 Stände internationale Spezialitäten, Feinkost, Lebensmittel, Blumen sowie Obst und Gemüse anboten. Mangels Nachfrage musste dieser Wochenmarkt allerdings 2007 schließen. Im Sommer 2012 erfolgte eine umfangreiche Modernisierung des nunmehr als „Marktgewölbe“ an die Betreiber des Café Lumen verpachteten Marktkeller sowie die Einrichtung einer 1.300 m2 großen Veranstaltungsfläche für Messen, Ausstellungen und Feierlichkeiten. Im September 2016 wurde das neue SAM, Stadtmuseum am Markt, im Marktkeller eröffnet.

Literatur


Verweise