Sprungmarken

Otzen, Johannes

Otzen, Johannes

Architekt

geboren: 08.10.1839 in Sieseby an der Schlei

gestorben: 08.06.1911 in Berlin


Artikel

Otzen gewann 1875 die Ausschreibung für den Bau der Wiesbadener Bergkirche, die nach seinen Plänen 1876–79 errichtet wurde. Ohne Wettbewerb erhielt er den Auftrag zur Errichtung einer dritten evangelischen Kirche in Wiesbaden mit der Auflage, diese nach dem von Emil Veesenmeyer entwickelten Wiesbadener Programm zu planen. 1892–94 wurde dieser als Ringkirche bekannt gewordene Kirchenbau ausgeführt.

Otzen hatte eine Lehre als Zimmermann sowie anschließend die Baugewerkschule und ein Studium am Polytechnikum in Hannover bei Konrad Wilhelm Hase (1818–1902) absolviert. Für den Hamburger Bauunternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn (1822–1896) entwickelte er repräsentative Villenkolonien bei Hamburg und Berlin. 1878 wurde Otzen Dozent an der neu gegründeten TH Charlottenburg, die ihn 1891 zum Professor ernannte.

1885 wechselte er an die Preußische Akademie der Künste in Berlin, wo er Architekturstudenten ausbildete und 1904–07 das Amt des Präsidenten wahrnahm. 1888 wurde er Geheimer Regierungsrat. Seit 1874 selbstständiger Architekt, wurde er zu einem der bedeutendsten Kirchenbaumeister seiner Zeit. Als Delegierter der Akademie der Künste hielt er 1900 einen vor allem in Frankreich viel beachteten Vortrag beim Internationalen Architektenkongress in Paris.

Er wandte sich scharf gegen jedes Stilgemisch und öffnete damit einer Kunstrichtung die Tür, die er selbst wenig schätzte: Er förderte den Jugendstil, in dem in Folge auch viele Kirchen nach dem Wiesbadener Programm gebaut wurden, wie in Wiesbaden die Lutherkirche von Friedrich Pützer. 22 Kirchenbauten erinnern an Otzens Schaffen, so in Rheydt, Wuppertal, Apolda und Berlin. Dort ist eine Straße nach ihm benannt.

Literatur

Brülls, Holger: Die Modernität rückwärtsgewandten Bauens. Legitimation und Kritik des Historismus in architekturtheoretischen Äußerungen von Johannes Otzen. In: Evangelische Hauptkirche zu Rheydt 1902–2002. Beiträge zur Geschichte und Bedeutung eines Hauptwerks des späten Historismus im Rheinland, Mönchengladbach 2002 [S. 123 149].

Genz, Peter: Das Wiesbadener Programm. Johannes Otzen und die Geschichte eines Kirchenbautyps zwischen 1891 und 1930, Kiel 2011.

Johannes Otzen, um 1895 wiesbaden.de/ Stadtarchiv Wiesbaden, F000-4511, Urheber: unbekannt
1 / 1