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Sawallisch, Wolfgang

Sawallisch, Wolfgang

Dirigent, Pianist

geboren: 26.08.1923 in München

gestorben: 22.02.2013 in Grassau (Chiemgau)


Artikel

Sawallischs musikalisches Talent wurde schon früh erkannt und auf breiter Basis gefördert. Nach dem Abitur, dem anschließenden Kriegsdienst und der britischen Kriegsgefangenschaft in Italien studierte er an der Staatlichen Musikhochschule in München und legte dort 1946 das Staatsexamen ab.

1947 wurde er Korrepetitor und Generalmusikdirektor (GMD) in Aachen. Mit dieser Position begannen Sawallischs international orientierte Aktivitäten – Gastdirigate in Wien, Prag, Salzburg, Luzern, an der Mailänder Scala sowie (1957) mit Richard Wagners »Tristan und Isolde« auch in Bayreuth. 1958 kam er – auf eine Initiative Karl Elmendorffs – nach Wiesbaden. Hier bestanden zu dieser Zeit noch zwei eigenständige Orchester, das Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und das Städtische Kur- und Sinfonieorchester. Schon Sawallischs Vorgänger, Karl Elmendorff und Arthur Apelt, hatten eine Fusion initiiert, unter Sawallisch wurde sie vollendet.

Neben organisatorischem Geschick erforderte dies auch psychologisches Fingerspitzengefühl, unter anderem deshalb, weil beide Orchester naturgemäß einen ersten Kapellmeister hatten. Die Aufgabe wurde durch Aufteilung der Funktionen zwischen Opern- und Konzertproduktionen gelöst. Aufgrund des größeren Klangkörpers bot sich für Sawallisch die Chance, Werke, die einen umfangreichen Klangapparat erforderten, aufzuführen. Dazu gehörten z. B. die noch im Herbst 1958 begonnene Realisation von Wagners »Ring des Nibelungen«, »Elektra« und »Die Frau ohne Schatten« von Richard Strauss sowie Sinfonien von Gustav Mahler. Der Schwerpunkt seines Repertoires lag – auch später – bei den Werken der Klassik und der Romantik. Das bedeutete keine prinzipielle Skepsis im Hinblick auf die Neue Musik; jedoch sah er die klassisch-romantische Tradition als »Basis jedes Orchester-Dirigenten« an.

1960 verließ er Wiesbaden; ein längerfristiges Engagement war aufgrund einer vor seinem hiesigen Dienstantritt dem Regisseur Oscar Fritz Schuh gegebenen Zusage nicht möglich. Ihm folgte er als Musikalischer Leiter an die Kölner Oper. Weitere Stationen waren Wien (Chefdirigent der Wiener Symphoniker), Hamburg (GMD und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters), München (GMD, zeitweise auch Direktor der Bayerischen Staatsoper) und Philadelphia (Musikalischer Leiter des Philadelphia Orchestra).

Gastspielreisen führten ihn bis in die VR China und nach Japan. Auch als Kammermusiker und Liedbegleiter (u. a. von Elisabeth Schwarzkopf und Dietrich Fischer-Dieskau) machte er sich einen Namen. Im Rahmen des Rheingau Musik Festivals kehrte er 2003 mit zwei Brahms-Konzerten noch einmal nach Wiesbaden zurück. Sawallisch erhielt zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Literatur

Sawallisch, Wolfgang: Im Interesse der Deutlichkeit. Mein Leben mit der Musik, Hamburg 1988.

Sawallisch, Wolfgang: Kontrapunkt: Herausforderung Musik, Hamburg 1993.