Sprungmarken

Schützendorf, Leo

Schützendorf, Leo

Opernsänger (Bassbariton)

geboren: 05.05.1886 in Köln

gestorben: 18.12.1931 in Berlin


Artikel

Schützendorf studierte am Kölner Konservatorium und debütierte 1908 in Düsseldorf. Nach Stationen in Münster (1909–10), Krefeld (1910–12) und Darmstadt (1912–17) war der Bassbariton Ensemblemitglied am Wiesbadener Theater, bis er 1919 dem Ruf an die Wiener Staatsoper und 1920 an die Berliner Staatsoper folgte.

In dieser verhältnismäßig kurzen Zeit wurde er zu einem Liebling des Publikums. Der Musikwissenschaftler Alfred Einstein würdigt den früh verstorbenen Sänger im »Berliner Tageblatt« wie folgt: »Er war ein Sänger, der von der Bühne besessen war [...], ein Wunder in der Genauigkeit des Sprechgesangs [...] überwältigend die Macht des Organs [...], überall riß er die ledernsten Mitspieler und das lederne Publikum zur Anteilnahme, zur Heiterkeit, zum Jubel hin«. Der Wiesbadener Dirigent Franz Mannstaedt bescheinigte ihm »eine Stimme voller Kraft und Saft«.

Als er ohne Freigabe der Intendanz der Berliner Staatsoper im Metropoltheater in einer Inszenierung Max Reinhardts von Millöckers Operette »Der Bettelstudent« sang, kündigte die Staatsoper dem Sänger. Er starb wenig später nach einer Operettenaufführung, depressiv und vereinsamt.

Literatur

Kutsch, Karl J./Riemens, Leo: Großes Sängerlexikon, 4. Aufl., München 2003.

Schützendorf, Eugen: Künstlerblut. Leo Schützendorf und seine Brüder, Berlin 1943.

Macy, Laura (Hrsg.): The Grove Book of Opera Singers, Oxford University Press 2008.