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Weiß, Otto

Weiß, Otto

Evangelischer Pfarrer

geboren: 21.03.1900 in Erlenbach (Odenwald)

gestorben: 22.09.1965 in Rothenberg (Odenwald)


Artikel

Weiß studierte evangelische Theologie in Tübingen und Marburg. Nach seiner Ordination 1925 wurde er zunächst Pfarrassistent in Darmstadt (Johannesgemeinde) und von Dezember 1925 bis Oktober 1928 Pfarrverwalter an der Christuskirche in Mainz.

1929–34 war er Pfarrer in Wörrstadt/Rheinhessen und wurde im Juli 1934 in einer politisch, theologisch und vor allem kirchenpolitisch bewegten Zeit an die Marktkirche in Wiesbaden berufen. Dort war am 06.02.1934 der bisherige Pfarrer, Ernst Ludwig Dietrich, zum Landesbischof von Nassau-Hessen ernannt worden. Pfarrer Walter Herrich (1892–1982), der zum 01.01.1931 vor allem durch den (damals noch konservativen) Kirchenvorsteher August Jäger als Marktkirchenpfarrer durchgesetzt worden war, wurde von Dietrich zum 15.06.1934 nach Maar/Oberhessen versetzt.

Wegen eines öffentlichen Strafverfahrens (Vorwurf der Neigung zur Homosexualität) erfolgte am 13.11.1935 die vorläufige Dienstenthebung von Weiß, Ende 1936 nach seiner Verurteilung das Ausscheiden aus dem Kirchendienst, verbunden mit dem Verlust der Rechte des Geistlichen Standes.

Nach 1945 wurde Weiß voll rehabilitiert. 1936–45 war Weiß dann im Dienst der Berliner Stadtmission tätig, 1939 wurde er dort zum Stadtmissionar ernannt. Am 01.07.1946 wurden ihm die Rechte des Geistlichen Standes wieder zuerkannt; zugleich wurde er für den Dienst im Hilfswerk der Evangelischen Landeskirche in Hessen beurlaubt. 1947–65 amtierte er zunächst als Pfarrverwalter, dann als Pfarrer in Rothenberg/Odenwald.

Literatur

Dienst, Karl: Willy Borngässer (1905–1965). Ein liberaler Pfarrer zwischen den Fronten. In: Journal of Religious Culture Nr. 154/2012 [S. 118].