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Werkssiedlung der Firma Kalle & Co. AG

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Südwestlich des Südfriedhofs, im Distrikt »Unter Schwarzenberg«, heute Wiesbaden-Südost, entstand ab 1937 die Werkssiedlung der Firma Kalle & Co. AG als Stammarbeiter-Kleinsiedlung in direkter Nachbarschaft zur sogenannten Siedlung Schwarzenberg.

Nach Gründung der »Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft Kalle mbH« im Oktober 1936 entstanden bis 1940 zunächst 45 und nach dem Zweiten Weltkrieg weitere 30 Häuser. 1955 war die an Hagen-, Giselher-, Gunther- und Utestraße gelegene Siedlung fertiggestellt. Bei den frühen Siedlungshäusern handelte es sich um bescheidene eingeschossige Bauten mit Satteldächern, jeweils ausgestattet mit drei Zimmern und einer Wohnküche sowie Keller, Waschküche, Stall und Heuboden. Hinzu kamen noch ca. 800 m² Land.

Als Siedler in Frage kamen laut einem »Merkblatt für die Beratung der Siedlungsbewerber« in den 1930er-Jahren nur diejenigen, deren »Erbgesundheit« im Sinne nationalsozialistischer »Rassenhygiene« ärztlicherseits bescheinigt worden war. Eigenkapital musste nicht vorhanden sein, dafür die Bereitschaft, eine vorgeschriebene Anzahl von Stunden in gemeinnütziger Arbeit zu leisten.  Die Firma Kalle stellte das Baugelände und günstige Darlehen zur Verfügung. Durch monatliche Zahlungen hatten die Siedler die Chance, im Laufe der Jahre Eigentümer von Haus und Grund zu werden.

Die bis heute existierende »Siedlergemeinschaft Kalle gegr. 1938 e.V.« feierte 2013 ihr 75-jähriges Bestehen. Dokumente zur Geschichte der Siedlung enthält das im Stadtarchiv Wiesbaden deponierte Werksarchiv Kalle-Albert.

Literatur

Baumgart-Pietsch, Anja: Siedler nur mit Gesundheitsschein. Schwarzenberg – Die ersten Häuschen der Kalle-Siedlung wurden vor 75 Jahren gebaut. In: Wiesbadener Tagblatt 23.08.2013.