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Kultur erleben

Fäden schaffen Welten

Die international besetzte Gruppenausstellung "Fäden schaffen Welten", die vom 28. September bis 11. Dezember im frauen museum wiesbaden zu sehen ist, zeigt die enorme Bandbreite textiler künstlerischer Praktiken.

Werk von Constanza Camila Kramer Garfias
Werk von Constanza Camila Kramer Garfias

Die Ausstellung vereint Arbeiten von zwölf zeitgenössischen Künstlerinnen, die mit textilen Materialien neue Bildsprachen entwickeln und aktuelle Fragestellungen verhandeln – und dabei sowohl auf traditionelle Techniken zurückgreifen als auch 
experimentelle Formen entwickeln.

Künstlerinnen wie Sheila Hicks oder Annegret Soltau leisteten immer noch Pionierinnenarbeit und nutzten textile Techniken, die Frauen traditionell oftmals im häuslichen Bereich ausübten, um die Grenzen von Kunst zu hinterfragen, um Körperlichkeit und Verletzlichkeit ebenso wie Identität und kollektives Gedächtnis zu thematisieren. 

Das Bedeutungsspektrum des Textilen in dieser Ausstellung greift aber auch politische Themen auf, die das subversive Potential der sinnlich-taktilen Werke nutzen, denn mit der einzigartigen Fähigkeit, verschiedene Fäden immer wieder neu zu verknüpfen, waren und sind textile Techniken vielfach Trägerinnen revolutionärer Inhalte, Medien politischen Protests und Ausdruck künstlerischer wie gesellschaftlicher Selbstermächtigung. Die Künstlerinnen kombinieren Textiles mit High Tech, schaffen hybride Objekte mit geklöppelten Kabeln, vernähen oder verarbeiten textilfremde Materialien oder entwerfen piktogrammartige Designs im stofflichen wie auch im digitalen Raum. Wer denkt heute noch bei "Internet" an eine Netzstruktur aus Faden?

Die Textilkunst bleibt dennoch oft genug eine Grenzgängerin zwischen Kunst und Handwerk, zwischen Intimität und Öffentlichkeit, zwischen funktionalem Objekt und symbolischem Träger, zwischen Tradition und Innovation. Gerade diese vermeintliche Ambivalenz hat sie zu einem kraftvollen Ausdrucksmittel für Künstlerinnen gemacht. Ein Ausdrucksmittel, das aktuelle politische und gesellschaftliche Diskurse verhandelt und (kollektive) Identität(en) sichtbar macht. Die Materialität von textilen Kunstwerken macht den Stoff – wobei "Stoff" sowohl den Inhalt als auch das Material bezeichnet – dabei geradezu körperlich erfahrbar.

Die Ausstellung "Fäden schaffen Welten" vereint unterschiedlichste Arbeiten, die zeigen, dass Textil kein passives Trägermaterial, sondern ein aktiver Ort künstlerischer und politischer Auseinandersetzung ist. Sie erzählen Geschichten, verweben Kulturen und berühren Themen, die Gesellschaften prägen.

Mit Werken von: Ngozi Ajah Schommers, Rufina Bazlova, Denise Bettelyoun, Patricia Dreyfus, Sheila Hicks, Constanza Camila Kramer Garfias, Gulnur Mukazhanova, Daniela Polz, Gertrud Riethmüller, Annegret Soltau, Hoda Tawakol und Carola Willbrand.

Gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und das Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden. 

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