Unter Druck: Plakate zwischen 1918 und 1933
"Unter Druck", eine neue Plakatausstellung im Museum Wiesbaden, zeigt bis zum 9. August auf, wie visuelle Kommunikation zwischen 1918 und 1933 von der Politik genutzt wurde: Zur Information, zur Einflussnahme aber auch zur Manipulation.
80 Plakate aus der Sammlung des Wiesbadeners Maximilian Karagöz verdeutlichen, wie einfach Bilder Emotionen schüren, Feindbilder schaffen oder politische Stimmungen fundamentieren oder anheizen können.
Im Gegensatz zur kommerziellen Werbung besitzt das politische Plakat in Deutschland keine lange Tradition. In Preußen existierten von 1849 bis 1914 rigorose Gesetzgebungen, das Werbung für politische Inhalte weitgehend verhinderte. Mit dem Ersten Weltkrieg erfolgte ein Umschwung und erstmals vermischten sich politische Inhalte mit den werberischen Plakatgestaltungen auf den Litfaßsäulen im öffentlichen Raum.
Die politischen Akteure jener Zeit beauftragten Künstlerinnen und Künstler, Grafiker und Grafikerinnen sowie Typographen und Typographinnen. Die visuelle Kommunikation der jeweiligen Inhalte bediente sich am Repertoire der Werbegestaltungen, die mit den „lautesten“ Mitteln das Ziel des Verkaufs von Produkten verfolgten. Gesellschaftliche Konflikte, Kriegsgeschehen, Radikalisierung und gezielte Propaganda spiegeln sich in den Plakatgestaltungen von 1918 bis 1933 wider, insbesondere im Wahlkampf.
Mit Leihgaben aus der Wiesbadener Plakatsammlung von Maximilian Karagöz richtet die Kabinettausstellung im Museum Wiesbaden den Fokus auf die Zeit der Weimarer Republik bis hin zum Beginn der NS-Zeit. Politische Plakate glichen einer Kampfansage und machten den Wettbewerb der damaligen Parteien öffentlich sichtbar.
"Unter" Druck enthüllt, wie visuelle Kommunikation eingesetzt wurde – zur Information, zur Einflussnahme und auch zur Manipulation. Die historischen Plakate verdeutlichen, wie einfach Bilder Emotionen schüren, Feindbilder schaffen oder politische Stimmungen verändern können. Von faktischer Argumentation über sachliche bis hin zu emotionaler Ansprache oder gar bewusster Lüge öffnet sich ein breites Spektrum, das sich in den politischen Plakaten der folgenden Dekade weiterentwickelt.
Die gezeigten historischen Plakate enthalten Darstellungen und Botschaften, die wir heute als äußerst problematisch sehen und die von Rassismus, Sexismus und Anti-Semitismus geprägt sind. Gleichwohl ermöglichen sie uns eine Reflexion der heutigen politischen Werbung im öffentlichen Raum und zeigen auf, wie Kunst, Typographie und Gestaltung zum politischen Machtinstrument wurden.
In Kooperation mit dem Hessischen Landtag, der in einer Ausstellung (18. März bis 12 April 2026) politische Plakate von 1945 bis 1991 zeigt.
