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Literaturhaus Villa Clementine

Literatur, Kunst, Geschlecht - Lesungen, Gespräche, Musik zum Jugendstiljahr

Im Rahmen des Jugendstiljahres gibt es im Literaturhaus verschiedene Veranstaltungen, die erste unter dem Titel "Im Kleide der Lulu? Vom weiblichen Dämon zur selbstbestimmten Frau der Gegenwart" am 2. Februar.

Während der beißende Qualm der Lokomotiven die Landschaften des ausgehenden 19. Jahrhunderts durchweht, rauchen in den Kaffeehäusern die Köpfe der Intellektuellen. Der allgemeine Fortschritt reißt tiefe soziale Gräben und hinterlässt eine Kultur der Gegensätze und des Umbruchs.

Auch die Künste sind im Wandel: Symbolismus trifft auf Impressionismus trifft auf Naturalismus. Nichts scheint mehr beständig, die Gesellschaft driftet auseinander. Während sich die Arbeiter- und Frauenbewegungen auf den Straßen lautstark für ihre Rechte einsetzen, benebelt die feine Gesellschaft ihre Sinne sehnsuchtsvoll mit Opium.

Die Epoche des Fin de Siècle vermag bis in die Gegenwart zu faszinieren. Auch heute leben wir wieder in einer Zeit des Umbruchs. Sicher geglaubte Gewissheiten, Grenzen und Zugehörigkeiten lösen sich auf. Trotz der weiblichen Emanzipation herrscht noch immer in vielen Bereichen Ungleichbehandlung.

Welche Ängste die Menschen in einer Zeit des Umbruchs umtreiben, lässt sich in der Literatur und den Künsten nirgendwo so gut beobachten, wie in den Geschlechter- und Rollenbildern, die sie zeichnen. Während die Femme fatale der Jahrhundertwende oder die Femme fragile des Jugendstils männliche Ängste um Machtverlust widerspiegeln, lässt sich an den gegenwärtigen kontroversen Gender-Diskussionen die Sehnsucht des Individuums nach Befreiung ebenso ablesen wie der Wunsch nach einer festumrissenen Zugehörigkeit und Identität.

Wer bin ich in einer Welt, in der alles auf Knopfdruck möglich ist? Wohin gehöre ich in einer globalisierten Welt? Die Veranstaltungsreihe des Literaturhauses Villa Clementine will diese Fragen und Thesen in Lesungen, Gesprächen und bei Musik diskutieren und dazu einladen, über den Jugendstil hinauszudenken, sich inspirieren und treiben zu lassen, frei nach dem Motto Oscar Wildes: "Der einzige Weg eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben."