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Stadtlexikon Wiesbaden

Buch, Georg

Schriftsetzer, Widerstandskämpfer, Parlamentarier, Oberbürgermeister, Landtagspräsident.

geboren: 24. September in 1903 Wiesbaden
gestorben: 5. August 1995 in Wiesbaden


Details

Der Sohn einer allein erziehenden Mutter, die den Lebensunterhalt für sich und ihre beiden Kinder als Hausmädchen bzw. als Verkäuferin bestritt, absolvierte nach dem Besuch der Blücherschule eine Schriftsetzerlehre, die er 1921 mit der Gesellenprüfung abschloss. 1919 bereits der Jugendorganisation des Verbandes der Deutschen Buchdrucker beigetreten, schloss er sich im Jahr darauf auch dem Arbeiter-Jugend-Bund an, der Vorläuferorganisation der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Seit 1921 agierte er mit Unterbrechungen als hiesiger Vorsitzender bzw. Jugendleiter jener SPD-Gliederung. Parteimitglied wurde er ebenfalls 1921.

In den nächsten Jahren arbeitete er für verschiedene Druckereien, zum Teil auch nur aushilfsweise, worauf eine längere, bis 1933 währende Arbeitslosigkeit folgte. Ab 1928 wirkte er als Propagandaleiter der Wiesbadener SPD. Von 1929 bis 1930 besuchte er die Frankfurter Akademie der Arbeit. Im Mai 1933 wurde er zum Vorsitzenden der SPD Wiesbaden-Alt gewählt. Dadurch fiel ihm die Aufgabe zu, seine Partei in die ihr von den Nationalsozialisten aufgezwungene Illegalität zu überführen. Kurz zuvor war er zwar noch im Nachrückverfahren zum Stadtverordneten avanciert, was indes politisch folgenlos blieb.

Im Herbst 1933 wurde Buch für zwei Wochen in der Gersdorff-Kaserne in „Schutzhaft“ genommen. Dem „Dritten Reich“ bot er gleichwohl als führender Kopf einer lokalen, hauptsächlich aus jüngeren, zumeist weiblichen SAJ- und SPD-Mitgliedern gebildeten Widerstandsgruppe die Stirn. Auch der langjährige Geschäftsführer des Wiesbadener SPD-Unterbezirks Richard Otto und dessen Ehefrau Emma beteiligten sich an jenen Aktivitäten. Während Buch seine Gruppe aus Sicherheitsgründen schon bald nach außen hin vollständig abschottete, sorgte er hiervon gänzlich unabhängig für die Aufrechterhaltung politischer Kontakte auch zu einigen weiteren Gesinnungsgenossen in Wiesbaden, darunter Johannes Maaß und Moritz Lang.

In der näheren und ferneren Umgebung unterhielt er gleichfalls konspirative Verbindungen, so etwa mit Willy Knothe, der bis zu seiner Verhaftung im Sommer 1934 von Frankfurt aus den SPD-Widerstand in ganz Südwestdeutschland angeleitet hat. Seinen eigenen antinazistischen Freundeskreis hielt Buch weiterhin unbeirrt zusammen. Nachdem er seinen Unterhalt anfänglich durch einen mobilen Kaffeehandel verdient hatte, eröffnete er 1935 eine Vertretung für Haushaltsartikel, später auch für Lebensmittel. Seit 1940 war er bei einer Spezialfirma für Imprägnierungen tätig, von der er schließlich als Gruppen- und Bauführer im Bereich des Luftgaus Westfrankreich mit Stützpunkt in La Rochelle eingesetzt wurde.

Ausgelöst durch eine Denunziation, erfolgte dort im Frühjahr 1941 seine Verhaftung, nachdem zuvor schon etliche seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter inhaftiert worden waren. Als „maßgebender geistiger Führer der illegalen Wiesbadener SAJ-Gruppe“ wurde Buch am 13. März 1942 vom Oberlandesgericht Kassel zu einer zweieinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach deren Verbüßung in den Strafanstalten Frankfurt-Preungesheim und Hanau musste er ab März 1944 noch das KZ Hinzert und seit dem Juli 1944 das KZ Sachsenhausen durchleiden. Dort wurde er im darauf folgenden Frühjahr befreit.

Seit Sommer 1945 betätigte er sich kommunal- und landespolitisch in verschiedenen führenden Funktionen, so als zeitweiliger Geschäftsführer der Wiesbadener SPD, als Vorsitzender ihrer Stadtverordnetenfraktion und ihres Unterbezirks. 1946 konnte er endlich seine langjährige Verlobte Anna Ebert heiraten, die ihm 1949 die Tochter Marianne gebar. Ebenfalls 1946 war Buch Mitglied der Verfassungberatenden Landesversammlung Groß-Hessen.

Als Dezernent für Wirtschaft und Ernährung der Landeshauptstadt Wiesbaden wirkte er seit demselben Jahr bis 1954, als deren Bürgermeister von 1954 bis 1960 und als Oberbürgermeister von 1960 bis 1968. Von 1946 bis 1950 und von 1954 bis 1974 war er Mitglied des Hessischen Landtags, als dessen Präsident er zudem von 1966 bis 1974 amtierte. Außerdem engagierte er sich von 1945 bis 1970 als Mitglied des SPD-Bezirksvorstandes Hessen-Süd sowie des SPD-Landesvorstandes Hessen, von 1954 bis 1962 als stellvertretender Vorsitzender des SPD-Bezirks Hessen-Süd, von 1959 bis 1960 als Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und anschließend bis 1966 als deren stellvertretender Vorsitzender. Von 1971 bis 1980 fungierte er als Vorsitzender des Kuratoriums Unteilbares Deutschland, Landeskuratorium Hessen.

Auch in vielen weiteren ehrenamtlichen Funktionen engagierte sich Buch für unsere Demokratie, so z. B. als Mitglied des Präsidiums des Sachsenhausen-Komitees für die Bundesrepublik Deutschland sowie im Rahmen der Seniorenarbeit seiner Partei. Für sein verdienstvolles Wirken wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil: So wurde er 1968 zum Ehrenbürger der Landeshauptstadt Wiesbaden ernannt. Im selben Jahr wurde ihm die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen verliehen. 1973 folgte das Große Bundesverdienstkreuz, 1978 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband. Die von seiner Geburtsstadt und seinem Heimatland Hessen gemeinsam ausgerichtete Trauerfeier fand am 10. August 1995 im Kurhaus (Kurhaus, neu) statt. Seine letzte Ruhe fand Buch neben seiner Ehefrau Anna auf dem Nordfriedhof. Das Gemeinschaftszentrum Gewerbeschule in der Wellritzstraße sowie das Haus des Arbeiter-Samariter-Bundes, Landesverband Hessen, in der Bierstädter Straße tragen gleichermaßen den Namen Georg-Buch-Haus. Der Nachlass Georg Buchs befindet sich im Stadtarchiv Wiesbaden.

Literatur