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Hatzfeldt-Wildenburg, Sophie Josepha Ernestine Gräfin von

Hatzfeldt-Wildenburg, Sophie Josepha Ernestine Gräfin von 

Sozialistin

geboren: 10.08.1805 in Trachenberg (Schlesien)

gestorben: 25.01.1881 in Wiesbaden


Artikel

Als dritte Tochter von Franz Ludwig Fürst von Hatzfeldt zu Trachenberg und seiner Frau Friderike heiratete Hatzfeldt-Wildenburg als 16-Jährige aus Gründen der Familienräson ihren Vetter, Edmund Graf von Hatzfeldt-Wildenburg. Da die Ehe unglücklich war, verließ Hatzfeldt-Wildenburg ihren Mann 1846 und sagte sich von ihrer Familie los. Sie bat den Bankierssohn Felix Alexander Oppenheim um Rechtsbeistand und Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Über ihn lernte Hatzfeldt-Wildenburg 1846 den 21-jährigen Studenten aus jüdischer Familie, Ferdinand Lassalle, kennen.

Lassalle, zwei Tage jünger als ihr ältester Sohn, wurde zu ihrem Vertrauten. Um sie vor den Gläubigern zu schützen, zog er in ihr Düsseldorfer Haus. Lassalle unterbrach sein Studium, um mit ihr den spektakulärsten Scheidungsprozess des 19. Jahrhunderts vor über 30 Gerichten durchzufechten. Fast ein Jahrzehnt dauerte es, bis sie gesiegt hatten, und in dieser Zeit gingen sie eine enge Beziehung ein. Hatzfeldt-Wildenburg identifizierte sich nun auch mit Lassalles politischen Ansichten, öffnete ihr Haus seinen Gesinnungsgenossen und war selbst ein Teil der demokratisch-revolutionären Bewegung der Jahre 1848/49. Am 11.08.1854 wurde die letzte Prozessakte geschlossen: Noch zwei Jahre lebte sie mit Lassalle zusammen, bevor Hatzfeldt-Wildenburg nach Berlin zog, aber weiterhin eng mit ihm verbunden blieb.

Nach seinem Tod in Folge eines Duells 1864 sah Hatzfeldt-Wildenburg es als ihre Aufgabe an, Lassalles Werk in seinem Sinne fortzusetzen und zu bewahren. Sie gab seine nachgelassenen Schriften heraus und versuchte, im Arbeiterverein Einfluss zu nehmen.1867 gründete sie den »Lassalleschen Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein«, der sich vom ADAV abspaltete. Schon zwei Jahre später vereinigte er sich wieder mit dem ADAV. Hatzfeldt-Wildenburg galt jetzt als Außenseiterin, zog sich aus der Politik zurück und söhnte sich mit ihrer Familie aus.

Am Ende ihres Lebens lebte sie bei ihrem Sohn Paul Graf von Hatzfeldt-Wildenburg auf dem Schloss Sommerberg bei Frauenstein und in Wiesbaden. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof in Frauenstein.

Literatur

Kling-Mathey, Christiane: Gräfin Hatzfeldt, Bonn 1989.

Wodarz-Eichner, Eva: »Ich will wirken in dieser Zeit…«. Bedeutende Frauen aus acht Jahrhunderten. 52 Kurzbiographien. 2. Aufl., Bonn 2008 [S. 191–199].