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Rambach

Die erste schriftliche Erwähnung Rambachs datiert in das Jahr 1264, besiedelt war das Gebiet jedoch schon in der Bronzezeit. Im 19. Jahrhundert erhielt der Ort den Beinamen „Waschküche Wiesbadens“, denn hier waren viele Wäschereien ansässig, die für die zahlreichen Hotels und Kurgäste arbeiteten. Heute leben in Rambach rund 2.100 Einwohner.

Details

Das nordöstlich Wiesbadens am Südhang des Taunuskammes unterhalb des Kellerskopfes gelegene Rambach wird 1264 erstmals erwähnt. Die Ansiedlung selbst ist jedoch sehr viel älter, wie aus Bodenfunden zu erkennen ist. In den Überresten von 23 Grabhügeln im Walddistrikt Goldstein wurden im Jahr 1859 Urnen mit der Asche von Verstorbenen, Halsringe, Glas- und Bernsteinperlen sowie Tongefäße gefunden, die aus der Bronzezeit datieren. Die damaligen Bewohner waren Bauern, die Viehzucht und Ackerbau betrieben und deren Siedlung auf einem durch Wall und Graben gesicherten Plateau lag. Diese frühgeschichtliche Anlage, welche 1913 näher untersucht wurde, befindet sich westlich von Rambach im Walddistrikt Burg. Auch die Römer hinterließen Spuren: Im Walddistrikt Hassel wurden die Reste eines römischen Gutshofes („villa rustica“, auch „Kloster“ genannt) freigelegt. Eine von zwei Ringwällen geschützte römische Militärstation von 200 m Länge und 70 m Breite befand sich auf dem Bergsporn „Quecken“ in der Mitte des Ortes.

Die nach dem Bach benannte heutige Siedlung wurde vermutlich Ende des 12. oder Anfang des 13. Jhs., etwa zur gleichen Zeit wie Naurod und Heßloch, gegründet. Ins Licht der schriftlichen Überlieferung tritt der Ort bald nach der Mitte des 13. Jhs.: 1264 treten zwei Zinsleute des Mainzer Altmünsterklosters, Heinricus und Cunradus de Rombach, in Erscheinung. Eine weitere Erwähnung aus dieser Zeit bezieht sich auf ein Eppsteiner Lehensverzeichnis und führt die Besitzungen auf, welche Lutherus de Marketrode von Gerhard III. von Eppstein in Rambach zu Lehen hatte. Damit ist auch bereits einer der Grundherren genannt, die hier Besitzrechte, Güter, Einkünfte, den Kirchenzehnten sowie das Gericht im sog. unteren Dorf besaßen, nämlich die Herren von Eppstein. Grundherren waren auch die Herren von Frauenstein, denen unter anderem das Gericht im sog. oberen Dorf gehörte, die aber bereits 1298 dazu übergingen, ihre Besitzungen in Rambach zu veräußern. Gottfried von Frauenstein übertrug seine Güter schließlich 1344 an Graf Gerlach von Nassau. 1441 konnten sich die Nassauer dann in den Besitz aller eppsteinischen Rechte sowie der Hochgerichtsbarkeit setzen. Aus dieser Zugehörigkeit zum nassauischen Herrschaftsbereich erklärt es sich auch, dass die Rambacher im 15. Jh. zur Leistung von Wiesenfuhren an das Schlosshofgut in Wiesbaden verpflichtet waren; sie konnten diesen Frondienst aber gegen eine jährliche Rente von 13 Gulden ablösen. Zinsen hatten sie zeitweise auch an das Weißfrauenkloster in Mainz zu zahlen (1568). Rambach stand in engen Beziehungen zu Sonnenberg: Als Graf Johann von Nassau 1457 einen Teil des dortigen Schlosses verpfändete, gehörten dazu auch Einkünfte in Rambach.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte Rambach schwer zu leiden. Von 125 Einwohnern vor dem Krieg lebten danach nur noch acht in der Gemeinde. Die übrigen waren der Pest oder den kriegerischen Wirren zum Opfer gefallen. Die Gemarkung war vollständig verwildert, da die wenigen überlebenden Einwohner kaum in der Lage waren, ihre Felder zu bestellen.

Seit 1637 sind immerhin Grundzüge einer Verwaltung erkennbar: Ein erstes Gerichtssiegel wurde in diesem Jahr eingeführt, welches den hl. Nikolaus mit Mitra, den Bischofsstab in der Rechten und eine Schale mit drei Kugeln in der Linken haltend, zeigt. Im 17. und 18. Jh. standen der Gemeinde ein Schultheiß und ein Rechner oder Vorsteher vor. Angestellte und Bedienstete waren außerdem der Gerichtsdiener, der auch als Nachtwächter Dienst tat, ein weiterer Nachtwächter, ein Feldschütz, ein Förster, eine Hebamme, der Knecht des Medizinalassistenten (1823). Die Gemeinde zahlte auch einen Anteil für die Besoldung des Oberförsters und des Medizinalrates. Als Berufe der Einwohner werden zu dieser Zeit u.a. Strohdachdecker, Besenbinder und Geschirrmacher angegeben. Die Schafzucht hat in Rambach eine lange Tradition, ebenso der Obstanbau. Landwirtschaft und Viehzucht hingegen waren wegen der Kargheit des Bodens kein ertragreicher Erwerbszweig.

Kirchlich gehörte der Ort im Mittelalter zum Pfarrbezirk von Bierstadt. Dies war auch der Grund, weshalb die Rambacher Kapelle dem dortigen Patron, dem hl. Nikolaus geweiht war. Noch bis 1685 werden Rambacher Taufen, Trauungen und Begräbnisse in den Bierstadter Kirchenbüchern verzeichnet. Seitdem bildete Rambach eine Filiale von Sonnenberg, auch die Schule unterstand dem Sonnenberger „Pfarradjunkt“. Den Gottesdienst in Rambach versahen die Sonnenberger Pfarrer mit. Die Kirche wurde allerdings bereits 1827 von einem eigenen Pfarrvikar verwaltet; zu seinen Einkünften gehörten unter anderem die Erträge aus zwei Äckern. 1910 wurde eine feste Hilfspredigerstelle in Rambach eingerichtet, die 1953 zu einer eigenen Pfarrerstelle erhoben wurde. 1954 entstand ein neues Pfarrhaus.

Von wann das älteste Gotteshaus datiert, ist nicht überliefert. Zwischen 1540 und 1546 wurde Rambach mit den anderen nassauischen Ortschaften evangelisch. 1546 soll die in Rambach befindliche Kapelle bei einem Brand zerstört worden sein. Sie wurde wieder aufgebaut, denn 1594 werden die Bewohner in einem Visitationsprotokoll aufgefordert, das Gebäude nicht zu sehr verfallen zu lassen. Auch dieses neue Gotteshaus wurde 1673 Opfer eines Brandes. 1680 bestand an gleicher Stelle eine Holzkirche, die wenig später wieder baufällig war. 1751 wurde eine Orgel eingebaut. Vermutlich war inzwischen ein Steinbau an die Stelle der alten Holzkirche getreten, denn der Medizinalrat und Archäologe Karl Reuther, der 1876 die römischen Überreste in Rambach untersuchte, erwähnt eine „um die Mitte des 18. Jhs. [entstandene Kapelle] der dürftigsten Technik; bemerkenswerth sind nur zwei zugemauerte Rundbogen von Thüreinfassungen in den beiden Langseiten, vermuthlich von früheren Bauten herrührend“. Einen eigenen Organisten gab es nicht, die Orgel wurde von dem jeweiligen Lehrer gespielt. Der Lehrer Kolb war 1827 auch für die Reinigung der Altartücher zuständig. Die Kirche wurde 1887 wegen Baufälligkeit geschlossen und abgetragen. An ihrer Stelle entstand ein neues Gotteshaus, welches am 15.9.1892 eingeweiht wurde. Da der Totenhof um die Kirche herum zu klein wurde, wurde auf dem Kitzelberg ein neuer Friedhof angelegt, seit 1859 finden dort die Beerdigungen statt. 1989 wurde eine neue Trauerhalle errichtet. 1911 eröffnete die ev. Kirchengemeinde einen ersten Kindergarten (Kleinkinderschule), 40 Jahre später erfolgte die Einweihung eines zweiten Kindergartens. Die wenigen Rambacher Katholiken gingen zum Gottesdienst zunächst nach Wiesbaden, seit der 1887 erfolgten Gründung einer katholischen Pfarrei mit den Filialen Rambach, Heßloch, Bierstadt, Igstadt und Kloppenheim nach Sonnenberg. Der 1956 gegründete kath. Rambacher Kapellenbauverein setzte sich für eine eigene Kirche ein; „St. Johannes“ in der Lach wurde am 9.5.1963 geweiht.

1684 lebten in Rambach 72 Einwohner. Bis 1688 mussten die Kinder von Rambach nach Sonnenberg in die Schule gehen. In diesem Jahr richtete die Gemeinde ein Gesuch an das zuständige Konsistorium mit der Bitte, eine einklassige Schule in Rambach errichten zu dürfen, und machte Vorschläge zur Finanzierung des Gebäudes und der Lehrerstelle. Die erste Schule wurde in der Dorfmitte beim Brunnen errichtet; die kleine Schulstube diente zugleich als Wohnung des Lehrers. Seit Anfang des 18. Jhs. sind die Namen der Lehrer bekannt; 1748 betrug die Zahl der Schüler bereits 50. Die engen Beziehungen zu Sonnenberg blieben bestehen: Als im Jahr 1820 ein Inventar des Schulgebäudes aufgestellt wurde, war nicht nur der Rambacher Schultheiß, sondern auch der Pfarrer von Sonnenberg und Rambach, Georg Ludwig Cramer, zugegen. Die Lehrerbesoldung bestand in etwa 11 Gulden monatlich sowie den Erträgen aus Äckern und Gartenland; die „Industrielehrerin“ Denz erhielt nur 14 Gulden im Jahr. 1822/23 wurde im Oberdorf Ecke Kirchweg und Wiesbadener Straße ein neues Schulhaus mit Scheune, Schweinestall und Abtritt erbaut, das alte verkaufte man auf Abbruch. 74 Kinder gingen zu dieser Zeit in die Schule. Bis zur Jahrhundertwende war auch diese Schule zu klein geworden, am 20. Oktober 1902 wurde ein Neubau eingeweiht, der von 316 Schülern besucht wurde. Diese „Neue Schule“ am Kirchweg diente als Mehrzweckbau für den Schulbetrieb, die Feuerwehr, den „Stimpert“ (das Gefängnis), für das Büro des Bürgermeisters und die Lehrerwohnung. Die alte Schule wurde abgerissen.

Am Lauf des Rambachs entstanden mehrere Mühlen, so eine Lohmühle und 1709 die Stickelmühle (Mühlen). Um 1750 wurde rechts des Kirchwegs ein einstöckiges Spritzenhaus aus Fachwerk erbaut. 1768 kam es zu einer großen Wasserflut mit vielen Schäden. 1797 wurde ein neues Gemeindesiegel erstellt; aus dem Bild des hl. Nikolaus wurde ein Hirte oder Richter mit hohem Hut und einfachem Stab. 1760/61 legte man zwei Laufbrunnen an: der eine vom Hesslocher Grund kommend mit dem Bassin an der Ecke Ringwall und Burgstraße, der andere am alten Schulplatz an der Dorflinde. Ein dritter steht heute an der Wellbornstraße. 1840 hatte der Ort 512 Einwohner. Zum Gemeindevermögen gehörten ein Hirtenhaus und ein zweistöckiges Rathaus, in dem sich auch die Dorf-Backstube befand.

Im Jahr 1900 zählte Rambach 1.495 Einwohner. In den Chroniken der Sonnenberger Pfarrer wird über ihre Berufe mitgeteilt, es handele sich um Kleinbauern und Fuhrleute, die häufig Steine aus den Sonnenberger Brüchen transportierten. Man nannte den Ort „die Waschküche Wiesbadens“, weil viele Wäschereien, darunter die beiden Dampfwäschereien Emil Renson & Söhne und Fischer, unter Verwendung des sehr weichen Wassers für Hotels und reiche Familien Wiesbadens wuschen. In den Wäschereien und Bügelstuben wurden häufig Frauen beschäftigt; der Sonnenberger Pfarrer Schupp befürchtete, die weibliche Jugend nehme dadurch sittlichen Schaden. Schon 1818 hatte ein Chronist berichtet, 13 Familienväter hätten ihre Familien durch Alkoholismus ins Unglück gestürzt. Auch Schupp klagte um 1900, in Rambach „wüte der Branntwein“. Um die gleiche Zeit traten wichtige Verbesserungen in der Infrastruktur ein: Mit dem Bau des Kellerskopfstollens 1899 bis 1906 erhielt Rambach eine zentrale Wasserversorgung, 1909 auch eine bessere Verkehrsanbindung durch den Neubau der Chaussee nach Naurod. Beklagt wurde der „obwaltende sozialdemokratische Geist“: Als Beweis dafür berichtet ein Chronist, in Rambach habe sich 1914 niemand freiwillig zu den Waffen gemeldet.

Im Ersten Weltkrieg waren gleichwohl auch in Rambach viele Opfer zu beklagen. Für die 54 Gefallenen wurde vor dem Friedhof ein Mahnmal errichtet. Es folgte die Besetzung durch die Franzosen. Am 1.4.1928 wurde Rambach mit 1.721 Einwohnern und acht weiteren Vororten nach Wiesbaden eingemeindet. Der Zweite Weltkrieg hinterließ schmerzliche Spuren, 62 Rambacher fielen. Schon 1940 setzten Brandbomben drei Scheunen in Brand. Am 2. und 3.2.1945 kam es zu einem verheerenden Luftangriff auf Wiesbaden, bei dem auch die Rambacher Gaststätte „Waldlust“, das Pfarrhaus und anliegende Gebäude in Schutt und Asche fielen. An der Kirche entstanden ebenfalls große Schäden. 30 Menschen starben. Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 29.3.1945 endete in Rambach der Zweite Weltkrieg. In der Nachkriegszeit wurden mehrere größere Bauprojekte durchgeführt, die Kanalisation wurde ausgebaut, ein Sportplatz wurde angelegt. Nachdem die „Neue Schule“ zu klein geworden war, konnte am 1.9.1958 ein ganz neues Gebäude, die spätere Adolf-Reichwein-Schule, am Sportplatz eingeweiht werden. Sechs Jahre später kam eine Turnhalle hinzu, die seit 1976/77 als Mehrzweckhalle genutzt wird. Die ehemalige „Neue Schule“ hingegen dient der ev. Kirchengemeinde als Gemeindezentrum (eingeweiht 1985). 1961 wurde das jetzige Forsthaus (Revierförsterei) am Kellerskopfweg erbaut. 1966/67 entstanden das DRK-Zentrum in der Niedernhausener Straße 44 (seit 1987 Albert-Janssen-Haus) und 1969 das Feuerwehrgerätehaus in der Adolf-Schneider-Straße.
1950 belief sich die Einwohnerzahl auf 2.373 Personen. 420 Bewohner waren selbständig, 444 waren Beamte oder Angestellte, 1.099 Arbeiter und 410 waren als „mithelfende Familienmitglieder“ in der Landwirtschaft tätig. 20 Jahre später gab es 503 Angestellte, 374 Arbeiter, 103 Beamte, 104 Selbständige und 40 Mithelfende; die Landwirtschaft hatte an Bedeutung verloren. Das zeigt sich auch an den folgenden Zahlen: 1953 verzeichnet das statistische Jahrbuch in Rambach 37 Pferde, 119 Rinder, 144 Schweine, 75 Schafe, 131 Ziegen, 2.786 Hühner, 56 Stück sonstiges Federvieh und 114 Bienenvölker. 20 Jahre später gab es nur mehr 18 Pferde, 44 Rinder, 48 Schweine, 171 Schafe, 1 Ziege, 404 Hühner. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging auch in der Folgezeit weiter zurück: von 16 im Jahr 1974 auf acht 1984. Die alte Handwerker- und Arbeitergemeinde wandelte sich zum Wohnvorort. Die Bevölkerungsentwicklung in Rambach stagnierte; zwischen 1961 und 1986 wuchs die Einwohnerschaft nur um 8 %. In Rambach gab es seit jeher ein reges Vereinsleben. Heute zählt die Gemeinde 19 Vereine, von denen der Turn- und Sportverein von 1861 mit rund 560 Mitgliedern der größte ist.