Die Feuerwehr Wiesbaden startet im Juni 2026 ein Pilotprojekt im Bereich der digitalen Einsatzunterstützung: Erstmals wird eine automatisiert alarmierbare Drohne im regulären Einsatzgeschehen eingesetzt.
Die Drohne auf dem Dach der Feuer- und Rettungswache 3 in Wiesbaden-Igstadt stationiert und kann parallel zu den Einsatzkräften alarmiert werden. Ziel ist es, bereits kurz nach Eingang eines Notrufs erste Luftbilder von der Einsatzstelle zu erhalten – häufig noch bevor die ersten Fahrzeuge eintreffen. Der Flugbetrieb erfolgt automatisiert aus der Ferne, wird jedoch jederzeit von speziell geschulten Drohnenpilotinnen und -piloten der Firma Skyflow überwacht. Bei Bedarf kann unmittelbar in den Flug eingegriffen werden.
Vor allem bei Vegetationsbränden, größeren Schadenslagen oder Verkehrsunfällen auf den Autobahnen rund um Wiesbaden ermöglicht die Drohne eine schnelle Übersicht aus der Luft. Einsatzleitungen erhalten dadurch frühzeitig wichtige Informationen über Ausbreitung, Zugangswege oder mögliche Gefahrenbereiche und können Maßnahmen gezielter vorbereiten.
Die übertragenen Livebilder stehen sowohl in der Integrierten Leitstelle Wiesbaden als auch direkt an der Einsatzstelle zur Verfügung. Dadurch kann die Lage bereits während der Anfahrt bewertet und die taktische Planung frühzeitig angepasst werden.
Die Einführung des Systems ist Teil der konsequenten Weiterentwicklung digitaler Führungsunterstützung bei der Feuerwehr Wiesbaden. Bereits heute verfügen nahezu alle Einsatzfahrzeuge über mobile Tablets, auf denen einsatzrelevante Informationen direkt bereitgestellt werden. Darüber hinaus arbeitet die Feuerwehr mit vernetzten digitalen Lagekarten, über die Informationen, Bilder und Einsatzdaten in Echtzeit zwischen Leitstelle, Einsatzleitung und Fahrzeugen ausgetauscht werden können. Auch wichtige Objektinformationen wie Feuerwehrpläne oder Rettungsdatenblätter von Fahrzeugen stehen den Einsatzleitungen digital zur Verfügung.
Mit dem Projekt sammelt die Feuerwehr Wiesbaden wichtige Erfahrungen für den zukünftigen Einsatz automatisierter Luftunterstützung im Bevölkerungsschutz. Die Ergebnisse der Erprobungsphase sollen anschließend ausgewertet und in die weitere Entwicklung des Systems einfließen.
Häufig gestellte Fragen
Allgemeines
Warum setzt die Feuerwehr Wiesbaden eine Drohne ein?
Bei nahezu allen Einsätzen ist ein schneller Überblick über die Einsatzstelle und das Schadensausmaß entscheidend für einen schnellen und effizienten Einsatzablauf. Die Drohne unterstützt die Feuerwehr dabei, sich diesen Überblick in kürzester Zeit zu verschaffen. Dazu wird die Drohne schon mit der Alarmierung der Einsatzkräfte losgeschickt und es können erste Bilder von der Einsatzstelle geliefert werden, noch bevor Einsatzkräfte eintreffen.
Bei welchen Einsätzen verwendet die Feuerwehr Wiesbaden die automatisierte Drohne?
Die Feuerwehr Wiesbaden nutzt die Drohne für Einsätze, bei denen sie einen schnellen Überblick über die Einsatzstelle liefern kann oder der Einsatzort in schwer zugänglichen Bereichen liegt, zum Beispiel bei Bränden, Hochwasser, Verkehrsunfällen oder Personensuchen. Sie liefert wichtige Informationen aus der Luft, die zur besseren Lagebeurteilung und schnelleren Hilfe beitragen.
Was bedeutet „automatisierter Drohneneinsatz“?
„Automatisiert“ bedeutet, dass die Drohne nach der Freigabe durch den Piloten selbstständig die berechnete Route zur Einsatzstelle abfliegt. Sensoren überwachen den Flug und erkennen potenzielle Hindernisse, die automatisch umflogen werden. Der Pilot kann jederzeit eingreifen, etwa um Menschenansammlungen zu meiden oder den Flug bei anfliegenden Hubschraubern zu unterbrechen. Eine vollständig autonome Nutzung ohne menschliche Aufsicht findet nicht statt. Zusätzlich wurden im Vorfeld zahlreiche Bereiche definiert, die aus Sicherheitsgründen nicht überflogen werden dürfen.
Wann und wo wird die Drohne eingesetzt?
Die Drohne kommt zum Einsatz, wenn ein Nutzen für die Bearbeitung der Feuerwehr- oder Katastrophenschutzlagen zu erwarten ist. Um diese Einsätze professionell durchführen zu können, sind Übungs- und Ausbildungsflüge in einem begrenzten Umfang erforderlich. Routineflüge oder Überwachungsmaßnahmen finden nicht statt.
Eine Übersichtskarte, in der die Drohneneinsätze im Nachgang anonymisiert dargestellt sind, kann unter dem nachfolgend aufgeführten Link aufgerufen werden.
Die Speicherung, Verarbeitung und Löschung der Daten erfolgen nach den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie nach den internen Datenschutzrichtlinien der Landeshauptstadt Wiesbaden. Der Zugriff ist streng reglementiert und nur autorisierten Personen gestattet.
Können private Grundstücke oder Personen unbeabsichtigt erfasst werden?
Die Drohnen starten nur, wenn es einen konkreten Feuerwehr- oder Katastrophenschutzeinsatz gibt. Allgemeine Überwachungsflüge oder Beobachtungen ohne Einsatzanlass finden nicht statt.
Falls es im Einsatzgebiet nicht vollständig auszuschließen ist, werden Daten nur im notwendigen Umfang erhoben und nicht zur Identifikation einzelner Personen verwendet. Während des Anflugs müssen die Videoaufnahmen der Umgebung in den Leitstand der Drohne übermittelt werden, damit der sichere Flug überwacht werden kann. Durch die Flughöhe und die Ausrichtung auf die Einsatzstelle wird die unbeabsichtigte Erfassung personenbezogener Daten minimiert.
Rechtliche Grundlagen
Auf welcher rechtlichen Basis werden die Drohnen eingesetzt?
Der Einsatz erfolgt im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben der Feuerwehr nach dem Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG) sowie den luftrechtlichen Bestimmungen der Europäischen Union (EU-Drohnenverordnung) und der deutschen Luftverkehrs-Ordnung.
Wer ist verantwortlich, wenn eine Drohne einen Schaden verursacht?
Die Feuerwehr Wiesbaden trägt die Verantwortung für den rechtmäßigen Einsatz. Das Unternehmen Skyflow setzt den Drohnenbetrieb im Auftrag der Feuerwehr Wiesbaden technisch um und gewährleistet die sichere Durchführung der Flüge. Die Feuerwehr Wiesbaden beaufsichtigt den Betrieb entsprechend den gesetzlichen Vorgaben. Alle Geräte sind haftpflichtversichert und entsprechen den geltenden Sicherheitsnormen.
Technik & Sicherheit
Wie funktioniert der automatisierte Einsatz technisch?
Der Drohneneinsatz startet automatisch anhand des Einsatzortes, der in der Leitstelle erfasst wird. Die Flüge werden jederzeit durch die Piloten und Pilotinnen von Skyflow überwacht.
Die Drohnen sind mit modernen Sensoren, Wärmebild- und HD-Kameras ausgestattet. GPS-gestützte Systeme ermöglichen präzise Flugrouten, automatische Rückkehrfunktionen und sichere Landungen.
Kann die Drohne auch bei Nacht und bei schlechtem Wetter eingesetzt werden?
Bei Nacht ist der Drohneneinsatz grundsätzlich möglich, da die Positionsbestimmung mittels GPS auch ohne Sicht funktioniert. Zunächst wird die automatisierte Drohne aber nur über Tag eingesetzt. Die Drohne kann bei starkem Wind, starken Niederschlägen oder Extremwetterlagen nicht eingesetzt werden. Die Drohnenpiloten haben ständig Zugriff auf Wetterdaten und Meldungen des Fluggeräts und brechen den Drohneneinsatz ab, bevor die Einsatzgrenzen erreicht werden.
Wie hoch fliegt die Drohne?
Auf dem Weg zur und von der Einsatzstelle fliegt die Drohne auf 100 bis 120 Meter über Grund. An der Einsatzstelle wird die Höhe an die lokalen Anforderungen angepasst. Die Mindesthöhe beträgt 30 Meter, um ausreichend Abstand zu gewährleisten.
Was passiert bei einem technischen Ausfall?
Die Drohne verfügt über Sicherheitsmechanismen wie automatische Landung, Rückkehrfunktion und Notabschaltung. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme ist die Drohne mit einem Fallschirm ausgestattet, der im unwahrscheinlichen Fall eines Absturzes die Aufprallenergie der Drohne deutlich vermindert. Dadurch wird ein Schaden durch Absturz der ohnehin recht leichten Drohnen minimiert. Eine regelmäßige Wartung der Drohne und kontinuierliche Schulungen des Personals gewährleisten den sicheren Betrieb.
Wie erkennt man die Drohne der Feuerwehr Wiesbaden?
Die Drohnen der Feuerwehr Wiesbaden wird mit roter und gelber Beklebung gekennzeichnet. Allerdings ist diese Kennzeichnung aufgrund der geringen Größe der Drohne nur aus der Nähe und nicht bei der üblichen Flughöhe erkennbar. Im Rahmen der Luftraumüberwachung sendet die Drohne permanent Signale über ihren Standort und kann so beispielsweise durch die Polizei identifiziert werden.
Wie wird gewährleistet, dass die Drohne keinen Konflikt mit privatem oder kommerziellem Flugverkehr verursacht?
Die Drohne der Feuerwehr fliegt in einer Höhe von 100 bis 120 Metern. Der Überflug über Wiesbaden mit privaten oder kommerziellen Luftfahrzeugen erfolgt in der Regel deutlich höher, daher kommt man sich nicht in die Quere. Dort, wo andere Luftteilnehmer starten und landen, fliegt keine Feuerwehr-Drohne. Mit Organisationen wie Polizei oder den Betreibern der Rettungshubschrauber, die auch an anderen Stellen landen als an offiziellen Landeplätzen, stimmt sich die Einsatzführung bei einem Drohneneinsatz ab.
Wie laut ist die Drohne?
Die Drohne ist sehr leise und in der städtischen Geräuschkulisse kaum wahrzunehmen. Lediglich beim Start oder der Landung kommt es zu einem hörbaren Geräusch in der Nähe.
Einsatzpraxis
Wie unterstützt die Drohne die Einsatzkräfte konkret?
Sie liefert in Echtzeit Luftbilder, Wärmebilder und Lageinformationen, die eine gezieltere Einsatzplanung ermöglichen, zum Beispiel zur Lokalisierung des Unfallortes, von vermissten Personen oder von Glutnestern.
Wie oft wird die Drohne eingesetzt?
Die Drohne startet nur bei Einsätzen, bei denen luftgestützte Informationen sinnvoll sind. Routine- oder Überwachungsflüge finden nicht statt.
Kosten & Finanzierung
Wie wird das Pilotprojekt finanziert?
Das Pilotprojekt wird aus städtischen Haushaltsmitteln finanziert.
Führt der Drohneneinsatz zu Einsparungen?
Langfristig trägt der Einsatz zur effizienteren Gefahrenabwehr bei, da Einsätze gezielter, sicherer und schneller durchgeführt werden können. Die Einsparungen können z.B. aus geringerem Schadensausmaß oder weniger Einsatzfahrten und damit geringerem Kraftstoffverbrauch resultieren, lassen sich aber nur schwer beziffern. Zu erwarten ist aber die Steigerung der Sicherheit der Bürger*innen mit relativ geringem Einsatz von Finanzmitteln.