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Stadtlexikon Wiesbaden

Nassauischer Verein für Naturkunde

Seit über 180 Jahren engagiert sich der Nassauische Verein für Naturkunde für die Erforschung und Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte.

Details

Am 31. August 1829 gründeten 141 Wiesbadener auf Anregung des Majors Anton Philipp Freiherr von Breidbach-Bürresheim den „Verein für Naturkunde im Herzogthum Nassau“, der nach der Annexion Nassaus durch Preußen 1866 seinen heutigen Namen erhielt.

Vereinsziel war „... das Interesse an der Natur und an dem Studium derselben zu wecken, letzteres durch geordnet aufgestellte Sammlungen aus allen Naturreichen möglich zu machen und zu befördern und der Naturkunde nach Kräften Beziehung auf das praktische Leben zu geben.“ Die Gründung fand im 1. Stock des Erbprinzenpalais (heute Sitz der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden) in der Wilhelmstraße statt. Hier wurde auch gleichzeitig das Naturkundemuseum (heute Naturhistorische Sammlungen im Museum Wiesbaden) eingerichtet, zu dessen Anfangsbestand die Vogelsammlung des Freiherrn von Breidbach-Bürresheim, die Mineralien- und Gesteinssammlung des Freiherrn Karl vom und zum Stein und die Schmetterlings- und Insektensammlung Johann Isaac Freiherr von Gernings zählten.

Johann Karl Jakob Thomae führte 1838 die wissenschaftlichen und populären Vorträge ein, die bis heute veranstaltet werden. Die 1840er-Jahre markierten eine erste Blüte des Vereins, der zu dieser Zeit mehr als 500 ordentliche und eine große Zahl korrespondierender und Ehrenmitglieder hatte. Seit 1844 gibt der Verein das Jahrbuch des Nassauischen Vereins für Naturkunde heraus, von dem bis heute 133 Bände erschienen sind. Viele bedeutende wissenschaftliche Arbeiten zur Geologie und Biologie der Region sowie zum Inhalt der NWS wurden hier publiziert. Alle Publikationen des Vereins liegen heute digital auf CD vor, die jeweils erste Seite eines Fachbeitrags im Jahrbuch kann seit 2010 auch auf der Homepage des Vereins eingesehen werden. Ab 1866 wurden auch Frauen Mitglieder des Vereins.

Vorsitzende in dieser Zeit waren der Geologe Carl Ludwig Fridolin von Sandberger, der Chemiker Carl Remigius Fresenius, der Insektenforscher Carl Ludwig Konrad Kirschbaum, der Geologe und Fledermauskenner Carl Koch und der Ohrenarzt und Schmetterlingskundler Arnold Andreas Friedrich Pagenstecher. Ihnen folgten der Chemiker Heinrich Fresenius und der Geologe August Leppla. Nach dessen Tod übernahm der Gymnasiallehrer und spätere Oberstudiendirektor Friedrich Heineck die Leitung des Vereins, den er, mit einer Unterbrechung von 1938 bis 1945, bis 1960 führte.

1915 bezog der Verein mit der Naturwissenschaftlichen Sammlung den Nordflügel des Museumsneubaus, den die Stadt Wiesbaden, seit 1900 Eigentümerin des Museums, hatte errichten lassen. Heineck sah die Hauptaufgabe der Schausammlungen darin, die Besucher zu belehren. Unterstützung erfuhr er dabei von dem Geologen Max Galladé, dem Kustos der Zoologie Christian Fetzer und dem Präparator Joseph Burger.

Während der Zeit des Nationalsozialismus trat Heineck 193 als Vorsitzender zurück und Karl Fill, seit 1938 Direktor des Naturkundemuseums, wurde sein Nachfolger. Über das Schicksal der von den Nazis als Juden verfolgten Vereinsmitglieder, die den Verein bis 1938 hatten verlassen müssen, wird im Jahrbuch 128/2007 berichtet.

Die erste Hauptversammlung nach dem Krieg fand am 15.4.1946 statt. Als Vorsitzender wurde erneut Heineck gewählt. Im Winter 1946/47 wurden die Vorträge wieder aufgenommen, 1947 die ersten Exkursionen veranstaltet. Unter großen Schwierigkeiten wurde die Naturkundliche Schausammlung wieder aufgestellt. Wichtige Hilfe dabei leistete Fritz Neubaur, seit 1948 am Museum tätig und seit 1951 Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlung. Die Zahl der Mitglieder stieg bis Ende 1956 auf über 400.

1960 übernahm der Geologe Karl Franz Michels den Vereinsvorsitz. Unter seinen Nachfolgern, den Geologen Hansjoachim Lippert und Ernst Pauly, kam es trotz eines anspruchsvollen Veranstaltungsprogramms zu einem stetigen Rückgang der Mitgliederzahlen. Erst unter ihrem Nachfolger ab 1996, dem Geologen Hans-Jürgen Anderle, stieg die Zahl der Mitglieder wieder bis auf über 330 an. Dies ist Folge der Öffnung des Vereins nach außen und nicht zuletzt dem medienwirksamen Einsatz des Vereins für die Erhaltung der Naturwissenschaftlichen Sammlung geschuldet, deren Bestand zeitweise durch die Verlagerung des Schwerpunkts der Museumsarbeit auf moderne Kunst gefährdet war.

Der Verein wurde bereits dreimal mit der Stadtplakette in Gold der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet: 1952 nach Abschluss der Neuaufstellung der Schausammlung, 1979 zum 150-jährigen Bestehen und 2004 bei der 175-Jahrfeier im Kurhaus.

Literatur