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Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden

Neuer Tagungsband des Stadtarchivs beleuchtet Umbruch in Rhein-Main nach 1945

Anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes beleuchtet der neue Tagungsband des Stadtarchivs den demokratischen Wiederaufbau in unserer Region nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf 328 Seiten präsentieren 21 Autorinnen und Autoren tiefgreifende Analysen zu kommunaler Selbstverwaltung, dem Schicksal Verfolgter und der Bewältigung massiver Nachkriegsnot. Das Werk basiert auf einem Fachkolloquium, das 2025 im Kulturforum Wiesbaden stattfand.

Zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung Wiesbadens durch die Alliierten organisierte das Stadtarchiv Wiesbaden gemeinsam mit der Kulturregion Frankfurt-Rhein-Main und der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung im Frühling 2025 ein Kolloquium. Unter dem Titel „80 Jahre Kriegsende: Demokratischer Neubeginn 1945 in Rhein-Main“ tauschten sich am 15. Mai 2025 im Kulturforum Wiesbaden rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Sie diskutierten das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Aufbau demokratischer Strukturen in der Rhein-Main-Region ab 1945. Vorträge aus der ganzen Region beleuchteten dabei individuelle Perspektiven und Schilderungen lokaler Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkrieges und in der direkten Nachkriegszeit. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Rolle der Städte und Gemeinden gelegt, die als erstes wieder mit deutschen Entscheidungsträgern besetzt wurden.

„So gesehen, waren die Kommunen das Fundament des demokratischen Staatsaufbaus 1945“, erklärt Dr. Peter Quadflieg, der Leiter des Stadtarchivs. „Vor 80 Jahren mussten diese Strukturen jedoch erst neu aufgebaut werden, da die Nationalsozialisten die kommunale Selbstverwaltung ab 1933 ausgehöhlt und durch das ‚Führerprinzip‘ ersetzt hatten.“ Unmittelbar nach Kriegsende 1945 begannen die alliierten Besatzungsmächte daher mit dem Wiederaufbau der kommunalen Verwaltungen, Jahre bevor es 1949 zur Neugründung der Bundesrepublik kommen sollte. Städte, Gemeinden und Kreise erhielten zugleich eine Schlüsselrolle bei der Demokratisierung des politischen Lebens in Westdeutschland. 

Die Herausforderungen jener Tage waren gewaltig. Die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen, die Beseitigung massiver Kriegsschäden und der verzweifelte Kampf gegen den Mangel an Wohnraum und Lebensmitteln prägten den Alltag. Inmitten dieser Not wurden in Hessen jedoch auch wichtige gesellschaftliche Weichen gestellt. Es entstanden städtische Betreuungsstellen für politisch, rassisch und religiös Verfolgte, die die Opfer des NS-Regimes versorgten und damit eine erste notwendige Auseinandersetzung mit den begangenen Verbrechen einleiteten.

„Ich freue mich sehr, dass das Stadtarchiv 2025 die Aufgabe übernommen hat, für die Landeshauptstadt Wiesbaden an ihren demokratischen Neubeginn vor 80 Jahren zu erinnern“, erklärt Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl. „Mit der nun vorliegenden schriftlichen Dokumentation des Kolloquiums lassen sich die Diskussionsbeiträge des Vorjahres nachlesen und vertiefen“, so der promovierte Historiker Schmehl weiter. „Dabei ist besonders der Blick auf die kritischen Anfangsjahre unsere Demokratie vor 80 Jahren sehr spannend.“ 

Der nun als Band 18 der Reihe „Schriften des Stadtarchivs Wiesbaden“ erschienene Tagungsband fasst die Ergebnisse des Kolloquiums zusammen und erweitert sie um eine Reflexion des bisherigen Erinnerns an das Kriegsende. „Aufgrund der großen Resonanz auf die Beitragsaufforderung für das Kolloquium 2025 in Wiesbaden konnten damals nicht alle Beiträge auf der eintägigen Konferenz vorgestellt werden,“ erklärt Quadflieg. „Da lag es nahe, im Tagungsband auch die Einreichungen zu berücksichtigen, die auf dem Kolloquium nicht vorgetragen werden konnten.“ Unter dem Titel „Kriegsende und Neuanfang an Rhein und Main“ präsentiert das Buch auf 328 Seiten nun Beiträge von insgesamt 21 Autorinnen und Autoren aus der Region. Geografisch werden neben Wiesbaden und Frankfurt am Main auch Aschaffenburg, Darmstadt, Bad Nauheim, der Landkreis Usingen und weitere Orte behandelt.

Thematisch streift der Band neben Darstellungen des unmittelbaren Kriegsendes und der Besatzung, den demokratischen Aufbau kommunaler Verwaltungen, die juristische und persönliche Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen sowie biografische Zugänge zur Frage nach den Herausforderungen für die Demokratie in der direkten Nachkriegszeit. Er schließt mit der Reflexion des Kriegsendes in der Gegenwart.

Der in Zusammenarbeit mit der KulturRegion FrankfurtRheinMain und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung herausgegebene Tagungsband ist bei der Hessischen Landeszentrale und im Buchhandel erhältlich.

Peter Quadflieg, Katherine Lukat (Hg.): Kriegsende und Neubeginn an Rhein und Main. Perspektiven auf das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Beginn des demokratischen Wiederaufbaus im Rhein-Main-Gebiet, Schriften des Stadtarchivs Wiesbaden, Bd. 18, Wiesbaden 2025, 328 S., ISBN: 978-3-9825083-3-7, Preis: 39,99 Euro.

Bilder

Die Grafik zeigt das Buchcover; in der oberen Bildhälfte ist eine historische Aufnahme des Schlossplatzes in Schwarz-Weiß zu sehen. Der Titel lautet: Kriegsende und Neuanfang an Rhein und Main
Buchcover des neuen Tagungsbandes "Kriegsende und Neuanfang an Rhein und Main"

Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.

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