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Schreinerei Martin Kretschmer – Holz und Form

In unserem Unternehmen soll in allen Belangen immer der Mensch im Mittelpunkt stehen. Hohe Qualität, Achtung vor den Bedürfnissen sowohl unserer Kunden als auch unserer Angestellten sowie unser Verhalten beim Einkauf von Materialien, sind Ausdruck dieses Gedankens.

Oktober 2023

Unternehmen:
Martin Kretschmer 

Gründer:
Schreinerei Martin Kretschmer – Holz und Form

Gründungsdatum:
1. März 2023

Branche:
Handwerk

Was treibt Sie an? Was ist Ihr Leitspruch?

Der Mensch muss immer im Mittelpunkt stehen. Das gilt für die im Unternehmen Beschäftigten, für die Kunden sowie meine Lieferanten und alle anderen, die mit unserer unternehmerischen Tätigkeit zu tun haben. 

Die hohe Qualität unserer Produkte für mich ist kein reiner Selbstzweck. Auch wenn es bei einem Unternehmen darum geht, Geld zu verdienen, ist für mich jedes Stück, das wir anfertigen, ein Ausdruck der persönlichen Wertschätzung für den Kunden als Mensch. Gleiches soll für die Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen gelten.

Mich treibt die Idee, dass meine Angestellten abends nach Hause gehen können, mit dem Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. Außerdem natürlich, dass sie ein angemessenes Gehalt bekommen und dass wir ihnen gute Entwicklungsperspektiven bieten können.  

Außerdem finde ich, dass das Schreinerhandwerk einer der schönsten Berufe ist. Ich möchte mein Können und meine Erfahrung gerne weitergeben. Deshalb freut es mich auch besonders, dass wir schon ein halbes Jahr nach der Übernahme unsere erste Ausbildungsstelle besetzen konnten.

Interview mit dem Gründer

Worum geht es bei Ihrer Gründung und was ist das Besondere daran?
Meine Gründung beruhte vor allem auf der Möglichkeit zur Übernahme. Als mein Vorgänger mich gefragt hat, ob ich übernehmen will, war mir sofort klar, dass ich das auf jeden Fall machen werde. Ich habe einen Betrieb mit vielen Kunden, einem guten Netzwerk und einer guten Ausstattung übernommen. Das Besondere war, dass ich keine Mitarbeiter übernehmen konnte, da ich vorher der einzige in der Produktion beschäftigte Festangestellte war.

Mein Ziel ist, einen Ort mit einem guten Betriebsklima und guten Perspektiven für alle, die dort arbeiten, zu schaffen.

Was sind Ihre ersten Erfolge?
Als größten Erfolg sehe ich das wunderbare Team, das gerade entsteht. Vor der Übernahme war ich der einzige Angestellte und Fachkräfte sind ja bekanntermaßen rar.

Hier war mein erster Erfolg, meine Partnerin, Frau Lange, davon zu überzeugen, mit einem Minijob bei mir einzusteigen. Mit ihren sehr guten Kenntnissen in der Büroorganisation und im Bereich Marketing hat sie eine tragende Rolle in meinem Unternehmen.

Über einen Kontakt habe ich meinen ersten Angestellten für die Werkstatt kennengelernt, der aus Ukraine stammt. Er ist gelernter Elektriker, bringt aber auch einige Jahre Erfahrung im Bereich Möbelmontage mit. Außerdem lernt er sehr engagiert Deutsch und hilft mir, meine Ukrainischkenntnisse zu verbessern.

Im Juni hat sich ein "Jungmeister" bei uns beworben, der sich dann auch tatsächlich für uns entschieden hat. Er soll in Zukunft die Leitung der Produktion und die Ausbildung übernehmen. Dass er mir als Meister in technischen sowie in kaufmännischen Fragen zur Seite steht, ist ein großer Gewinn.

Ab September wird eine Auszubildende unser Team bereichern, ab Oktober ein sehr guter ehemaliger Mitarbeiter, in Teilzeit.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?
2004 bis 2007 Ausbildung zum Holzbildhauer in Flensburg
2010 Ausbildung zum Schreinergesellen
2018 Meisterprüfung im Schreinerhandwerk
2023 Übernahme der Schreinerei Kleeschulte

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Diese Frage lässt sich relativ einfach beantworten:  Die Vorbesitzer haben 2022 entschieden, in Rente zu gehen – ich stand also vor der Entscheidung, ob ich mir eine neue Stelle suchen oder den Betrieb übernehmen wollte.

Eine Anstellung zu finden wäre kein Problem gewesen, das war für mich aber keine Option, schon deshalb, weil es mir mit zunehmendem Alter schwerer fällt, mich unterzuordnen und Entscheidungen über meine Arbeitsweise nicht selbst treffen zu können.

Deutschland hat, vor allem im KMU-Bereich, ein schwerwiegendes Nachfolgeproblem, immer mehr (Handwerks-)-Betriebe müssen schließen, weil sich keine geeignete Nachfolge findet. Die Schreinerei Holz und Form sollte keiner davon sein. Den Betrieb gibt es seit über 30 Jahren, in diesen Räumen und an diesen Maschinen habe ich das Schreinerhandwerk erlernt und unzählige Kundinnen und Kunden glücklich gemacht. Das wollte ich einfach nicht aufgeben.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?
Beratung und Unterstützung habe ich an verschiedenen Stellen erhalten.

Zuerst einmal natürlich bekam und bekomme ich Unterstützung von meinen Vorgängern, die mir zur Übernahme ein paar interessante Aufträge übergeben haben, die sie teilweise noch selbst geplant hatten.

Sie haben Kontakte für mich hergestellt, sich bei Lieferanten dafür eingesetzt, dass ich ihre guten Konditionen übernehmen kann und sie empfehlen mich aktiv weiter. Wenn ich ein technisches Problem habe oder zum Beispiel Fragen bei der Kalkulation von Aufträgen, rufe ich sie an und bekomme immer Hilfe. Das ist ein großer Vorteil, den die Übernahme gegenüber einer Neugründung bietet.

Die nächste Anlaufstelle war für mich die HWK Wiesbaden. Hier bekam ich umfassende Unterstützung für die Erstellung meines Businessplans.

Wir haben zwar alle hierfür relevanten Themen in der Meisterschule behandelt, aber ohne die wirklich sehr gute Beratung dort hätte ich große Schwierigkeiten gehabt, so etwas wie eine Rentabilitätsvorschau, ein Finanzierungskonzept oder die Liquiditätsplanung in so kurzer Zeit und in so guter Qualität zu erstellen.

Ich kann nur allen raten, die über eine Gründung oder Übernahme im Handwerk nachdenken, dieses Angebot zu nutzen.

Bezüglich der Finanzierung und Versicherungen hat mich meine Hausbank sehr kompetent betreut.

Lobend erwähnen will ich auch die anderen Beratungsstellen der HWK, wo ich zum Beispiel durch die "Willkommenslotsin" viel Unterstützung bei der Einstellung meines ukrainischen Mitarbeiters erhalten habe. Auch beim Jobcenter wurde ich von der Betreuerin dieses Mitarbeiters sehr engagiert beraten, was den rechtlichen Rahmen und die Fördermöglichkeiten angeht.

Ohne diese Beratungen wäre ich nicht so weit gekommen, wie ich es jetzt bin.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründer erlebt?
Sehr unwirklich, ich hatte ja bereits seit über 10 Jahren in dem Betrieb gearbeitet, den ich dann übernommen habe. Die ersten Tage bin ich immer zielstrebig auf meine Werkbank zugelaufen, anstatt ins Büro abzubiegen. Das hat sich aber schnell gelegt und ich wachse jeden Tag ein bisschen mehr in meine neue Rolle.

Gerade in den ersten Wochen habe ich meine neuen Gestaltungsspielräume sehr genossen und konnte Abläufe und Strukturen in der Werkstatt optimieren und nach meinen Vorstellungen anpassen. Gleichzeitig kamen aber auch zahlreiche neue Aufgabenbereiche hinzu, in die ich mich komplett neu eindenken und einarbeiten musste, das habe ich als sehr herausfordernd erlebt.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?
Die größte Hürde war sicherlich der Spagat zwischen den unterschiedlichen Arbeitsbereichen und Herausforderungen, die gerade zu Beginn gehäuft aufkamen. Neben der ganzen Bürokratie musste ich mich einerseits selbst in neue Prozesse, Bereiche und Programme einarbeiten, gleichzeitig aber auch neue Mitarbeiter einarbeiten und die komplette Planung übernehmen.

Ich konnte deutlich weniger Zeit in der Werkstatt verbringen als geplant, einen Auftrag mussten wir zu Beginn ablehnen. Zusätzlich kamen einige bürokratische Hürden dazu, zum Beispiel dauerte es sehr lange, bis uns vom Finanzamt eine Steuernummer zugeteilt wurde. Ohne Steuernummer konnten wir aber keine Rechnungen ausstellen usw.

Die Lösung lag schon auf der Hand: Es war völlig klar, dass es in der Werkstatt mehr Leute brauchte, die meine Liebe zum Schreinerhandwerk teilen. Wie das geklappt hat, habe ich ja oben beschrieben.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?
Die Schreinerei gab es vor der Übernahme schon über 30 Jahre. Daher profitieren wir, gerade jetzt zu Beginn, von einer guten Stammkundschaft. Hierzu gehören neben zahlreichen Privatkunden auch gewerbliche Kunden, vor allem Praxen.

Gepaart mit einer ausgeprägten Mund-zu-Mund-Propaganda haben wir auch ohne weitere Werbemaßnahmen gefüllte Auftragsbücher. Doch es wäre aber ein Fehler, sich hierauf auszuruhen, daher möchten wir in Zukunft unsere Homepage professionalisieren und unsere SEO optimieren. Zusätzlich werden wir auf Social Media präsent sein und unsere Reichweite hier kontinuierlich erweitern.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?
Mit Hilfe des KFW-Startgelds. Den Kredit habe ich bereits im November 2022 bei unserer Hausbank beantragt, hier wurde ich auch bezüglich nötiger Versicherungen ausführlich beraten. Dann hieß es warten. Ich hatte keinen wirklichen Plan B, was die Finanzierung anging. Ende Januar kam dann, quasi als verspätetes Weihnachtsgeschenk, die Zusage. Dann ging alles sehr schnell und ein Termin jagte den nächsten, Formulare, Anträge und Verträge stapelten sich auf meinem Schreibtisch. Im März war ich dann ganz offiziell Inhaber. Für den Kredit waren keine Eigenmittel nötig, lediglich ein solider Business-Plan. Die ersten zwei Jahre ist der Kredit tilgungsfrei, das nimmt für den Start einiges an Druck raus.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?
Ich möchte mit der Schreinerei einen Raum schaffen, in dem sich Menschen wohlfühlen und gerne arbeiten, ganz unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter oder anderen Faktoren. Leider ist das im Handwerk noch nicht selbstverständlich. Hierzu gehört für mich einerseits, dass Mitarbeitende ihre Stunden und Arbeitszeiten an ihre Lebenslage anpassen können.

Außerdem wünsche ich mir, dass wir auch in Zukunft Menschen für das Schreinerhandwerk begeistern können und alle Mitarbeitenden ihre Ideen einbringen und Potentiale entfalten können.

Was mich auch umtreibt, wäre auch Kunden zu gewinnen, die sich eigentlich keine Möbel in der Qualität leisten können oder wollen, wie wir sie herstellen. Ein gut durchdachtes und gut gearbeitetes Möbelstück kann bei guter Pflege über hundert Jahre halten - und sieht auch mit Gebrauchsspuren nicht schäbig aus.

Mein Ziel ist, durch Recycling, Optimierung der Abläufe und Überzeugungsarbeit irgendwann auch weniger kaufkräftige Kunden bedienen zu können.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich mehr Zeit hätte würde ich ...
... Möbel für mich selbst bauen.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Sich einfach trauen, Hilfe und Beratung anzunehmen und das Wichtigste: delegieren lernen.

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