27. Januar: Erinnern an die Opfer
Von Ausstellungen über Lesungen bis zu Filmvorführungen – die Veranstaltungen im Rahmen der Kulturreihe "27. Januar: Erinnern an die Opfer" widmen sich dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
Erinnerungskultur ist mehr als die Pflege von Gedenkorten und die Durchführung von jährlichen Ritualen. Mit immer wieder neuen, innovativen Beiträgen zur Reihe "Erinnern an die Opfer" sorgen die in der Gedenk- und historischen Bildungsarbeit Aktiven jedes Jahr dafür, dass die Wiesbadener Erinnerungskultur kein starres Gebilde ist. Die zahlreichen beteiligten Institutionen, Vereine und Einzelpersonen fördern das Geschichtsbewusstsein in der Stadt. Dank ihres Engagements ist in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt wieder ein interessantes Programm rund um den 27. Januar entstanden.
Filme, Lesungen, Vorträge, Theaterstücke und Ausstellungen eröffnen vielfältige Zugangsmöglichkeiten zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Gedenken an die Opfer.
Veranstaltungen 2026
Die Macht der Entscheidung (Auf Anfrage)
Dieses Angebot für Schulklassen ab dem 9. Schuljahr besteht aus einer Lesung von Zeitzeug*innen-Berichten aus Wiesbaden und Theatertexten, dem gleichnamigen Kurzspielfilm und einem moderierten Dialog mit den Schülerinnen und Schülern zu der Frage "Was kann ich tun?" und ein Blick auf die Wiesbadener Stadtgeschichte.
Anfang der dreißiger Jahre in Wiesbaden: In der Bergkirche wird ein neuer Pfarrer der Deutsch-Christen eingesetzt, der die widerständige Gemeinde spalten soll. Franz-Ludwig von Bernus, Pfarrer der Bekennenden Kirche, leistet ihm Widerstand. Die junge, frisch verliebte Else ist auf der Suche nach Arbeit. Rudi, ihr Freund, hat seine eigene Vorstellung von einer deutschen Frau. Und auch Heinrich, ein Konfirmand, bekommt den Druck durch die politischen Veränderungen zu spüren. Wie werden sie sich entscheiden?
Film, Lesung und Diskussion
Auf Anfrage, Emma – die Theaterwerkstatt
Kurzspielfilm 2022
Infos, Kosten & Anmeldung unter
ticketsemma-und-code
Eine Veranstaltung des Freien Theater Wiesbaden
"Bis die Sterne zittern" (Prolog)
Mitmachen, sich still anpassen oder Kontra geben? Mitreißend schildert Johannes Herwig das Erwachsenwerden in einer Diktatur und ist damit erschreckend nah dran an unserer Zeit. In "Bis die Sterne zittern" erzählt der Leipziger Autor vom Erwachsenwerden in der NS-Zeit und vom gefährlichen Widerstand oppositioneller Jugendcliquen. Die "Leipziger Meuten", ähnlich den "Edelweißpiraten", haben Herwig zu seinem Debüt inspiriert.
Wir treffen den 16-jährigen Harro in Leipzig am ersten Tag der Sommerferien im Jahr 1936. Als er in eine Prügelei mit Hitlerjungs verwickelt wird, erhält er Hilfe von Gleichgesinnten, die wie er nichts mit der Nazi-Ideologie zu tun haben wollen.
Johannes Herwig erlebte die Nachwendezeit als Punk. Er studierte Soziologie und Psychologie und ist seit 2013 als freier Autor tätig. Für seinen ersten Roman „Bis die Sterne zittern“ war er für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und wurde mit dem Paul-Maar-Preis ausgezeichnet. 2024 erhielt er den Anna-Seghers-Preis. Von ihm erschienen zudem „Scherbenhelden“ und „Halber Löwe“.
Schullesung von Johannes Herwig
Donnerstag 15. Januar 2026
11 Uhr, Literaturhaus Villa Clementine
Geschlossene Schullesung für 9. und 10. Klasse
Anmeldung erforderlich unter
literaturhauswiesbadende
Eine Veranstaltung des Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden
Rechter Terror in Hessen (Prolog)
Die Jahre 2019 und 2020 stellen einen traurigen Höhepunkt in der Geschichte rechter Gewalt in Hessen dar: Mit dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke und dem Attentat von Hanau sind innerhalb kürzester Zeit elf Menschen kaltblütig aus ihrem Leben gerissen worden. Es sind nur die drastischsten Beispiele der jüngeren Jahre, die überdeutlich gezeigt haben: Rechter Terror kann sich auch in Hessen jederzeit Bahn brechen.
Der Blick in die Geschichte zeigt, dass rechter Terror alles andere als ein neues Phänomen ist – auch nicht in seiner tödlichen Dimension. Seit Gründung des Bundeslandes haben mindestens 20 Menschen durch brutale rechte Gewalt ihr Leben verloren.
Der Politikwissenschaftler Sascha Schmidt und die Politikwissenschaftlerin Yvonne Weyrauch haben in ihrem Buch „Rechter Terror in Hessen – Geschichte, Akteure, Orte“ die Kontinuität rechter Gewalttaten in Hessen nach 1945 aufgearbeitet. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden mit Abbildungen des Hannoveraner Fotografen Mark Mühlhaus in der Ausstellung zusammengebracht.
Ausstellungseröffnung
Montag, 19. Januar 2026
18 Uhr, Rathaus Wiesbaden, Foyer
Laufzeit: Dienstag, 20., bis Freitag, 30. Januar 2026
Eine Ausstellung des DGB-Bildungswerks Hessen, gefördert von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung
"Aber Meine sind nicht da – ich bin allein"
Anhand der Geschichte der Jüdin Anna Kaletska, die im September 1946 in Wiesbaden durch den Psychologen David P. Boder interviewt wurde, beschäftigt sich Christina Wirth mit dem Themenkomplex der Befreiung 1945. Kaletska wurde zusammen mit knapp 800 jüdischen Frauen in einem westfälischen Dorf befreit und äußert sich hoffnungslos und höchst traumatisiert in ihrem Interview über das Erlebte. Anhand ihrer Geschichte zeigt sich, dass die Befreiung für viele zwar das Ende der Verfolgungs- aber nicht das Ende der Leidensgeschichte war.
Vortrag zu jüdischem Leben nach der Befreiung 1945 von Christina Wirth
Montag, 19. Januar 2026
19 Uhr, Jüdische Gemeinde Wiesbaden
Anmeldung erforderlich unter
infojg-wide oder Telefon 0611 9333030
Eine Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden in Kooperation mit dem Stadtarchiv Wiesbaden
Jüdischer Alltag unter dem Hakenkreuz
Gerda M. Meyer, 1910-2009, war vor 1933 Schülerin der Alice Salomon Schule für Soziale Frauenarbeit in Berlin und wurde während der NS-Zeit aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt. Die in einem Dokumentarfilm verarbeitete Lesung ihrer Tagebuchnotizen von 1939 bis 1945 verdeutlicht eindrucksvoll, wie sich das Leben einer vom NS-Regime als jüdischer "Mischling" abgestempelten jungen Frau veränderte.
Schilderungen von Spaziergängen und Kinobesuchen, von brutaler Ausgrenzung und erzwungener Vereinsamung zeigen die Gleichzeitigkeit von Bewahrtem und Zerstörtem. Eine Notiz kündet vom Selbstmord ihres aus Wiesbaden stammenden Verlobten Werner Rabinowicz.
Adriane Feustel, Mitgründerin und langjährige Leiterin des Alice Salomon Archivs Berlin, führt in den Film ein. Sie hat Gerda M. Meyer 1991 und 1992 interviewt.
Film über die Wahrnehmungen einer jüdischen Überlebenden des NS-Regimes in Tagebuchnotizen und Interviews
Mittwoch, 21. Januar 2026
17.30 Uhr, Murnau-Filmtheater
Dokumentarfilm mit Diskussion
Eine Veranstaltung des Aktives Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte in Wiesbaden e.V. in Kooperation mit dem frauen museum wiesbaden und dem Murnau-Filmtheater. Der Film wird bereitgestellt vom Alice Salomon Archiv der ASH Berlin.
Rettet wenigstens die Kinder
Nach dem Novemberpogrom 1938 wurden mit einer außergewöhnlichen Rettungsaktion etwa 20 000 Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach Großbritannien und in andere Länder gebracht.
Angelika Rieber hat 2018 den Sammelband „Rettet wenigstens die Kinder“ herausgegebenen. Darin werden 20 Biografien von Kindern vorgestellt. In den letzten Jahren hat sie zahlreiche weitere Lebens- und Familiengeschichten erforscht, darunter auch von Kindern, die aus Wiesbaden stammten.
Anschaulich zeigen die Lebensgeschichten der geretteten Kinder, wie sich die Politik der Nationalsozialisten auf deren Leben auswirkte, wie die erzwungene Flucht aus Deutschland und die meist endgültige Trennung von den Angehörigen ihr weiteres Leben prägte. Auch die an der Rettungsaktion Beteiligten werden in den Blick genommen.
Vortrag von Angelika Rieber
Donnerstag, 22. Januar 2026
18.30 Uhr, vhs Wiesbaden, Villa Schnitzler
Anmeldung erforderlich unter anmeldungvhs-wiesbadende oder im Web unter www.vhs-wiesbaden.de
Kursnummer G13250, Teilnahmegebühr: 10 Euro
Eine Veranstaltung der vhs Wiesbaden in Kooperation mit Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.,
RAV Taunus, und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden e.V.
Suchen oder Abwarten?
Von Zeit zu Zeit geht ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit, wenn antisemitische und/oder antijudaistische Dimensionen von christlichen Kunstwerken publik werden. Die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) will diese "Entdeckungen" nicht länger dem Zufall überlassen, und hat sich daher selbst dazu verpflichtet, auf allen Ebenen aktiv nach Kunstwerken mit antisemitischen und/oder NS-Bezügen zu suchen.
Von dieser Pionierarbeit berichtet die kirchliche Beauftragte für Erinnerungskultur der EKBO, Marion Gardei. Im Anschluss an ihren Impulsvortrag diskutieren wir mit ihr, mit Dr. Markus Zink (Kunstbeauftragter der Evangelischen Landeskirche Hessen-Nassau) und dem Beauftragten für Interreligiösen Dialog Dr. Dr. Peter Noss die Situation in unserer Region.
Vortrag und Diskussion zum Umgang mit belasteter Kunst in evangelischen Kirchen
Donnerstag, 22. Januar 2026
19 Uhr, Haus an der Marktkirche Wiesbaden,
Friedrich-Naumann-Saal
Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung nicht erforderlich
Eine Veranstaltung des Evangelischen Dekanats Wiesbaden in Kooperation mit dem Zentrum Ökumene,
dem Zentrum Verkündigung der EKHN, der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden e.V.
Weltkarriere einer Lüge – Die Protokolle der Weisen von Zion
Eine obskure Schrift aus dem zaristischen Russland prägt bis heute den modernen Antisemitismus. Der Film folgt den Spuren der sogenannten Protokolle der Weisen von Zion von ihrer Entstehung bis zu ihrer globalen digitalen Wiederkehr. Er zeigt, wie Verschwörungsmythen gesellschaftsfähig wurden und bis heute Hass und Gewalt anstacheln. Ein aufrüttelnder Blick auf die Entstehung der gefährlichsten antisemitischen Erzählung der Moderne – die angebliche „jüdische Weltverschwörung“.
Film
Freitag, 23. Januar 2026
20.15 Uhr, Murnau-Filmtheater
Vorführung des Dokumentarfilms mit anschließendem Gespräch mit dem Regisseur
und Historiker Dr. Felix Moeller
D 2025, Regie: Felix Moeller
80 Minuten, DF, FSK: beantragt
Eine Veranstaltung des Murnau-Filmtheaters
In Memoriam
Die erfahrenen Musikerinnen und Musiker Gernot Süßmuth (Violine), Johannes Krebs (Violoncello) und Monica Gutman (Klavier) werden kurz vor dem internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus Kompositionen von D. Schostakowitsch, E. Schulhoff, J. Achron und A. von Zemlinsky spielen. Das Trio hat ein Programm mit tragischen, aber auch lebensbejahende Perspektiven des jüdischen Lebens der Komponisten aus Russland, Tschechien, Österreich und Litauen zusammengestellt.
Konzert zum Gedenken der Befreiung des KZ Auschwitz
Sonntag, 25. Januar 2026
17 Uhr, Rathaus Wiesbaden, Festsaal
Anmeldung erbeten unter
infogcjz-wiesbadende
Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Wiesbaden
Eugenische Phantasmen
Wiesbaden war einst ein zentraler Ort der nationalsozialistischen „Erb- und Rassenpflege“. Vom Landeshaus aus wurden Zwangssterilisationen organisiert und die psychiatrischen Kliniken in Hessen und Nassau koordiniert, darunter die Tötungs- und Zwischenanstalten Hadamar, Kalmenhof und Eichberg.
Die Historikerin und Preisträgerin des Wissenschaftsbuchs des Jahres 2025, Dagmar Herzog, erinnert an die auch nach 1945 fortwirkende Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen: „Menschen mit Beeinträchtigung waren keineswegs ›vergessene‹, sondern aggressiv verleugnete Opfer.“ Die Feindlichkeit gegenüber Menschen mit Behinderungen erreichte im Nationalsozialismus ihren grausamen
Höhepunkt, verschwand jedoch mit 1945 nicht. Eugenische Denkweisen und Praktiken lebten in Pädagogik und Sozialer Arbeit fort. Die Podiumsdiskussion geht dieser Geschichte nach und fragt nach deren Bedeutung für die Gegenwart.
Digitale Podiumsdiskussion zur Geschichte der Behindertenfeindlichkeit in der Sozialen Arbeit
Montag, 26. Januar 2026
19 Uhr, live auf YouTube, mit:
· Prof:in Dr:in Dagmar Herzog, University of New York (zugesagt)
· Prof:in Dr:in Anne-Dore Stein, Hochschule Darmstadt (zugesagt)
· Nicoletta Rapetti, Sozialpädagogin, Systemische Beraterin, Antidiskriminierungsberaterin, BiBeZ e.V. Heidelberg (angefragt)
Teilnahme unter www.youtube.com/@Spiegelbildwiesbaden
Eine Veranstaltung von Spiegelbild – Politische Bildung aus Wiesbaden e. V. und form Hochschule RheinMain
Zentrale Gedenkveranstaltung der Landeshauptstadt Wiesbaden: Verfemte Musik
Die Nationalsozialisten bauten nicht nur den Staat nach ihren Vorstellungen um. Sie griffen auch tief in Gesellschaft und Kultur ein. Wegen ihrer Herkunft, Religion oder Staatsangehörigkeit missliebige Komponistinnen und Komponisten wurde sukzessive die Lebensgrundlage entzogen. Ihre Stücke wurden nicht mehr gespielt. Aufträge erhielten sie nicht mehr, sondern nur diejenigen Kollegen, die ins nationalsozialistische Weltbild passten.
Studierende der Wiesbadener Musikakademie würdigen einige dieser verfemten Künstlerinnen und Künstler im Rahmen der Zentralen Gedenkveranstaltung. In einem Workshop mit Masterclass unter der Leitung von Prof. Kolja Lessing zu diesem Thema beschäftigten sich Studierende mit vom NS-Regime verfolgten Komponistinnen und Komponisten und erarbeiteten zusammen ausgewählte Stücke.
Zentrale Gedenkveranstaltung zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“
Dienstag, 27. Januar 2026
19 Uhr, Kulturforum Wiesbaden
Mit einem Grußwort von Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr
und einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende
Anmeldung erbeten unter veranstaltung-stadtarchivwiesbadende oder Telefon 0611 313080
Wiesbaden im Nationalsozialismus
Die NSDAP konnte in Wiesbaden schnell Fuß fassen und die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum der Propaganda und des Militarismus. Viele Orte des Wirkens und der Verbrechen sind heute noch präsent in der Stadt. Gemeinsam besuchen wir diese in einem Rundgang und vertiefen unsere Eindrücke im Anschluss anhand der Objekte im Museum.
Zur Veranstaltungsreihe „Erinnern an die Opfer“ bietet das sam in der letzten Januarwoche von Dienstag bis Freitag kostenfreie Führungen für Schulklassen zum Thema „Wiesbaden im NS“ an. An den Aktionstagen stehen jeweils zwei Uhrzeiten zur Auswahl. Pro Uhrzeit und Tag kann nur eine Klasse geführt werden, also schnell sein und buchen!
Themenführung für Schulklassen
Dienstag, 27., bis Freitag, 30. Januar 2026
Jeweils 9 Uhr und 11.30 Uhr, Dauer circa 120 Minuten
Informationen und Buchung, Lisa Sommer: l.sommerstadtmuseum-wiesbadende oder Telefon 0611 44750063
Eine Veranstaltung des sam – Stadtmuseum am Markt und der Schuld-Stiftung
Die Führungen werden von der Schuld-Stiftung gesponsert.
Verfolgung, Vernichtung, Widerstand
Die nationalsozialistische Vergangenheit erscheint vielen weit entfernt, repräsentiert lediglich durch schwarz-weiße Aufnahmen aus einer anderen Zeit. Doch wie überall in Deutschland können auch in Wiesbaden viele Spuren im Stadtbild entdeckt werden:
Spuren der Verfolgung von politischen Gegner*innen und ganzen Bevölkerungsgruppen. Spuren der bis ins Detail geplanten und organisierten Vernichtung von als „unwert“ klassifiziertem Leben. Spuren des Widerstands gegen den nationalsozialistischen Staatsterror.
Wir wollen exemplarische Orte der Vergangenheit aufspüren, die Geschichte der Stadt zwischen 1933 und 1945 erlaufen sowie ihr Nachwirken sichtbar machen. An den jeweiligen Stationen wird es einen kurzen Input zu den historischen Hintergründen geben sowie die Möglichkeit für Nachfragen und Diskussion. Der Stadtrundgang dauert ca. anderthalb Stunden und führt durch die Wiesbadener Innenstadt.
Rundgang
Mittwoch, 28. Januar 2026
17 Uhr, Bahnhofsplatz / Lili Wiesbaden
Eine Veranstaltung von KI:Wi – Kritische Intervention Wiesbaden
Nachbarn
In der Wiesbadener Bahnhofstraße wohnen während des Zweiten Weltkriegs zwei Familien. In der Nummer 46 lebt die jüdische Familie Strauss, in der Hausnummer 44 die Familie Moos – bis zum Kriegsende überzeugte Nazis. Veronika Moos, Malsaalchefin des Hessischen Staatstheaters, ist tief in ihre eigene Familiengeschichte sowie in die der Nachbarn eingetaucht.
Die Lesung aus ihrem Buch mit Schauspieler*innen des Staatstheaters Wiesbaden ist für Menschen ab 14 Jahren gedacht.
Lesung
Freitag, 30. Januar 2026
10 Uhr, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Wartburg
Samstag, 31. Januar 2026
11 Uhr, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Wartburg
Mitwirkende: Jan-Emanuel Pielow, Sophie Pompe, Evelyn Faber, Sherwin Douki
Eine Veranstaltung des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Das Tagebuch der Anne Frank
„Einmal wird dieser schreckliche Krieg doch aufhören, einmal werden wir auch wieder Menschen und nicht allein Juden sein.“
Die Tagebuchaufzeichnungen von Anne Frank sind nachfolgenden Generationen ein Zeitzeugnis über Flucht und Selbstermächtigung durch das Schreiben und die Sprache – als einziges Instrument für ihren Aktivismus. Sie stellen das Erbe einer aufstrebenden Schriftstellerin dar und zählen zur Weltliteratur. Durch das Festhalten ihrer Gedanken konnte Anne Frank den Konflikten der Isolation entfliehen. Es ist die Geschichte eines heranwachsenden Menschen von Menschlichkeit und Überleben, die auch heute noch eine tiefgreifende Resonanz hat und uns daran erinnert, die Menschlichkeit inmitten der dunkelsten Zeiten zu bewahren.
Die Stückentwicklung ist für Menschen ab 14 Jahren gedacht.
Theaterstück nach den Aufzeichnungen von Anne Frank
Freitag, 30. Januar 2026
18 Uhr, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Wartburg
Inszenierung: Emel Aydoğdu, Ausstattung: Eva Lochner,
Dramaturgie: Luisa Schumacher, Regieassistenz: Evi Rohde,
Vermittlung: Rebecca Rasche / Luisa Schumacher,
Spiel: Maurizia Bachnick
Eine Veranstaltung des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
"Souviens-toi" – Erinnerungen an Heinz Lewin
Seine Operetten waren beliebt; seine Filmmusik schaffte es bis nach Hollywood. Trotzdem wurde er in seiner Geburtsstadt Wiesbaden lange vergessen: der jüdische Komponist Heinz Lewin (1888-1942). Nach umfangreichen Forschungen schuf die Musikhistorikerin Carol Falling einen Dokumentarfilm über sein Leben und seine Musik. Der Film beleuchtet Lewins Ausbildung und Kompositionserfolge in Wiesbaden und Berlin, sein Exil in Paris, seine Haft im Lager Septfonds (Frankreich) und seine Deportation nach Auschwitz. Durch Interviews mit Lewins Enkelin Yvonne Mocatta und dem Musikwissenschaftler Dr. Albrecht Dümling werden persönliche Erinnerungen sowie die jüngere Geschichte jüdischer Musiker*innen lebendig. Die Musik im Film ergänzen an diesem Abend Musiker*innen des Staatstheaters um neu entdeckte Kompositionen Lewins sowie seiner Zeitgenoss*innen.
Film und Kammermusik
Samsatg, 31. Januar 2026
20 Uhr, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Studio
Mitwirkende: Galina Benevich (Gesang), Igor Mishurisman (Violine), Anastasiya Mishurisman (Viola), Miyeon Eom (Klavier)
Der Film entstand im Rahmen der „Stadtteil-Historiker Wiesbaden“, einem Projekt der Wiesbaden Stiftung.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden
Wiesbaden im Nationalsozialismus
Die NSDAP konnte in Wiesbaden schnell Fuß fassen und die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum der Propaganda und des Militarismus. Viele Orte des Wirkens und der Verbrechen sind heute noch präsent in der Stadt. Gemeinsam besuchen wir diese in einem Rundgang und vertiefen unsere Eindrücke im Anschluss anhand der Objekte im Museum.
Themenführung
Sonntag, 1. Februar 2026
11.30 Uhr, Dauer circa 120 Minuten
Eingang sam – Stadtmuseum am Markt, Dern’sches Gelände
Die Teilnahme ist kostenfrei
Anmeldung nicht erforderlich, Teilnahmezahl begrenzt
Eine Veranstaltung des sam – Stadtmuseum am Markt und der Schuld-Stiftung
Ein Richter unter drei politischen Systemen
1882 in London geboren, kam er im selben Jahr mit seinen Eltern nach Wiesbaden, wo er seine Kindheit und Jugend in einer repräsentativen Villa in der Schubertstraße 1 verbrachte. Nach seinem Abitur am Gymnasium am Luisenplatz studierte er Jura; 1908 begann seine Richterlaufbahn. Zuletzt war er Richter am Oberlandesgericht Frankfurt am Main. 1934 wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung zwangsweise zunächst an das Landgericht Wiesbaden versetzt und 1935 endgültig aus dem Richterdienst entlassen. Sein Leben steht beispielhaft für die Justiz unter drei politischen Systemen: Kaiserreich, Weimarer Republik und „Drittes Reich“. Sein Schicksal war es, dass er dem Rassenwahn des NS-Staates zum Opfer fiel, nachdem er im Rahmen der sog. Reichskristallnacht am 10. November 1938 verhaftet und in das KZ Buchenwald verbracht worden war.
Vortrag von Dr. Rolf Faber zu Leben und Schicksal des Wiesbadener Richters Dr. Wilhelm Dreyer
Montag, 2. Februar 2026
18 Uhr, Heimathafen Wiesbaden
Eine Veranstaltung des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung e. V. in Kooperation mit dem Heimathafen Wiesbaden
"Woher? – Wohin?"
Die Referentinnen Dr. Miriam Olivia Merz und Dr. Simone Husemann werden in ihrer Dialog-Führung das in der Sammlung des Museum Wiesbaden befindliche Gemälde „Der Gang nach Bethlehem“ von Fritz von Uhde und dessen fast vollständig rekonstruierte Provenienzgeschichte vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus vorstellen.
Dialogführung zu Fritz von Uhdes Gemälde „Der Gang nach Bethlehem“ und seine Provenienzgeschichte
Dienstag, 3. Februar 2026
15 Uhr, Museum Wiesbaden
Mit Miriam Olivia Merz und Dr. Simone Husemann
Anmeldung nicht erforderlich
Eine Veranstaltung der
Katholischen Erwachsenenbildung Wiesbaden-Untertaunus & Rheingau in Kooperation mit der Zentralen Stelle für Provenienzforschung Hessen
Die unbekannten Judenhelfer
Der Widerstand der Zeugen Jehovas hatte viele Facetten. Er zeigte sich auch in der Hilfe für verfolgte Juden. Jehovas Zeugen lehnten dabei insbesondere den Antisemitismus strikt ab. Christoph Wilker hat dazu geforscht und publiziert. In seinem Buch verarbeitete er Berichte von Zeugen Jehovas, die einen weithin unbekannten Aspekt der Hilfe für Juden und deren Rettung beleuchten.
Christoph Wilker liest aus seinem Buch und wird einzelne Aspekte im Gespräch mit Jana Daldrup erläutern. Einleitend gibt Inge Naumann-Götting einen Überblick über Wiesbaden im Nationalsozialismus. Christoph Wilker begleitet seit den 1990er Jahren NS-Forschungsprojekte und bereitete in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum München eine Ausstellung über die Verfolgung der Zeugen Jehovas vor.
Buchvorstellung, wie Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus Juden beistanden
Donnerstag, 5. Februar 2026
18 Uhr, Stadtarchiv Wiesbaden
Anmeldung erbeten unter veranstaltung-stadtarchivwiesbadende.
Eine Veranstaltung der Geschichtswerkstatt Lila Winkel in Kooperation mit dem Stadtarchiv Wiesbaden
Das Ungesagte
Die meisten Deutschen, die damals für das NS-Regime waren, haben nach 1945 nie wieder über diese Zeit gesprochen. In fast allen deutschen Familien war das Thema tabu: Das Ungesagte. Der Dokumentarfilm wählt einen psychologischen Ansatz, um herauszufinden, was diese Menschen damals genau dachten und fühlten – und wie sie heute ihre Beteiligung bzw. Involviertheit in das NS-Regime beurteilen. Die Aussagen sind schmerzhaft ehrlich, teils verstörend, aber auch berührend, dabei gleichermaßen geprägt von moralischem Zwiespalt, verdrängten Schuldgefühlen, Trauma und Trauer. Zudem erzählen auch jüdische Überlebende und erhellen die bis heute verbliebenen blinden Flecken in der Perspektive der damaligen Mehrheitsgesellschaft. Die Verbindung beider Perspektiven eröffnet unerwartete, erschütternde Erkenntnisse.
Film
Sonntag, 8. Februar 2026
16.45 Uhr, Murnau-Filmtheater
D 2025, Regie: Patricia Hector und Lothar Herzog
143 Minuten, DF, FSK: ab 12
Eine Veranstaltung des Murnau-Filmtheaters in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden
Rosa Winkel
Die Ausstellung beleuchtet das Schicksal der etwa 700 Männer, die als Homosexuelle in die Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora verschleppt wurden. An ihrer Häftlingskleidung mussten sie einen rosa Winkel zur Kennzeichnung tragen. Die Schau zeigt nicht nur das Leid im KZ auf, sondern stellt auch die Zeit danach dar, denn die Verfolgung hörte 1945 nicht auf. Der Strafrechtsparagraph 175, der männliche Homosexualität kriminalisierte und schon im Kaiserreich zu Verhaftungen führte, wurde von den Nationalsozialisten verschärft und blieb über die NS-Zeit hinaus bestehen. Schon ein Verdacht konnte ausreichen, um festgenommen und interniert zu werden.
Ausstellungseröffnung
Mittwoch, 11. Februar 2026
19 Uhr, Kunsthaus Wiesbaden
Laufzeit: Donnerstag, 13. Februar bis Sonntag, 19. April 2026
Die Ausstellung wurde von Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora erarbeitet.
Eine Veranstaltung des Stadtarchivs Wiesbaden in Kooperation mit dem Kunsthaus Wiesbaden, der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, frauen museum wiesbaden und der LSBT*IQ-Koordinierungsstelle
"Ich bin als Emigrantenkind geboren ..."
Mascha Kaléko (1907 bis 1975), deutschsprachige jüdische Dichterin in Berlin, wo sie sehr erfolgreich war, musste 1938 zusammen mit Ehemann und Sohn vor der Verfolgung durch das Nazi-Regime flüchten.
In vielen Gedichten, die sie im Exil in New York und Jerusalem schrieb, reflektiert sie die Erfahrung des Heimatverlusts und bezieht dezidiert Stellung gegenüber der deutschen Politik von 1933 bis 1945 und der „Vergangenheitsbewältigung“ und dem politischen Klima in der BRD. Als Beispiele seien „Hoere, Teutschland!“ (1943) und „Deutschland, ein Kindermärchen“ (1956) genannt.
Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung mit Werken renommierter jüdischer Komponisten wie George
Gershwin und Sholom Secunda.
Vortrag
Donnerstag, 12. Februar 2026
18 Uhr, Jüdische Gemeinde Wiesbaden
Musikalische Begleitung: Duo Contraverso (Cornelia Thorspecken, Querflöte, Hartmut Boger, Kontrabass)
Anmeldung erforderlich unter infojg-wide oder Telefon 0611 9333030
Eine Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden und der Volkshochschule Wiesbaden
Alle Veranstaltungsorte im Überblick
- Emma – die Theaterwerkstatt
Blücherplatz 3, 65195 Wiesbaden - Haus an der Marktkirche Wiesbaden
Schlossplatz 4, 65183 Wiesbaden - Heimathafen Wiesbaden
Gerichtstraße 2, 65185 Wiesbaden - Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Studio - Christian-Zais-Straße 3, 65189 Wiesbaden
Wartburg
Schwalbacher Straße 51, 65183 Wiesbaden - Jüdische Gemeinde Wiesbaden
Friedrichstraße 31-33, 65185 Wiesbaden - Kulturform Wiesbaden
Friedrichstraße 16, 65185 Wiesbaden - Kunsthaus Wiesbaden
Schulberg 10, 65183 Wiesbaden - Literaturhaus Villa Clementine
Frankfurter Straße 1, 65189 Wiesbaden - Museum Wiesbaden
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden - Murnau-Filmtheater
Murnaustraße 6, 65189 Wiesbaden - Rathaus Wiesbaden
Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden - sam – Stadtmuseum am Markt
Marktplatz, 65183 Wiesbaden - Stadtarchiv Wiesbaden
Im Rad 42, 65197 Wiesbaden - vhs Wiesbaden
Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, 65187 Wiesbaden
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Postanschrift
65029 Wiesbaden
Anreise
Hinweise zum ÖPNV
ÖPNV: Haltestelle Kleinfeldchen/Stadtarchiv, Buslinien 4, 17, 23, 24 und 27 sowie Haltestelle Künstlerviertel/Stadtarchiv, Buslinie 18.
Telefon
- 0611 313022
- 0611 313977
Öffnungszeiten
Öffnungszeiten des Lesesaals:
- Montag: geschlossen
- Dienstag: 9 bis 16 Uhr
- Mittwoch: 9 bis 18 Uhr
- Donnerstag: 12 bis 16 Uhr
- Freitag: geschlossen
