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Privatschulen

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Privatschulen haben in Wiesbaden eine lange Tradition. So gründete Johannes de Laspée 1809 eine Privatschule, die nach der Methode von Johann Heinrich Pestalozzi unterrichtete. Zu einer Vorkämpferin der Frauen- und Mädchenbildung wurde Wilhelmine Magdeburg mit ihrem 1832 gegründeten Mädcheninstitut. Daneben entstanden weitere Privatschulen für Mädchen. 1893 richtete der Frauenorden »Englische Fräulein« in heute nicht mehr vorhandenen Villen am Eingang der Mainzer Straße das Institut St. Maria, ein Gymnasium für Mädchen mit Universitätszugang, ein. Die Englischen Fräulein sahen ihre Aufgabe in Bildung und Erziehung aus christlicher Verantwortung für Mädchen. 1939 wurde dieses Institut von den Nationalsozialisten geschlossen. Im 19. Jahrhundert entstanden auch religiöse Schulen wie die Katholische Mädchen- oder die Privat-Religionsschule der israelitischen Religionsgemeinschaft. Der EVIM gründete 1853 ein Kinderheim, dem auch eine heimgebundene Sonderschule zugeordnet war, Vorläufer der heutigen Schule am Geisberg. Eine Schule war auch dem 1907 auf Initiative einiger Damen der höheren Gesellschaft eingerichteten Johannesstift für unehelich schwangere Mädchen angegliedert. Als Beispiel für eine frühe berufliche Privatschule steht das 1888 von Heinrich Spangenberg gegründete »Music-Paedagogicum«, das vielfältige musikalische Ausbildungsmöglichkeiten bot. Ab 1931 führte es den Namen Wiesbadener Konservatorium.

Diese frühen Beispiele für Privatschulen in Wiesbaden stehen für das, was man heute Ergänzungsschule nennt. Ergänzungsschulen machen Angebote, die das öffentliche Schulwesen nicht bietet und erweitern insofern die Schulvielfalt. Daneben gibt es auch Ersatzschulen in privater Trägerschaft, die – auf der Grundlage einer staatlichen Genehmigung – grundsätzlich dasselbe Angebot haben wie öffentliche Schulen. Aufgrund der Erfahrung mit dem NS-Staat, der eine Gleichschaltung aller Schulen durchsetzte, wurde im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland das Recht zur Errichtung von Privatschulen verankert. Seitdem hat die Zahl der in Privatschulen unterrichteten Schüler sukzessiv zugenommen. Heute gibt es zehn allgemein bildende Privatschulen in Wiesbaden: zwei Förderschulen, eine Integrierte Gesamtschule, die Europa-Schule Dr. Obermayr mit Grundschule, Gymnasium und beruflicher Schule, zwei Grundschulen, ein reines Gymnasium und zwei kombinierte Grundschulen mit Gymnasium. Die im Johannesstift 1983 gegründete Agnes-Neuhaus-Schule ist eine staatlich anerkannte Schule für Erziehungshilfe. Als Ersatzschule garantiert sie die lehrplanmäßige Umsetzung des für die Sekundarstufe 1 vorgesehenen Unterrichts. Durch individuelle Hilfe soll eine Wiedereingliederung in das öffentliche Schulwesen erreicht werden.

Seit 2008 arbeitet die in Trägerschaft der EVIM gegründeten Schule Campus Klarenthal auf dem Gelände der ehemaligen hessischen Gartenakademie. Die genehmigte Ersatzschule ist eine reformpädagogische Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche vom Krippenalter bis zum Abitur. Die 1956 gegründete Europa-Schule Dr. Obermayr umfasst einen musischen Kindergarten, eine Montessori-Grundschule, ein bilinguales Gymnasium als Ganztagsschule, einen Realschulzweig und ein Berufliches Gymnasium in der Fachrichtung Wirtschaft. Darüber hinaus verfügt sie über sechs Berufsfachschulen mit den Schwerpunkten Sprachen, Informationstechnik und Wirtschaft. Alle Schulen sind mit europäischen Partnerschulen verbunden.

Die 2003 von der Baptistengemeinde Wiesbaden gegründete Freie Christliche Schule Wiesbaden im ehemaligen »Haus Taunusfreunde« am Chausseehaus hat das Ziel, eine ganzheitliche Erziehung für Geist, Leib und Seele anzubieten, wobei die Grundsätze der Bibel und Werte wie Nächstenliebe, Dankbarkeit und Ehrlichkeit die pädagogische Arbeit bestimmen. Die Schule ist eine anerkannte Ersatzschule.

Die Freie Waldorfschule Wiesbaden ist eine allgemein bildende Schule von der 1. bis zur 13. Klasse in offener Ganztagsform. Die Kinder werden bis zu ihren jeweiligen Abschlüssen nach dem Gesamtschulkonzept unterrichtet. Die Abschlüsse einschließlich Abitur sind staatlich anerkannt. Die Humboldt-Schule, gegründet 1958, ist ein staatlich anerkanntes Gymnasium. Als erstes Wiesbadener Gymnasium entwickelte sie ein Ganztagsangebot mit differenzierter Aufgabenbetreuung. Individuelle Förderung der Schüler soll durch kleine Lerngruppen gewährleistet werden. Als Wahlmöglichkeit bietet die Schule in der Oberstufe das Fach Wirtschaftswissenschaften an.

Die 1992 gegründete International School Wiesbaden ist eine Dependance der Frankfurt International School, der größten internationalen Schule Deutschlands. Die Schule bietet englischsprachige, internationale und ganzheitliche Schulausbildung für ausländische und deutsche Kinder von drei Jahren bis Klasse 6. Ab Klasse 7 wird der Unterricht in der International School Frankfurt fortgeführt und schließt nach Klasse 12 ab mit dem internationalen Baccalaureate. Durch multikulturelle Schulveranstaltungen werden die Integration sowie Toleranz und Wertschätzung für andere Kulturen gefördert.

2014 wurde eine weitere Privatschule eröffnet, die private bilinguale Ganztagsschule (PbG), die sukzessiv eine Sekundarstufe 1 aufbaut. Die Initiative zur Gründung der Montessori-Schule Wiesbaden ging vom Vorstand und der Elternschaft des Kinderhauses Elsässer Platz aus. Dort war die Schule 1997 auch untergebracht, bevor sie auf dem Freudenberg eine neue Heimstatt fand. Die Schule am Geisberg ist eine staatlich anerkannte Förderschule für Erziehungshilfe und für Kranke. Sie fungiert auch als sozialpädagogische Beratungs- und Förderzentrum. Als heimgebundene Sonderschule 1853 gegründet, werden heute zunehmend auch Kinder beschult, die zuhause wohnen.

Neben den hier erwähnten Privatschulen gibt es auch zahlreiche private Anbieter beruflicher Aus- und Weiterbildung.

Literatur