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Kultur erleben

Museum und Innenstadt – Was geht?

Der vierte sam DesignDialog 2026 war zu Gast im WerkRaum Wiesbaden und widmete sich Museen in Innenstädten. Gäste aus Frankfurt, Chemnitz und Hamburg stellten Museen und Konzepte vor.

MUSEUM UND INNENSTADT – Was geht?

sam DesignDialog 2026

Welche Rolle können Museen für die Zukunft unserer Innenstädte spielen? Und wie können sie Orte der Begegnung, Identität und Teilhabe werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der vierte sam DesignDialog am 10. Juni 2026 im WerkRaum Wiesbaden im ehemaligen SportScheck. Rund 85 Gäste verfolgten die Diskussion vor Ort.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 statt und wurde vom sam – Stadtmuseum am Markt in Kooperation mit der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden (SEG), der Wiesbaden Stiftung und der Hochschule RheinMain ausgerichtet.

Unter dem Titel „Museum und Innenstadt –Was geht?“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wiesbaden, Frankfurt, Chemnitz und Hamburg über die Bedeutung von Stadtmuseen für die Entwicklung lebendiger Innenstädte. „Wir wollen Visionen entwickeln, wie ein modernes, zeitgemäßes Stadtmuseum oder Regionalmuseum aussehen könnte“, erklärte Sabine Philipp, Direktorin des sam – Stadtmuseum am Markt, in ihrer Begrüßung. Dabei sei bewusst der Blick über Wiesbaden hinaus gesucht worden.

Auf dem Podium berichteten Dr. Doreen Mölders, Direktorin des Historischen Museums Frankfurt, Dr. Sabine Wolfram, Direktorin des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz (smac), und Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg und Stadtmuseum Harburg von ihren Erfahrungen mit modernen Museumskonzepten und neuen Standorten.

Ein zentrales Ergebnis des Abends: Museen werden heute weit über ihre klassische Rolle als Ausstellungsorte hinaus verstanden. Sie sind Orte des Vertrauens, des Austauschs, der Beteiligung und des gesellschaftlichen Dialogs.

Für Dr. Doreen Mölders ist der Abbau von Zugangsbarrieren ein wichtiges Anliegen – nicht nur physischer, sondern auch kultureller Barrieren: „Wir werden versuchen, das Museum noch stärker als sozialen Ort, auch in der Stadtgesellschaft, zu etablieren“, betonte die Direktorin des Historischen Museums Frankfurt.

Auch die Bedeutung von Museen für die Entwicklung von Innenstädten wurde mehrfach hervorgehoben. Die Podiumsgäste waren sich einig, dass sich Kultur und Stadtentwicklung gegenseitig stärken können. Besonders eindrucksvoll waren die Beispiele aus Chemnitz und Hamburg. In Chemnitz wurde das ehemalige Kaufhaus Schocken erfolgreich in ein Archäologiemuseum umgewandelt. Dr. Sabine Wolfram berichtete von ihren Erfahrungen in Chemnitz: „Das Museum im ehemaligen Kaufhaus Schocken unterzubringen ist eine ganz besondere Erfolgsgeschichte. Für die denkmalgerechten Sanierung des Gebäudes (Baujahr 1929/30), unsere modernen Ausstellungsgestaltung und unser Corporate Designs haben wir bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten."

In Hamburg-Harburg entwickelt sich das „Planet Harburg“ im Erdgeschoss in einem ehemaligen Karstadt-Gebäude zu einem neuen kulturellen Anziehungspunkt. Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg und Stadtmuseums Harburg will mit der Dependance ein niedrigschwelliges Angebot für alle gesellschaftlichen Gruppen schaffen. Seine erfolgreichsten Archäologie-Ausstellungen waren mit Lego und Playmobil-Männchen. Dazu sagt er: „Wir wollen weder zur Event-Schleuder werden, noch im Elfenbeinturm Staub ansetzen.“

Die Diskussion machte deutlich, dass ehemalige Kaufhäuser besondere Chancen für kulturelle Nutzungen bieten. Sie liegen meist zentral, sind vielen Menschen vertraut und verfügen über große, flexibel nutzbare Flächen. Dadurch können sie niedrigschwellige Orte für Kultur, Bildung und Begegnung werden. Dr. Sabine Wolfram verwies auf die Erfahrungen in Chemnitz: Gebäude mit einer früheren Kaufhausnutzung seien Orte, die die Menschen bereits kennen und mit positiven Alltagserfahrungen verbinden. Dadurch würden Hemmschwellen abgebaut und neue Besuchergruppen erreicht.

Die Beispiele aus Chemnitz und Hamburg zeigten, welches Potenzial ehemalige Kaufhäuser für kulturelle Nutzungen bieten. Ihre zentrale Lage, die Vertrautheit der Orte und große, flexibel nutzbare Flächen schaffen gute Voraussetzungen für Kultur, Bildung und Begegnung. Wie Dr. Sabine Wolfram betonte, können dadurch Hemmschwellen abgebaut und neue Besuchergruppen erreicht werden.

Auch die Bedeutung eines Stadtmuseums für die Identität einer Stadt spielte eine wichtige Rolle. Dr. Alrun Schößler von der Wiesbaden Stiftung ist „zutiefst davon überzeugt, dass Identität auf Geschichte fußt und dass daraus etwas erwachsen kann, was wir dann gemeinsam gestalten.“

Für Wiesbaden zeigte der Abend eindrucksvoll, welches Potenzial ein sichtbares und zentral gelegenes Stadtmuseum für die Stadtgesellschaft entfalten könnte. Die Experten waren sich einig: Museen gehören mitten in die Stadt: dorthin, wo Menschen sich begegnen, diskutieren und gemeinsam Zukunft gestalten. Und sie stellen dort durchaus selbst einen Wirtschaftsfaktor dar.

Zum Abschluss betonte Sabine Philipp die besondere Chance, die sich aktuell für Wiesbaden eröffnet: „Zehn Jahre im Keller für die Stadtgeschichte der Landeshauptstadt sind genug. Die Landeshauptstadt braucht ein sichtbares kulturhistorisches Museum in der Innenstadt – als Ort der Identifikation, der Begegnung und der Teilhabe und als Ergänzung und Pendant zur Museumsachse auf der Wilhelmstrasse..“

Der sam DesignDialog 2026 hat gezeigt: Moderne Stadtmuseen bewahren nicht nur Geschichte. Sie schaffen Orientierung, stärken Identität und gesellschaftlichen Zusammenhalt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität von Innenstädten. Voraussetzung dafür sind Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und eine Verankerung mitten im städtischen Leben.

Kooperation

Eine Veranstaltung im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 in Kooperation mit der SEG, der Wiesbaden Stiftung und der Hochschule RheinMain. WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

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