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Leben in Wiesbaden

Verkauf an Hessen

Zu der halben Herrschaft Eppstein, die Gottfried IX. von Eppstein-Münzenberg 1492 an den Landgrafen Wilhelm von Hessen verkauft, gehörte neben Igstadt, Delkenheim, Medenbach und Nordenstadt sowie Diedenbergen, Massenheim, Wallau und Wildsachsen auch Breckenheim. Diese zehn Orte bildeten einen politischen und wirtschaftlich geschlossenen Bezirk, der noch heute unter der Bezeichnung "Ländchen" bekannt ist, da das Amt von Nassau, Kurmainz und Königsteiner Besitz umgeben war und eine hessische Exklave bildete. Das "Ländchen" im Rhein-Main-Gebiet ist allerdings nicht zu verwechseln mit dem "Blauen Ländchen", einem Teil des Einrich in der ehemaligen Niedergrafschaft Katzenelnbogen.


Seit 1492 haben Breckenheim und das "Ländchen" mehr als drei Jahrhunderte lang zu Landgrafschaft Hessen gehört, ab 1567 zu Hessen-Marburg , ab 1604 zu Hessen-Kassel und seit 1624 zu Hessen-Darmstadt, bei dem sie bis zum Übergang an Nassau im Jahre 1803 verbleiben.


Das "Ländchen" war 1526 evangelisch geworden, nachdem Landgraf Philipp der Großmütige auf der Synode zu Homberg an der Efze sich für das lutherische Bekenntnis ausgesprochen hatte. Das Pfarramt übte damals Lorzen von Lolshausen aus.


Der 30-jährige Krieg (1618 bis 1648) brachte fast das Ende der Gemeinde. 1638 zerstörte ein Brand den Ort bis auf den Kirchturm, drei Häuser und zwei Scheunen. Einquartierungslasten wechselten mit Brandschatzungen und Plünderungen. Von den rund 150 Einwohnern waren am Ende des Krieges noch 30 übriggeblieben. Ihnen war das Weiterbestehen des Ortes zu verdanken. Sichtbarste Zeichen für ihren Willen zum Wiederaufbau bildeten im Jahre 1694 der Umbau einer Scheune zu einem Schulhaus mit Schulzimmer und Lehrerwohnung und in den Jahren 1720 bis 24 die Erbauung der Kirche als barocke Saalkirche mit einer hölzernen Empore. Zur Finanzierung war dem Theologiestudenten Johann Nikolaus Tonsor 1719 erlaubt worden, zu Gunsten der beiden Baumaßnahmen im Amt Spenden zu sammeln. Immerhin war das Schulhaus doch so massiv, dass es bis 1966 als Rathaus diente.


Die drückenden wirtschaftlichen Verhältnisse der Einwohner wurden durch Tabak- und Obstanbau, durch Herstellung von Obstessig, durch Schafzucht und Wollhandel verbessert. Die Erschließung eines Silberbergwerks im Jungen Wald in der Nähe der damaligen Lochmühle, 1772 bis 76 hatte keinen Erfolg.

Quelle: Dr. Rolf Faber

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