Energie- und Treibhausgasbilanz
Alle drei Jahre erstellt die Stadtverwaltung im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung eine Treibhausgasbilanz. Nun liegt die Auswertung für den Zeitraum von 2019 bis 2023 vor. Danach konnte Wiesbaden seinen Energieverbrauch und damit auch die Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase deutlich senken.
Die Emissionen werden in sogenannten CO₂-Äquivalenten (CO₂Äq) angegeben. Dabei werden alle Treibhausgase entsprechend ihrer Klimawirkung in CO₂ umgerechnet, um sie vergleichbar zu machen.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- 19 Prozent Rückgang im Zeitraum 2019 bis 2023
- 33 Prozent weniger Treibhausgase seit 1990 (internationales Referenzjahr für den Klimaschutz)
- über 21 Prozent weniger Emissionen pro Kopf seit 2019
Im Jahr 2023 wurden insgesamt 2,25 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen. Das entspricht rund 7,9 Tonnen pro Einwohnerin und Einwohner – etwa zwei Tonnen weniger als noch 2019. Bei einer leicht gestiegenen Bevölkerungszahl sind die Pro-Kopf-Emissionen damit deutlich gesunken.
Besonders stark reduziert hat die Wirtschaft ihre Emissionen: Gegenüber 2019 gingen sie um 29 Prozent zurück. Auch die privaten Haushalte sparten Energie ein. Ihr Verbrauch sank um 15 Prozent, die verursachten Treibhausgasemissionen um 10 Prozent. Der Verkehrsbereich konnte seine Emissionen um vier Prozent verringern. Da andere Bereiche jedoch stärker eingespart haben, wächst der relative Anteil des Verkehrs an den Gesamtemissionen der Stadt.
Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe. Während der Corona-Pandemie ab 2020 führten geringere Verkehrsleistungen und eine schwächere wirtschaftliche Aktivität zu einem niedrigeren Energieverbrauch. Auch nach der Pandemie blieb insbesondere der Pendelverkehr unter dem Niveau von 2019, unter anderem durch mehr Homeoffice und digitale Arbeitsformen.
Einen weiteren starken Einfluss hatte die Energiekrise der Jahre 2022 und 2023 infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die stark gestiegenen Preise für Erdgas und Strom führten zu Produktionsrückgängen in energieintensiven Betrieben sowie zu Einsparungen beim Heizen und beim Stromverbrauch in Gewerbe und Haushalten. Gleichzeitig wurde im Jahr 2022 vorübergehend mehr Kohle zur Stromerzeugung eingesetzt. Da für die Bilanz der bundesweite Strommix zugrunde gelegt wird, wirkte sich dieser höhere Kohleanteil auch auf die Wiesbadener Bilanz aus. Deshalb war 2022 trotz gesunkenen Energieverbrauchs gegenüber 2021 ein leichter Anstieg der Emissionen zu verzeichnen.
Langfristig zeigt sich jedoch ein klarer Trend: Der kontinuierliche Ausbau erneuerbarer Energien senkt seit mehr als zwei Jahrzehnten die Emissionen aus der Stromerzeugung. Erneuerbarer Strom ist ein zentraler Baustein für eine klimafreundliche Wärmeversorgung von Gebäuden und für Elektromobilität. Er gilt daher als wichtiger Hebel auf dem Weg zu einer weitgehend klimaneutralen Energieversorgung.
Für die Bilanz werden verschiedene Datenquellen zusammengeführt. Dazu gehören Verbrauchsdaten zu Strom, Erdgas und Fernwärme von den Netzbetreibern, ergänzende Angaben zu Heizungsanlagen sowie Modellberechnungen für den Verkehrsbereich auf Basis von Verkehrszählungen. Zusätzlich fließen Daten der Deutsche Bahn für den Schienenverkehr und von ESWE Verkehr für den öffentlichen Nahverkehr ein.
Das Umweltamt wird in Kürze einen ausführlichen Umweltbericht mit allen Ergebnissen zur Energie- und Treibhausgasbilanz veröffentlichen und hier verlinken.
