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Stadtteile und Vororte

Breckenheim

Auf dem Gebiet des heutigen Ortsteils Breckenheim befand sich vom Ende des 3. bis ins frühe 5. Jahrhundert n. Chr. ein frühalamannischer Siedlungsplatz. Ausgehend von der Herkunft des Ortsnamens ist Breckenheim, wie Delkenheim auch, eine fränkische Gründung und geht auf die Zeit vom 6. bis 9. Jahrhundert zurück. Breckenheim wird erstmals urkundlich in einem Diplom König Ottos I. vom 01.05.950 erwähnt. Seit 1137 gehörte Breckenheim den Herren von Eppstein. Die Siedlung war eine der reichsten Dörfer ihrer Herrschaft. Hier bestand ein befestigter Wirtschaftshof, zu dem wohl auch eine im Jahr 1300 erwähnte Mühle gehörte. Bedeutende geistliche Grundeigentümer waren das Mainzer Domkapitel, das Mariengredenstift und das Kloster Bleidenstadt.

Wie andere Ortschaften des Ländchens war auch Breckenheim zu Beginn des 15. Jahrhunderts Gegenstand der Auseinandersetzungen zwischen den Grafen zu Nassau und den Herren von Eppstein. Ende 1417 wurde der Ort in einer Fehde niedergebrannt. 1480/88 verpfändeten die Herren von Eppstein Breckenheim an die Pfalzgrafen bei Rhein. 1492 gelangte Breckenheim mit dem übrigen »Ländchen« schließlich an die Landgrafschaft Hessen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde Breckenheim nassauisch, mit der Annexion Nassaus durch Preußen 1866 dann preußisch.

Die Kirche

Eine Kapelle wird erstmals am 15.05.1251 erwähnt. Diese war dem heiligen Nikolaus gewidmet und wurde 1310 zu einer selbstständigen Pfarrkirche ernannt. 1655 war Medenbach mit dem zugehörigen Wildsachsen Filiale von Breckenheim. Die Abtrennung erfolgte erst 1984. 1526 wurde unter Philipp dem Großmütigen die Reformation eingeführt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort 1638 bis auf ein Haus und den romanischen Kirchturm zerstört. Zwischen 1720 und 1724 errichtete man eine neue barocke Saalkirche und renovierte den verbliebenen Turm.

Die Gerichtsbarkeit

Vor der Kirche trat das Gericht zusammen, das im Jahr 1300 erstmals erwähnt wird. Ihm stand der Schultheiß vor, der von den Herren von Eppstein eingesetzt wurde. Er übte die Gebotsgewalt und das Strafrecht aus. 16 Dingleute standen dem Schultheiß 1368 und 1375 fünf Schöffen zur Seite. Für die Blutsgerichtsbarkeit war das Landgericht Mechtildshausen zuständig. Ein erstes Gerichtssiegel ist für 1721 überliefert, wobei es sich dabei noch um einen Schriftzug handelt. Das Gerichtssiegel zeigt ab 1729 den heiligen Michael mit Schwert in der rechten und Waage in der linken Hand.

Wirtschaftliche Entwicklung

Weinbau war im späten Mittelalter ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Weinberge waren im Besitz des Klosters Bleidenstadt und wurden von Breckenheimer Arbeitskräften bewirtschaftet. Der Messwein für das Kloster Bleidenstadt wurde hier produziert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ging der Weinanbau allerdings zurück, bestand aber noch bis 1927. Ein Reblausbefall zerstörte die Weinstöcke. Von 1893 bis 1926 wurden weiße Trauben angebaut, die zu Riesling und Österreicher verarbeitet wurden. Der Trester der roten Trauben war zum Färben der Tracht eingesetzt worden.

Die Bewohner versuchten die ab dem 17. Jahrhundert drückenden wirtschaftlichen Verhältnisse durch Tabak- und Obstanbau, durch die Herstellung von Obstessig, durch Schafzucht und Wollhandel zu verbessern. 1570 wird erstmals eine Schäferei erwähnt. Für Breckenheim sind ab 1492 zwei Mühlen aktenkundig. Eine der Mühlen, die sogenannte Gerbermühle, die zwischen Wallau und Breckenheim liegt, besteht noch heute. 1614 gab es einen Schafhof, der zusammen mit einer der Mühlen von Landgraf Moritz an einen Frankfurter Postverwalter verliehen wurden. 1745 wurde eine Ölmühle, die Klingenmühle, erbaut und bis 1900 betrieben. Die »Lochmühle«, eine Getreidemühle, existierte von 1846 bis 1894. Weiterhin verfügte Breckenheim über einen Kalkofen, die spätere Ziegelhütte. 1689 konnte hier wegen des Pfälzer Erbfolgekriegs nicht gebrannt werden.

Breckenheim blieb bis in die 1950er-Jahre hinein ein Bauerndorf, doch bildete die Landwirtschaft schon lange nicht mehr den Haupterwerbszweig der Einwohner. Immer mehr Breckenheimer wandten sich dem Schneider- und vor allem dem Bauhandwerk zu. Um 1700 waren bereits Schneider, Schuhmacher, Schuster, Leinenweber und Färber ansässig. Breckenheim verfügte zudem über eine Schmiede, es gab Müller, Bäcker, Metzger, einen Bierbrauer, Sattlermeister, Scheiner, Zimmermänner und auch Bergleute waren hier ansässig. Um 1777 kamen Säckler und 1799 Schnallenmeister hinzu. Eine zusätzliche Erwerbsquelle bildeten die Milchlieferungen an die nahe Kurstadt.

Siegel Breckenheims
Das Siegel Breckenheims aus dem Jahr 1721

Bevölkerungsentwicklung

1592 zählte man in Breckenheim 43 Häuser mit 160 Einwohnern. Dem Dreißigjährigen Krieg und der Pest fielen zahlreiche Menschen zum Opfer, nur acht Einwohner zählte die Gemeinde im Jahr 1638. Das Dorf wurde fast komplett zerstört. Bis 1677 waren wieder ungefähr 30 Familien in Breckenheim ansässig.

1665 hören wir erstmals von den schulischen Verhältnissen. Der Pfarrer forderte in diesem Jahr Gelder für die Besoldung eines Schulmeisters. Ab 1683 befand sich die Schulstube in einer alten Zehntscheune. Bis dahin mussten die Kinder in Wallau zur Schule gehen. Die Schulstube war zugleich die Wohnung des Schulmeisters Johann Jakob Wagner. Das Gebäude war baufällig, sodass die Gemeinde 1733 erklärte, dringend ein neues Schulgebäude zu benötigen.

Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1755 übernahm erstmals ein ausgebildeter Lehrer den Unterricht. Dieser fungierte zugleich als Organist, Küster und Glöckner. 1845 wurde eine zweite Lehrerstelle eingerichtet. 1938 entstand auf dem Mönchacker eine neue Schule. Die alte Schule aus dem 18. Jahrhundert diente bis 1966 als Rathaus. 1967 wurde das Gebäude abgerissen. 

Breckenheim hatte einen vergleichsweise großen jüdischen Bevölkerungsanteil: 1794 betrug er etwa 5 %. 1843 waren 32 von 707 Einwohnern jüdisch. Zur ab 1772 bestehenden Kultusgemeinde Breckenheim gehörten auch die jüdischen Einwohner von Langenhain, Medenbach und Wildsachsen. Als die Mindestanzahl an Gemeindemitgliedern nicht mehr aufgebracht werden konnte, vereinte sich die Gemeinde 1905 mit der von Wallau.

Im Ersten Weltkrieg waren 24 Gefallene zu beklagen, für die 1923 nach dem Abzug der französischen Besatzung ein Ehrenmal vor der Kirche errichtet wurde. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Gemeinde weitgehend unbeschadet. 64 Breckenheimer waren gefallen und vermisst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung durch den Zuzug Heimatvertriebener stark an (1939: 826 Einwohner; 1946: 1065 Einwohner; 1950: 1142 Einwohner). In den 1960er-Jahren wurde Breckenheim zur bevorzugten Wohngemeinde. Für Bauwillige aus Wiesbaden, Mainz und Frankfurt wurden große Baugebiete ausgewiesen, zunächst »Auf der Ahl« und in dem Gebiet »Die Weinberge«, später kamen »Prügelwiese« und »Prügelgärten« dazu. Ein Mehrzweckgebäude für die Unterbringung des Rathauses, des Feuerwehrgerätehauses, sowie sieben Wohnungen wurde 1965 erbaut. Bis 1980 verdreifachte sich die Einwohnerzahl. 2014 hatte Breckenheim rund 3.300 Einwohner.

Infrastrukturelle Entwicklung

1750 erhielt Breckenheim durch die Bohrung von neun Brunnen eine bessere Wasserversorgung. Brunnen, unter anderem ein Gemeindebrunnen, bestanden bereits seit 1698. 1709 wurden die Brunnen vor der Kirche, der Oberbrunnen und der Mönchbrunnen in der Mönchgasse 6 geschaffen. Nach vielen Eingaben wurde 1804 ein neues Pfarrhaus errichtet. 1911 wurde Breckenheim an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Seit den 1830er-Jahren wurden die Ortsstraßen und die Chaussee nach Igstadt ausgebaut. Seit 1927 gab es eine städtische Omnibuslinie von Breckenheim nach Bierstadt, von wo aus man mit der elektrischen Straßenbahn nach Wiesbaden fahren konnte. 1928/29 erhielt das Dorf eine moderne Wasserversorgung.

Vereine

Im Dorf gründeten sich in den 1880er-Jahren die ersten Vereine: 1885 der Gesangverein »Eintracht«, 1890 der Turnverein Breckenheim, 1907 der Geflügelzuchtverein, 1910 der Feuerwehrverein, 1912 der Radsportverein Solidarität und 1922 der Gesangverein »Frohsinn«.

Enthüllung des Ortsausgangsschilds von Nordenstadt nach Breckenheim, 1977
Enthüllung des Ortsausgangsschilds von Nordenstadt nach Breckenheim, 1977

Eingemeindung nach Wiesbaden

In den 1960er-Jahren erhielt das Dorf ein Wappen, das auf das alte Gerichtssiegel zurückgreift und in Rot ein senkrecht gestelltes silbernes Schwert mit goldenem Griff und einer goldenen Waage darstellt. 1974 entschied die Gemeindekörperschaft, dass Breckenheim nach Wiesbaden eingemeindet werden solle. Am 21.06.1974 gab der Hessische Landtag diesem Gesuch statt, zum 01.01.1977 erfolgte die Eingemeindung.

[Der vorliegende Text wurde 2017 von Dr. Brigitte Streich und Lydia Schwarzloh für die gedruckte Version des Stadtlexikons Wiesbaden erstellt und 2025 überarbeitet und ergänzt.]

Literatur

Breckenheimer Schulchronik ab 1750.

Henche, Albert: Der ehemalige Landkreis Wiesbaden. Ein Heimatbuch, Wiesbaden 1930.

Jacobi, Karl: Nassauisches Heimatbuch, Wiesbaden 1913.

Fritzsche, Wolfgang; Bartelt, Frank: Jüdische Familien in Wiesbaden 1818-1946, Wiesbaden 2017. 

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